Achtung, Denk-Frost!
Laut Studie: Kälte lässt unser Gehirn einfrieren!
19.02.2026Wer glaubt, ein bisschen Frost mache nur rote Wangen und kalte Finger, liegt daneben. Denn wie eine neue Studie zeigt, kann schon eine kurze Portion Eiseskälte unser Gehirn ins Stocken bringen. Reaktionszeiten werden länger, Entscheidungen zäher – das Denken friert buchstäblich ein.
Ein Forschungsteam aus Südtirol und Innsbruck hat in einer aufwendig geplanten Untersuchung getestet, wie sich tiefe Temperaturen auf unsere kognitive Leistungsfähigkeit auswirken. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im renommierten Fachjournal Scientific Reports. Durchgeführt wurde die Studie in der Hightech-Klimakammer „terraXcube“ in Bozen. Dort lassen sich extreme Umweltbedingungen realistisch und sicher simulieren – von Hochgebirgskälte bis Wüstenhitze.
24 gesunde Frauen und Männer zwischen 18 und 60 Jahren stellten sich dem Experiment. Sie wurden jeweils 15 Minuten lang in angemessener Kleidung Temperaturen von minus zehn Grad, fünf Grad oder angenehmen 20 Grad Celsius ausgesetzt.
Gemessen wurden unter anderem:
- Aufmerksamkeit
- Reaktionszeit
- Verarbeitungsgeschwindigkeit
- Risikobereitschaft
- Stress- und Kälteempfinden
- Herzfrequenz
- Haut- und Körperkerntemperatur
Das Studiendesign war zufallsbasiert und kontrolliert – die Probanden wechselten zwischen den Temperaturbedingungen, sodass die Ergebnisse besonders belastbar sind.
Bei Minus zehn Grad wird das Gehirn langsamer
Das Ziel der Forscherinnen rund um Marika Falla: herausfinden, ob bereits eine kurze Kälteexposition die Denkleistung beeinträchtigt, noch bevor die Körperkerntemperatur absinkt. Das Ergebnis: Genau das passierte.
Bei minus zehn Grad:
- verlängerten sich die Reaktionszeiten
- es kam zu mehr „Aussetzern“ in der Aufmerksamkeit
- die Entscheidungsfindung veränderte sich
- die Risikobereitschaft nahm ab
Besonders spannend: Die Körperkerntemperatur blieb stabil. Das heißt, die messbaren kognitiven Einbußen traten auf, bevor es zu einer tatsächlichen Unterkühlung kam.
Gleichzeitig stiegen Herzfrequenz, subjektives Kälteempfinden und Stress deutlich an. Die Teilnehmer fühlten sich unwohler und ihr Gehirn arbeitete messbar weniger effizient.
Gefahr durch Kognitions-Stopp?
Die Ergebnisse haben praktische Relevanz für alle, die in kalten Umgebungen arbeiten – etwa im Bauwesen, in der Logistik, in alpinen Regionen oder bei Rettungseinsätzen. Schon kurze Aufenthalte in starker Kälte könnten Aufmerksamkeit und Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigen. Das ist besonders heikel, wenn schnelle Reaktionen gefragt sind, etwa bei Maschinenbedienung oder im Straßenverkehr.
Die Studie liefert klare Hinweise darauf, dass selbst kurze Kältebelastung unsere kognitive Leistungsfähigkeit reduziert. Und zwar früher, als viele denken würden. Wer also bei Minusgraden wichtige Entscheidungen treffen oder hochkonzentriert arbeiten muss, sollte sich der möglichen Effekte bewusst sein. Denn unser Gehirn reagiert empfindlicher auf Kälte, als wir bislang angenommen haben.