Zusammenhang
Studie zeigt: DAS könnte der größte Krebsrisikofaktor für Menschen unter 50 sein
21.05.2026Immer mehr Menschen unter 50 erhalten eine Krebsdiagnose und Forschende sehen einen möglichen Risikofaktor. Eine Studie zeigt, warum besonders junge Erwachsene betroffen sein könnten.
Krebs galt lange vor allem als Erkrankung älterer Menschen. Doch genau das scheint sich gerade zu verändern. Immer mehr Menschen zwischen 20 und 49 Jahren erhalten weltweit eine Krebsdiagnose und Forschende versuchen herauszufinden, warum. Eine große Analyse aus England deutet jetzt auf einen möglichen Hauptfaktor hin: Übergewicht beziehungsweise Adipositas. Die Beobachtungsstudie wurde im Fachjournal BMJ Oncology veröffentlicht und basiert auf Krebsregisterdaten zwischen 2001 und 2019.
Besonders junge Frauen betroffen
Das Forschungsteam rund um Epidemiologin Montserrat Garcia-Closas verglich dabei jüngere Erwachsene zwischen 20 und 49 Jahren mit älteren Menschen ab 50. Das Ergebnis: Während klassische Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum oder der Verzehr von rotem Fleisch in vielen Gruppen sogar zurückgingen, nahm Übergewicht weiter stark zu, besonders bei jungen Frauen. Je nach Krebsart könnten laut Analyse rechnerisch etwa fünf bis 37 Prozent der Fälle mit einem erhöhten Body-Mass-Index zusammenhängen.
Diese Krebsarten nehmen besonders zu
Besonders auffällig stiegen bei jüngeren Erwachsenen unter anderem:
- Darmkrebs
- Brustkrebs
- Bauchspeicheldrüsenkrebs
- Nierenkrebs
- Schilddrüsenkrebs
- Leberkrebs
- Eierstockkrebs
- Gebärmutterkörperkrebs
Auffällig dabei: Einige Krebsarten wie Darm- oder Eierstockkrebs nahmen nur bei jüngeren Menschen deutlich zu, nicht jedoch bei älteren Gruppen. Vor allem bei jungen Frauen beobachteten die Forschenden bei mehreren Krebsarten einen schnelleren Anstieg als bei älteren Frauen. Gleichzeitig stieg genau in dieser Gruppe auch Adipositas besonders stark an.
Aber: Übergewicht nicht einziger Faktor
So eindeutig die Zusammenhänge wirken: Die Forschenden betonen auch ganz klar, dass Übergewicht allein den Trend nicht vollständig erklären kann. Denn selbst wenn der Einfluss des BMI statistisch herausgerechnet wurde, stiegen die Krebsraten bei jüngeren Menschen weiterhin an. Oder einfacher gesagt: Es muss noch weitere Faktoren geben.
Das moderne Leben gerät stärker in den Fokus
Deshalb beschäftigen sich Forschende inzwischen zunehmend mit anderen möglichen Einflüssen unseres modernen Lebensstils. Besonders im Fokus stehen:
- hochverarbeitete Lebensmittel
- Veränderungen des Darmmikrobioms
- Antibiotika in der frühen Kindheit
- Umweltfaktoren
- Bewegungsmangel
Vor allem das sogenannte Mikrobiom, also die Bakterien im Darm, wird aktuell intensiv untersucht.
Die Studie hat auch Grenzen
Wichtig ist allerdings: Die Untersuchung zeigt Zusammenhänge, aber keine eindeutigen Ursachen. Außerdem basiert ein Teil der Daten auf Umfragen, der BMI gilt nur als grober Richtwert für Körperfett und auch bessere Früherkennung könnte zu steigenden Diagnosen beitragen. Denn moderne Bildgebung entdeckt Krebs heute oft früher als noch vor einigen Jahren. Die Studie bedeutet nicht automatisch: Übergewicht verursacht direkt Krebs.
Sie zeigt aber, dass starkes Übergewicht vermutlich ein wichtiger Risikofaktor für bestimmte Krebsarten ist, besonders in jüngeren Altersgruppen. Fachleute betonen deshalb weiterhin die klassischen Empfehlungen:
- ausgewogene Ernährung
- Bewegung
- möglichst wenig Rauchen
- wenig Alkohol
- Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen
Denn auch wenn noch nicht alle Ursachen geklärt sind: Der Lebensstil scheint eine größere Rolle zu spielen als lange angenommen.