Bäckereien im Check
Krapfentest von Gault&Millau: DAS ist der beste Marillenkrapfen 2026
26.01.2026Der diesjährige Gault&Millau-Krapfentest brachte ein Ergebnis, das spannender kaum sein könnte: Die ersten drei Plätze lagen lediglich einen Punkt auseinander.
Wenn es um Faschingskrapfen geht, kennt Österreich wenig Nachsicht. Farbe, Duft, Teig und Marillenmarmelade werden mit einer Ernsthaftigkeit beurteilt, die sonst eher großen Küchenklassikern vorbehalten ist. Umso größer ist jedes Jahr die Aufmerksamkeit für den Krapfentest von Gault&Millau. 2026 fiel das Ergebnis besonders spannend aus: Noch nie lagen die besten drei Krapfen so knapp beisammen – getrennt nur durch einen einzigen Punkt.
Getestet wurden klassisch gefüllte Faschingskrapfen mit Marillenmarmelade – für viele Österreicherinnen und Österreicher eine kulinarische Glaubensfrage. Umso größer ist jedes Jahr das Interesse an der unabhängigen Verkostung.
Anonym eingekauft, am selben Morgen verkostet
Die Jury kaufte die Krapfen anonym und ausschließlich am Morgen des Verkostungstages in Wiener Bäckereien ein. Ziel war es, möglichst vergleichbare Frischebedingungen zu schaffen. Dennoch zeigten sich schon beim Öffnen der Verpackungen deutliche Unterschiede.
Insgesamt wurden 16 Krapfen aus dem Wiener Ballungsraum getestet. Auf Supermarktprodukte wurde bewusst verzichtet, da diese meist aus derselben industriellen Produktion stammen.
Eine hochkarätige Jury
Verkostet wurde von einer fachlich breit aufgestellten Jury, darunter auch:
- Jürgen Vsetecka, Patissier im Café Prückel,
- Kristin Bühn, Patissière bei Crème de la Crème,
- Konstantin Filippou, 5-Hauben-Koch,
sowie weitere Gourmet-Experten.
Worauf es bei einem guten Krapfen ankommt
Bewertet wurden Optik, Geruch und Geschmack des Krapfens sowie Geruch und Geschmack der Marillenmarmelade. Ein hochwertiger Krapfen sollte goldbraun gebacken sein, mit einem hellen, gleichmäßigen Kragen. Der Duft muss frisch und hefig wirken, ohne Anklänge von altem Fett.
Auch die Füllung spielt eine zentrale Rolle: Laut österreichischem Lebensmittelkodex muss ein Marillenkrapfen mindestens 15 Prozent Füllmasse enthalten. Sie soll fruchtig nach Marille schmecken, ausgewogen süß-säuerlich sein und weder zu flüssig noch zu fest. Rum ist als Aromakomponente erlaubt, darf jedoch die Frucht nicht dominieren.
Der Staubzucker wurde bei der Bewertung bewusst ausgeklammert, da Verpackung und Transport dessen Erscheinungsbild beeinflussen können.
Extrem knappes Ergebnis
Pro Jurymitglied waren maximal 50 Punkte möglich, insgesamt also 350. Der Sieger erreichte 280 Punkte. Zwei weitere Krapfen folgten mit jeweils 279 Punkten.
Die Top 10 der besten Krapfen 2026
- Öfferl – 3,90 €
- k.u.k. Hofzuckerbäckerei Demel – 3,90 €*
- k.u.k. Hofzuckerbäckerei Heiner – 2,33 €*
- Der Mann – 1,80 €
- Felber – 1,80 €
- Felzl – 2,20 €*
- Heberer – 2,20 €*
- Ströck – 1,75 €
- Geier – 1,45 €
- Nöbauer – 1,65 €
* ex aequo
Der Krapfen von Öfferl schaffte es dieses Jahr an die Spitze. Die Jury überzeugte vor allem die ausgewogene Gesamtkomposition: ein feinporiger, saftiger Teig mit sauberer Hefenote, eine gleichmäßig verteilte Marillenmarmelade mit klarer Fruchtaromatik sowie eine stimmige Balance zwischen Süße und Säure. Auch in der Optik erfüllte der Krapfen die klassischen Erwartungen – goldbraun gebacken mit einem hellen, gleichmäßigen Kragen. In einem Jahr mit außergewöhnlich hoher Leistungsdichte war es diese Präzision im Detail, die letztlich den Ausschlag gab.