Interview

Niki Lauda rechnet mit Air Berlin ab

19.08.2017

Niki Lauda im Interview zu Pleite, Verkauf, NIKI-Zukunft

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© TZOe Fuhrich
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Niki Lauda gründete die Fluglinie NIKI 2003, im Jahr 2004 kam die Air Berlin mit 24 % an Bord. 2011 verkaufte Lauda seine Airline ganz an Air Berlin. Was er zur Air-Berlin-Pleite und zum Übernahme-Szenario mit der Lufthansa sagt – und warum er glaubt, dass Tickets teurer werden.

ÖSTERREICH: Was halten Sie vom möglichen Szenario, dass die Lufthansa NIKI übernimmt?

Niki Lauda: Ich bin ein Mensch, der immer für Wettbewerb eintritt – und das ist ein Schlag gegen den Wettbewerb. Als Österreich die AUA seinerzeit an die Lufthansa verschenkt und noch 500 Mio. Euro draufgelegt hat, hat auch niemand an Wettbewerb gedacht. Und jetzt schafft sich die Lufthansa ein absolutes Monopol, wieder unterstützt von der Politik in Deutschland und Österreich. Dass die österreichische Regierung sich auch einmischt und NIKI mögliche Staatshilfe zusagt, ist im Übrigen nichts als ein Wahl-Slogan von Kanzler Kern.

ÖSTERREICH: Warum?

Lauda: Weil das mit der Realität nichts zu tun hat. Das Ganze ist eine abgekartete Sache, ein von der Lufthansa geplantes Konzept, das sie nun umsetzt. Sie übernimmt NIKI, daraus wird eine Schwester der AUA, damit ­wäre der österreichische Markt bereinigt. In Deutschland passiert es ähnlich, die Lufthansa übernimmt Air-Berlin-Jets, easyjet bekommt auch etwas, und das war’s. Ich kann der Lufthansa nur gratulieren: Hut ab, perfekt gemacht!

ÖSTERREICH: Ryanair-Chef ­Michael O’Leary tobt bereits...

Lauda: Verständlich. Es ist absurd, dass nur mit Lufthansa und easyjet verhandelt wird und Ryanair komplett außen vor bleibt. O’Leary wird die Sache aufs Härteste bekämpfen. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wenig das bringt. Ich habe mich damals über die 500-Mio.-Mitgift vom Staat für die AUA auch in Brüssel beschwert. Das wurde alles unter den Tisch gekehrt.

ÖSTERREICH: Die Marken Air Berlin und NIKI sind in Kürze Geschichte?

Lauda: Ja. NIKI wird zu Eurowings kommen und der ­Name verschwindet. Und bei der Air Berlin wird nach der Übernahme der Flieger der Rest der Firma in Konkurs geschickt, denke ich.

ÖSTERREICH: Was bedeutet das für die Passagiere?

Lauda: So viel ist sicher: Wenn in der Luft kein Wettbewerb herrscht, werden die Tickets teurer...

ÖSTERREICH: Tut es Ihnen leid um NIKI?

Lauda: Mir tut es leid um die Mitarbeiter. Ich hoffe, dass es für sie gut ausgeht. Aber schuld ist die Air Berlin, die alles falsch gemacht hat. Ich habe das vor Jahren schon gesehen und deshalb meinen Anteil abgegeben.

Interview: Angela Sellner

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