Ein Prada tragender Teufel?
"Vogue"-Chefin Anna Wintour wird 70
„Welchen Job hätten Sie gerne?“ – „Ihren!“
Was hätte ihr alles Können genützt, hätte es ihr am eisernen Willen gefehlt, es ganz nach oben zu schaffen? Im Rahmen ihres Vorstellungsgesprächs bei der „Vogue“ 1983 soll Chefredakteurin Grace Mirabella sie gefragt haben: „Welchen Job hätten Sie denn gern?“ Die 34-jährige Anna Wintour soll geantwortet haben: „Ihren!“ Um ihr Vorhaben nur fünf Jahre später zu realisieren. Dass sie dabei, wie Insider bis heute kolportieren, förmlich „über Leichen“ ging, spielte keine Rolle. Anna Wintour ließ nicht nur in den Redaktionsräumen sämtliche Wände umreißen und durch Glasfronten ersetzen – sie „betonierte“ auch jeden, der sich ihr und ihren Relaunch-Ideen widersetzen wollte. „Es wurden viele Mitarbeiter gekündigt, aber viele sind auch von alleine gegangen“, berichtete die Ex-Merchandise-Chefin der „Vogue“ später. „Es war plötzlich ein völlig anderes arbeiten unter ihr. Anna hat alles allein entschieden.“ Eines ihrer Prinzipien, die Wintour auch viele Feinde bescherte …
Der Film ist Programm
Und so kam’s, dass eines Tages eine Frau namens Lauren Weisberger „auspackte“. Ihr Roman „Der Teufel trägt Prada“ sollte der ehemaligen Assistentin von Anna Wintour Anfang der 2000er-Jahre Weltruhm und ein Vermögen bescheren. Noch mehr in den Fokus der breiten Öffentlichkeit geriet – vor allem durch den Kino-Hit mit Meryl Streep und Anne Hathaway – jedoch der „Teufel“ selbst. Frei nach dem Motto „Hauptsache, man spricht über mich“ schadeten die komödiantisch dargestellten Redaktionsszenen der Chefredakteurin keineswegs, sie bescherten ihr vielmehr auch abseits der Modebranche Kultstatus – und damit einen unfassbaren Werbewert. Zur Kinopremiere von „Der Teufel trägt Prada“ erschien Anna Wintour übrigens höchstpersönlich – von Kopf bis Fuß in Prada gekleidet.
Ein Look als Markenzeichen
Während Wintour in ihrem Magazin und der Redaktion immer wieder gerne für frischen Wind sorgt, bleibt die Stil-Ikone in ihrem eigenen Werken, aber auch was ihren Look betrifft beständig. Seit ihrem Karrierestart trägt sie dieselbe Frisur. Der Bob mit Stirnfransen sitzt stets so perfekt, dass ihr mehrfach angedichtet wurde, eine Perücke zu tragen. Dies jedoch kann getrost dementiert werden – Wintour hat freilich einen eigenen Haarstylisten, der den Bob täglich akkuart pflegt. Ihr zweites Markenzeichen sind die Sonnenbrillen, die Anna Wintour zu jeder Tages- und Nachtzeit trägt. „Sie sind sehr nützlich, weil sie verhindern, dass die Leute wissen, über was man gerade nachdenkt“, verriet sie dazu in einem ihrer raren Interviews. Nahezu ein Teil von ihr sind übrigens auch die Manolo-Blahnik-Pumps, die die „Vogue“-Chefin liebt und seit über 20 Jahren (freilich immer in neuen Ausführungen und fast niemals dieselben) trägt.
Harte Schale, weiches Herz?
So hart die Karriere-Lady beruflich ist, so feinfühlig soll sie privat sein. Es ist kein Zufall, dass dies auch in „Der Teufel trägt Prada“ so skizziert wird. In der Realität soll Anna Wintour ihren beiden Kindern stets eine liebevolle, wengleich beruflich extrem eingesetzte Mutter gewesen sein. Vier Jahre bevor sie Chefredakteurin wurde, heiratete die Modejournalistin den Kinderpsychologen David Shaffer, doch die Ehe scheiterte 1999. Ihr größtes Glück: die beiden Kinder Bee (32) und Charles (34). Dass Bee in ihre Fußstapfen tritt, bewies sie auch damit, dass sie im letzten Jahr mit Francesco Carrozzini ausgerechnet den Sohn der 2016 verstorbenen Chefredakteurin der italienischen „Vogue“ Franca Sozzani heiratete. Anna Wintour selbst ist seit 2004 mit Shelby Bryan (73) verheiratet. Seine Berufsbezeichnung: Futurist. Und nichts würde besser zu dem Mann an der Seite der ewigen Modepäpstin passen.