Ursachen, Therapie und Prognose

Alles über Long Covid

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Viele Menschen, die eine symptomatische Covid-19-Infektion durchleben, leiden an einem stark reduzierten Geruchs– und Geschmackssinn. Wir haben nachgefragt, wie es dazu kommt, welche Risiken entstehen und wie die Therapie funktioniert.
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Mancherorts wird „Long Covid“ bereits als neue Volkskrankheit tituliert. Die Symptome eines solchen „langen Verlaufs“ können sehr unterschiedlich sein: Betroffene klagen etwa über anhaltende Erschöpfung und markante Leistungseinbußen. Manche in einem solchen Ausmaß, dass eine Rückkehr ins gewohnte Leben Monate nach der Infektion noch nicht wieder möglich ist. Andere wiederum klagen über anhaltenden Husten oder Atemnot.

Symptom und Langzeitfolge

Ein solches Symptom, das mit der Coronavirus-Infektion selbst wie auch mit deren Langzeitfolgen assoziiert wird, ist der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. „Durch die Virusinfektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 kommt es bei etwa 60 bis 80 Prozent der Infizierten zu einem deutlich beeinträchtigten Riech- und Schmeckvermögen“, erklären Prim. Priv.-Doz. Dr. Boban M. Erovic und Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Christian A. Müller, ­beide Fachärzte für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, im Interview. Doz. Erovic ist Vorstand des Instituts für Kopf- und Halserkrankungen am Evangelischen Krankenhaus. Prof. Müller leitet die Ambulanz für Riech- und Schmeckstörungen der MedUni Wien. „Dies kann als alleiniges oder als gemeinsames Symptom mit den anderen für Covid-19 typischen Beschwerden wie Husten, Fieber und Kurzatmigkeit einhergehen.“ Leider ist der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns eines jener Symptome, die mitunter über Wochen oder gar ­Monate hinweg nicht abklingen. Die Ursache hierfür ist, dass das Virus die Riechzellen schädigt und es so zu Funktionsstörungen kommt (Details lesen Sie im Interview auf Seite 11). Diese Einschränkung kann im Alltag eine Last und auch ein besonderes ­Risiko bedeuten: Betroffene fühlen sich nicht nur wichtiger Sinne und damit Lebensqualität beraubt, sie können auch bestimmte Gefahren – etwa Rauch, Gasaus­tritte oder verdorbene Lebensmittel – nicht mehr richtig erkennen.

Anders als bei Schnupfen

Nicht zu verwechseln ist der Covid-19 bedingte Sinnesverlust mit jenem ­reduzierten Riech- und Schmeckvermögen, das bei einem üblichen Schnupfen auftreten kann: „Beim viralen oder bakteriellen Schnupfen wird die Riechspalte durch Schleim oder Polypen blockiert. Somit kommt es zu einer Blockade der Duftstoffzuleitung zu den Riechrezeptoren, die sich in der Riechschleimhaut befinden“, so die Fachärzte Erovic und Müller. „Durch das Fehlen des Geruchsanteils beim ­Essen kommt es zum ‚Geschmacksverlust‘, da der sogenannte Feingeschmack fehlt und nur süß, sauer, salzig, bitter sowie umami auf der Zunge wahrgenommen wird.“ Dies könne leicht durch das Zuhalten der Nase simuliert werden. Anders ist es jedoch, wenn das Symptom im Zuge einer Covid-19-Erkrankung auftritt: „Betrachtet man den Sinnesverlust durch banalen Schnupfen und SARS-CoV-2-­Virus, dann entsteht dieser beim Erstgenannten eher durch Blockade und bei Letzterem durch Schädigung der Sinneszellen.“ '

Riechübungen als Therapie

Die Therapie beruht zum aktuellen Zeitpunkt auf einer langsamen Wiedergewinnung des Sinns mittels Riechübungen. Medikamentöse Behandlung ist bisher nicht möglich. In jedem Fall sollte – besonders bei lang anhaltenden Symptomen – ein HNO-Arzt, eine HNO-Ärztin aufgesucht werden, um mögliche andere Ursachen auszuschließen und um zeitnah eine Therapie einzuleiten.

Wann zum HNO-Facharzt?

Wie lange der Sinnesverlust anhält, ist individuell sehr verschieden. Ein ­lebenslanger Verlust ist nach aktuellem Wissensstand „als unwahrscheinlich einzustufen“, wie die HNO-Fachärzte glauben. Auf die Frage, wann es nach überstandener Covid-19-Erkrankung und anhaltendem Symptom an der Zeit ist, eine ärztliche Behandlung anzustreben, antworten sie: „Der Beginn ­eines Riechtrainings kann sofort nach Auftreten der Riechstörung erfolgen. Sollte der Verlust des Riechvermögens länger als drei bis vier Wochen anhalten, empfehlen wir, einen HNO-Facharzt aufzusuchen.“

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