Der Millionen-Plan
KI-Gründer: Hochbegabter (19) zieht aus Wien ins Silicon Valley
18.01.2026Ein Wiener Schüler schafft es in den legendären Y-Combinator im Silicon Valley, wo seine KI-Firma von millionenschweren Förderern groß gemacht wird. Er konzentriert sich auf KI-Agenten.
Der 19-jährige Mojmir Horvath schafft es als Schüler der Hochbegabtenförderung der HTL Spengergasse in Wien bis in den legendären Y-Combinator im Silicon Valley. Dort waren bereits die Airbnb-Gründer, deren Unternehmen jetzt viele Milliarden Dollar wert ist. Wie hat Mojmir Horvath das geschafft? Im oe24-Interview berichtet der Hochbegabte über sein Ziel, seinen Weg und seine Arbeitsweise.
Er ist in einem hochmodernen Geschäftszweig unterwegs und konzentriert sich auf KI-Agenten. Zu oe24 sagt er: "Mit PothAI konzentriere ich mich darauf, agentische KI-Systeme zu entwickeln, die Unternehmensdaten selbstständig analysieren, Hypothesen formulieren und daraus konkrete Entscheidungen ableiten. Ich entwerfe dafür die zugrunde liegende Architektur der Agenten und arbeite daran, Datenanalyse von statischen Dashboards hin zu entscheidungsorientierten Systemen weiterzuentwickeln."
"Möglichst früh KI nutzen und Probleme wirklich verstehen"
Agenten arbeiten größere Tätigkeiten selbstständig ab. Wird die KI uns alle arbeitslos machen? In der IT brechen massenweise Einsteigerjobs weg. Was sagt der Wiener Hochbegabte dazu? "Der Einstieg in die IT wird dadurch anspruchsvoller, aber nicht unmöglich. Wer heute beginnt, sollte möglichst früh eigene Systeme bauen, KI aktiv nutzen und lernen, Probleme wirklich zu verstehen, nicht nur Code zu schreiben."
Wie hast du die Aufnahme in den Y-Combinator geschafft?
Mojmir Horvath: Mein Co-Founder und ich haben beide an größeren Kundenprojekten gearbeitet, und dabei ist uns immer wieder dasselbe aufgefallen: Unternehmen haben kein Daten-Problem, sondern ein Problem, diese Daten zu verarbeiten und daraus Schlüsse sowie Geschäftsentscheidungen zu ziehen. Da kamen wir ins Spiel – mit einer Lösung, die skalierbar ist und in die aktuellen Datenquellen der meisten Unternehmen eingebunden werden kann. Wir haben eine klare Vision: Wir wollen nicht nur ein kleines Projekt aufsetzen und es dabei belassen, sondern eine ganze Industrie verändern. Uns hat dabei sicher unser technisches Know-how aus verschiedensten Projekten geholfen, ebenso wie die Agilität, die wir uns in diversen Wettbewerben angeeignet haben, um schnell zu handeln und Großes zu bewegen.
Poth ist eine „Agentic Platform“
Welches Ziel verfolgt das Start-up, was ist das Angebot?
Horvath: Unser Startup heißt PothAI. Das Problem, das wir sehen: Großunternehmen besitzen riesige Mengen an qualitativem Feedback (z. B. aus SurveyMonkey) und harte operative Daten, aber diese Welten sind oft getrennt. Unternehmen sehen in den Daten zwar, dass ein Problem existiert (z. B. sinkende Registrierungen), verstehen aber ohne den Kontext des Feedbacks nicht das Warum – und wissen daher oft nicht, wie sie handeln sollen.
Die Lösung: Poth ist eine „Agentic Platform“, die Feedback-Erfassung und Datenanalyse verbindet. Anstatt statischer Umfragen nutzen wir KI-Agenten, die Unternehmensdaten analysieren, Hypothesen aufstellen und diese autonom durch adaptive Umfragen validieren. Wir liefern also nicht nur Dashboards, sondern konkrete Handlungsempfehlungen.
Heuer geht es los im Silicon Valley
Schon heuer startet Mojmir seine Laufbahn im Silicon Valley. Derzeit verbringt Mojmir Horvath gerade ein Auslandsjahr (Full Stipendium) an der Nummer 1 High School in den USA, der Phillips Andover Academy. Wie läuft das Schulleben dort im Vergleich zur HTL Spengergasse?
Horvath: Es war eine große Umstellung, von einer sehr fordernden, aber technischen Schule auf ein „Liberal Arts“-Umfeld zu wechseln. Anfangs war es durchaus ermüdend, nur noch Englisch zu sprechen, ein Paper nach dem anderen zu schreiben und in Mathematik ein Thema in einer Stunde beigebracht zu bekommen, für das sich Lehrer in Österreich oft mehrere Wochen Zeit nehmen. Es erfordert viel Selbststudium, was auch mal schlaflose Nächte oder Freitagabende in der Bibliothek bedeutet.
Dennoch gewöhnt man sich an den neuen Alltag: Morgens Schwimmen oder Fitnessstudio, dann ab in die Kantine, Unterricht, Lernen, nachmittags Tennis, Hausaufgaben und wieder lernen. Dazu kommen dann natürlich noch die Aufgaben für das Startup.
Wie ist das Leben eines Hochbegabten?
Horvath: Es ist nicht so viel anders als das Leben eines jeden anderen – mit der Ausnahme, dass ich mich für die meisten Tests vielleicht nicht ganz so lange vorbereiten muss wie manche andere. Die Antwort auf meine Organisation ist aber nicht „Chaos“, sondern ein gezieltes System aus klar definierten Strukturen und Selbstdisziplin.
"KI wird die Lernkurve für jeden Menschen beschleunigen"
Wie organisiert man die vielen Aufgaben am besten?
Horvath: Ich nutze einen digitalen Terminkalender (Apple Calendar) als meinen zentralen Speicher. Dort trage ich nicht nur Meetings und Deadlines ein, sondern reserviere auch Zeitblöcke für ungestörtes Denken und Arbeiten. Dieses System wurde nötig, da das reine „Im-Kopf-Behalten“ irgendwann – besonders mit verschiedenen Zeitzonen – an seine Grenzen stieß. Nach dem ersten verpassten Kundenmeeting aufgrund falscher Erinnerung musste eine skalierbare Lösung her. Heute werden Aufgaben und spontane Anfragen sofort digital erfasst, damit nichts im Kopf „verstaubt“, sondern alles verlässlich gespeichert ist.
Wie blickt der KI-Gründer eigentlich auf die KI – wie wird künstliche Intelligenz unser Leben verändern?
Horvath: KI wird die Lernkurve für jeden Menschen beschleunigen. In Bildung, Medizin und der Arbeitswelt ermöglicht sie personalisierte Lernpfade, Echtzeit-Diagnosen und automatisierte Entscheidungsunterstützung, sodass wir Zeit für kreative, wertschöpfende Aufgaben gewinnen. Vorausgesetzt, man möchte lernen.
Wo man früher einem Lehrer eine Mail schreiben und auf Antwort warten musste, bietet KI die Möglichkeit, innerhalb von Sekunden Antworten zu bekommen, weiterzufragen und weiterzudenken. Ein Beispiel: Mein Team aus der HTL Spengergasse (Paul, Richard, Hannah und Michi) und ich haben am österreichischen Bundeswettbewerb für KI teilgenommen. Wir haben uns nicht gefragt „Was können wir bereits?“, sondern „Was wollen wir lösen?“. Wir identifizierten die Schifffahrtsindustrie als einen der größten CO2-Verursacher und fingen an, an einer Lösung zu forschen. Ich las mich in „Reinforcement Learning“ ein und nutzte KI als Research-Tool und Sparringspartner. So konnte ich quasi mit einem Spezialisten diskutieren – nur mit meinem Laptop und einer Internetverbindung.
Bereits zwei Schüler aus der Spengergasse im Y-Combinator
Mojmir Horvath ist der zweite Schüler der Spengergasse, der den Sprung ins Silicon Valley in den Y-Combinator schafft. Ben Koska, ebenfalls Absolvent der Hochbegabtenförderung an der HTL Spengergasse, hat nur wenige Monate nach seiner Matura im Silicon Valley das Startup SF Tensor gegründet.