Vogelgrippe und Co

Eierknappheit in Österreich: Branche schlägt Alarm

12.01.2026

Vogelgrippe und rege Nachfrage: Bis Ostern kaum Entspannung am Eiermarkt.  

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Leere Eierregale im österreichischen Lebensmittelhandel rund um Weihnachten sorgten bereits für Verwunderung. Jetzt schlägt die Geflügelwirtschaft Österreich
 Alarm: "Eine verlässliche Vollversorgung mit hochwertigen, heimischen Eiern ist keine Selbstverständlichkeit." Dabei gilt der österreichische Eiermarkt seit dem Ausstieg aus der Käfighaltung im Jahr 2009 europaweit als Vorzeigemodell.

Hohe Nachfrage

Die Nachfrage nach heimischen Eiern steigt seit Jahren kontinuierlich. Ausschlaggebend dafür sind der im EU-Vergleich einzigartige hohe Tierhaltungs- und Umweltstandard in der österreichischen Legehennenhaltung sowie das klare Bekenntnis des Lebensmitteleinzelhandels zu Qualität und Herkunft. So bietet der heimische Lebensmitteleinzelhandel ausschließlich österreichische Frischeier mit dem AMA-Gütesiegel an.

Vogelgrippe

Die in anderen europäischen Ländern grassierende Vogelgrippe verursacht regelmäßig Angebotsengpässe, die Österreich zwar nicht direkt treffen, sich aber indirekt auf den Markt auswirken. Gastronomiegroßhändler erhalten ausländische Eier dann nur zu stark erhöhten Preisen. In der Folge deckt sich die heimische Gastronomie vermehrt im Lebensmitteleinzelhandel mit Eiern ein. Dieser zusätzliche, für die Geflügelwirtschaft kaum kalkulierbare Mehrbedarf legt strukturelle Schwachstellen im Gesamtsystem offen.

Vom Küken bis ins Regal

Was vielen Konsumenten nicht bekannt ist: Bevor ein Ei im Regal liegt, durchläuft es einen langen, exakt geplanten Prozess. Dieser beginnt in der Brüterei, führt über die Junghennenaufzucht zur eigentlichen Legehennenhaltung und Eiererzeugung. Anschließend erfolgen die gesetzlich streng kontrollierte Sortierung und Qualitätsprüfung in der Eierpackstelle sowie eine hoch zeitsensible Logistik, die frische Eier innerhalb kürzester Zeit in den Handel bringt.

Nach Ostern "normalisiert sich Situation"

Alle diese Stufen sind eng miteinander verzahnt. Verzögerungen oder Ausfälle lassen sich kaum kurzfristig kompensieren. „Produktionssteigerungen sind mittelfristig nur möglich, wenn langfristige Partnerschaften zwischen Produzenten, Vermarktern und Abnehmern bestehen. Hohe Investitionen in tier- und umweltfreundliche Legehennenhaltung werden nur dann getätigt, wenn der Absatz nachhaltig abgesichert ist. Kurzfristig – bis Ostern – ist daher kaum mit einer Entspannung am Eiermarkt zu rechnen. Nach Ostern wird sich die Situation allerdings wieder normalisieren“, erklärt GWÖ-Obmann-Stellvertreter DI Heinz Schlögl.

Hoher Selbstversorgungsgrad – mit klaren Grenzen

„Mit knapp 7,5 Millionen registrierten Legehennen und rund 1,5 Millionen Legehennen in der Kleinsthaltung können wir rechnerisch für jede Österreicherin und jeden Österreicher eine Legehenne halten. Wir produzieren jährlich rund 2,3 Milliarden Eier und decken damit etwa 90 Prozent des heimischen Bedarfs. Dass Österreich heute weitgehend mit Eiern aus eigener Produktion versorgt werden kann, ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit und bewusster Entscheidungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, betont GWÖ-Obmann-Stellvertreter DI Heinz Schlögl.

Um Versorgungsengpässe künftig besser abfedern zu können, brauche es von der Politik klare politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Dazu zählt insbesondere eine verpflichtende Herkunfts- und Haltungskennzeichnung von Eiern und Eiprodukten in der Gastronomie sowie in der Lebensmittelverarbeitung, fordert die Branche. Transparenz schafft Vertrauen, stärkt bewusste Kaufentscheidungen und ist eine wesentliche Voraussetzung für eine stabile, nachhaltige Entwicklung der heimischen Eierversorgung.

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