Campingwirtschaft
Heimische Campingbranche bleibt auf Wachstumskurs: 8,8 Millionen Nächtigungen 2025
18.02.2026Fünftes Rekordjahr in Folge: Mit 8.798.295 Nächtigungen (+3,46 %) erreicht Österreich 2025 einen neuen Höchstwert. Kärnten verteidigt Platz eins, Wien wächst am stärksten – und Wintercamping entwickelt sich zunehmend zum wirtschaftlichen Faktor.
Die Campingwirtschaft in Österreich hat 2025 erneut ein Rekordergebnis erzielt. Wie eine Auswertung des Berliner Reise- und Buchungsportals camping.info auf Basis aktueller Daten von Statistik Austria zeigt, stiegen die Nächtigungen auf 8.798.295 – ein Plus von 3,46 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit verzeichnet die Branche das fünfte Allzeithoch in Folge. Bereits 2024 war mit 8,5 Millionen Übernachtungen ein Höchststand erreicht worden. Seit dem pandemiebedingten Einbruch 2020 (6,0 Mio.) hat sich das Segment nicht nur erholt, sondern strukturell weiterentwickelt. Gegenüber 2015 (5,45 Mio.) entspricht das aktuelle Niveau einem Zuwachs von mehr als 60 Prozent innerhalb einer Dekade.
Kärnten bleibt Leitmarkt – Wien mit stärkstem Wachstum
Regional zeigt sich ein differenziertes Bild. Kärnten behauptet mit 2.577.185 Nächtigungen (+1,80 %) seine Position als führendes Camping-Bundesland. Knapp dahinter folgt Tirol mit 2.522.095 Übernachtungen (+4,32 %). Salzburg überschritt mit 998.884 Nächtigungen (+5,77 %) erneut die Marke von einer Million. Besonders dynamisch entwickelte sich Wien: Mit einem Plus von 31,83 Prozent auf 125.689 Nächtigungen verzeichnete die Bundeshauptstadt das stärkste relative Wachstum aller Bundesländer. Auch das Burgenland (+11,99 %) legte deutlich zu.
Rückgänge meldeten hingegen Steiermark (−0,37 %), Oberösterreich (−1,22 %) sowie Niederösterreich (−3,32 %). Insgesamt konnten jedoch sieben der neun Bundesländer ihre Nächtigungszahlen steigern.
Saison entzerrt sich - April-Explosion und Trend zum Wintercamping
Auffällig ist 2025 die zunehmende saisonale Entzerrung. Ein feuchter März verzögerte den Saisonauftakt, doch der sonnige April sorgte mit über 357.000 Übernachtungen – doppelt so viele wie im Vorjahr – für einen starken Start. Der Juni erreichte mit mehr als 1,6 Millionen Nächtigungen (+35 %) einen neuen Spitzenwert. Auch der September legte mit über 922.000 Übernachtungen (+19 %) deutlich zu. Juli und August blieben zwar volumenmäßig die stärksten Monate, verzeichneten jedoch leichte Rückgänge.
Parallel dazu gewinnt das Wintercamping an Bedeutung: Im November und Dezember stiegen die Übernachtungen jeweils um 12 bis 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Betreiber bedeutet das eine bessere Ganzjahresauslastung und höhere Planbarkeit. Maximilian Möhrle, Geschäftsführer von camping.info, ordnet die Entwicklung wie folgt ein: „Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass sich das Camping-Verhalten weiter diversifiziert. Gäste verteilen ihren Urlaub zunehmend über das gesamte Jahr hinweg und nutzen verstärkt die Vor- und Nachsaison. Gerade Österreich profitiert dabei von klaren Standortvorteilen, die das Land und seine Campingplätze zu jeder Jahreszeit attraktiv machen. Für Betreiber eröffnet diese Entwicklung neue Chancen, ihre Auslastung langfristig zu stabilisieren und Camping als ganzjährige Urlaubsform zu etablieren.“
Qualitätssegment im Fokus: camping.info Award 2026
Parallel zur positiven Marktentwicklung wurden im Rahmen des camping.info Award 2026 – einer der etabliertesten Branchenauszeichnungen – die beliebtesten Plätze Europas gekürt. Die Auszeichnung basiert ausschließlich auf Gästebewertungen und berücksichtigt Zufriedenheit, Anzahl sowie Aktualität der Rezensionen. In Österreich führt Camping Sonnenland Lutzmannsburg das Ranking an und wurde zugleich als bester Campingplatz Europas ausgezeichnet. Weitere Top-Platzierungen erreichten unter anderem Camp MondSeeLand (Oberösterreich), Falkensteiner Camping Grubhof (Salzburg) sowie Natürlich HELL. Camping & Aparthotel (Tirol).
Strukturwandel vom Nischen - zum Ganzjahresmarkt
Historisch betrachtet markiert 2025 einen neuen Spitzenwert: Mit 8.798.295 Nächtigungen wurde der bisherige Höchststand erreicht. Zum Vergleich: 1974 lag der Tiefstwert bei 3,9 Millionen Übernachtungen. Die Zahlen verdeutlichen einen langfristigen Strukturwandel. Camping entwickelt sich vom saisonalen Nischenprodukt zu einem stabilen, wachstumsorientierten Teilmarkt innerhalb des österreichischen Tourismus. Neben klassischen Sommerurlaubern sorgen flexible Reiseformen, Homeoffice-Modelle und steigende Wohnmobilzulassungen für zusätzliche Nachfrageimpulse. Für Tourismusregionen und Betreiber bleibt das Segment damit ein strategisch relevantes Wachstumsfeld – mit weiterem Potenzial in der Verlängerung der Saison und der Erschließung urbaner sowie wintertouristischer Standorte.