Stern-Interview
Senta Berger: Über den schmerzhaften Filmdreh mit Sohn Simon Verhoeven
20.05.2026Schauspielerin Senta Berger spricht im stern über schmerzhafte Verluste. Die 85-Jährige erklärt, warum man sich an die Grausamkeit der Trauer niemals gewöhnen kann.
Vor fünf Jahren erhielt Senta Berger den Deutschen Ehrenfilmpreis für ihr Lebenswerk. Während so eine Auszeichnung im Normalfall das Ende einer Karriere markiert, ist die 85-Jährige nun erneut als Beste Schauspielerin nominiert. Im exklusiven Interview mit dem Magazin stern blickt sie auf eine hochemotionale Zeit zurück, die von schweren Verlusten geprägt war.
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Schmerzhafter Filmdreh mit Sohn
Die Dreharbeiten zu ihrem neuen Film „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ fanden kurz nach dem Tod ihres Ehemanns Michael Verhoeven statt, mit dem sie 57 Jahre verheiratet war. Ausgerechnet ihr gemeinsamer Sohn Simon Verhoeven führte dabei Regie und musste seine Mutter durch eine besonders schwere Szene lotsen.
Die Situation am Set verlangte ihr alles ab
Im Film musste eine Szene gedreht werden, in der ein Sarg aus dem Haus transportiert wird. Sohn Simon wusste um die enorme Belastung und ging mit großer Vorsicht vor. Er nahm sie bei der Hand und sprach ihr Mut zu: „Wir müssen da jetzt durch, auch wenn es schwer wird, okay?“
Keine Gewöhnung an Trauer
Neben ihrem Ehemann musste sich die Schauspielerin kürzlich auch von ihrem langjährigen Freund und Filmpartner Mario Adorf verabschieden. Gefragt, ob sie gelernt habe, mit der Trauer umzugehen, findet die Künstlerin im Gespräch mit dem stern klare, schmerzhafte Worte. „Machen Sie sich keinerlei Hoffnung, es wird nie besser“, sagt Berger, „jeder Tod eines geliebten Menschen ist aufs Neue grausam. Man gewöhnt sich nicht daran.“
Die Demütigungen des Berufs
Überraschend offen äußert sich Senta Berger im stern auch über die Schattenseiten ihrer erfolgreichen Karriere. Den Schauspielberuf habe sie immer auch als demütigend empfunden, da die Identifikation extrem groß sei und man kaum Schutz besitze.
Als Vergleich zieht sie eine Taxifahrerin heran, die nicht am Stand steht und sich mit dem Gedanken zerfleischt, warum ein Gast bei einem Kollegen einsteigt. Diese Gelassenheit sei für Schauspieler unmöglich. Jedes Mal, wenn man bei Probeaufnahmen leer ausgeht und eine andere Person vorgezogen wird, verletze das zutiefst. Man frage sich unweigerlich: „Wieso der oder die, wieso bin ich nichts wert?“, wodurch eine große Hilflosigkeit entstehe.