5,3 % aller Kinder leiden darunter
Was versteht man unter ADHS?
Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine ernst zu nehmende psychische Störung. Bereits 1845 beschrieb der Frankfurter Nervenarzt Dr. Heinrich Hoffmann Anzeichen einer ADHS in seinem Kinderbuch „Struwwelpeter“. Man vermutet heute, dass Hauptursachen für ADHS in Veränderungen der Funktionsweise des Gehirns zu suchen sind.
Wird ADHS frühzeitig und gezielt behandelt, ist eine weitgehend normale soziale und schulische Entwicklung möglich. Die Therapie erfolgt nach einem „multimodalen“ Konzept: Dabei werden mehrere Maßnahmen miteinander kombiniert – immer in Abhängigkeit vom Erscheinungsbild, vom Schweregrad und von der Art der Begleitstörung.
Verhaltenstherapie
Grundbaustein jeder ADHS-Therapie ist eine psychotherapeutische Behandlung. Sie kann sowohl einzeln, aber auch in der Gruppe stattfinden. Die Verhaltenstherapie zielt darauf ab, Konzentrationsvermögen, Lernverhalten und soziale Kompetenzen gezielt zu fördern. Zudem werden Strategien erarbeitet, Impulsivität und Hyperaktivität besser zu kontrollieren und Aufgaben strukturierter zu lösen.
Medikamentöse Therapie
ADHS-Medikamente werden eingesetzt, um die typischen Symptome der Störung zu lindern. Bisher wurde eine medikamentöse Behandlung vorrangig für Patienten mit schweren ADHS-Symptomen empfohlen. Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand sollen auch Patienten mit mittelschwerer Ausprägung eine medikamentöse Therapie enthalten, jedoch immer in Kombination mit einer Verhaltenstherapie. Eine medikamentöse Therapie wird erst ab 6 Jahren empfohlen. Um die Wirksamkeit zu prüfen und die Dosierung an den jeweiligen Bedarf anzupassen, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig.
Stimulanzien
Für einen Teil der Betroffenen eignen sich Stimulanzien. Diese Substanzen wirken anregend auf das zentrale Nervensystem. Sie hemmen die Wiederaufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und Adrenalin im Gehirn und verbessern die Informationsweitergabe zwischen den einzelnen Nervenzellen. Da sie formell dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, werden sie oft fälschlicherweise für Beruhigungsmittel gehalten. Tatsächlich steigern sie die Gehirnaktivität und erhöhen die Konzentrationsfähigkeit. Methylphenidat ist in der Behandlung von ADHS das Mittel der Wahl, es bessert Symptome deutlich. Die Patienten werden ausgeglichener, können Umwelteinflüsse besser verarbeiten und ihren Alltag besser meistern. Die Therapie gilt laut Experten als wirksam und sicher. Erfolgt keine Besserung, sind Nicht-Stimulanzen die letzte Wahl. Die Wirkung setzt jedoch erst nach einigen Wochen ein. Atomoxetin (wirkt zusätzlich angstlösend und depressionsverringernd) und Guanfacin gehören zu dieser Wirkstoffgruppe.