Kino-Satire

„Die progressiven Nostalgiker“: Wenn ein Paar aus den 50ern im Jahr 2025 landet

28.01.2026

Als Paar aus den 1950ern landen Elsa Zylberstein und Didier Bourdon im Jahr 2025 und stehen in einem Film über die Befreiung der Frauen vor vertauschten Rollen und Smartphones. 

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© Neue Visionen
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Greta Gerwigs ‚Barbie‘ trifft Robert Zemeckis‘ ‚Zurück in die Zukunft‘“, beschreibt Hauptdarstellerin Elsa Zylberstein (57) den Film „Die progressiven Nostalgiker“, oder – wie er im französischen Original heißt: „ C’était mieux demain“ – „Morgen war es besser“. Damit trifft sie den Nagel auf den Kopf: Im Jahr 1958 führen Hélène (Zylberstein) und Michel Dupuis (Didier Bourdon) ein beschauliches Leben, das auf den ersten Blick wirkt wie aus dem Bilderbuch. Er verdient als Bankangestellter die Brötchen, sie kümmert sich um Haushalt und Kinder. Wie es sich halt gehört.

Schaut man genauer hin, trübt sich das Bild. Michels Erfolgsbilanz im Job lässt zu wünschen übrig und sein Chef droht ihm mit der Kündigung. Hélène muss ihre Wünsche denen ihres Mannes unterordnen. Es gefällt ihr nicht immer, aber sie hat sich damit abgefunden. Als sich herausstellt, dass die Teenie-Tochter vom Sohn der Nachbarn schwanger ist, bröckelt die Fassade endgültig.

Hallo 2025

Mitten in diesem Chaos katapultiert ein Kurzschluss an der neuen Waschmaschine, die Hélène bei einem Preisausschreiben gewonnen hat, das Ehepaar ins Jahr 2025 und sie finden sich in einer fremden Welt wieder, die laut und aggressiv ist. Nicht nur Smart Home und Smartphone überfordern sie völlig: Hélène ist jetzt eine Powerfrau, die das Geld verdient, während Michel als Hausmann planlos vor den Aufgaben seiner Gattin steht. So fällt es ihr auch wesentlich leichter, sich im neuen Leben als Bankdirektorin zurechtzufinden, als ihm. Nicht nur ihre Umgebung ist ihnen fremd, die Eheleute lernen sich noch einmal ganz anders kennen. Getoppt wird das Durcheinander von den Plänen der neuen Version ihrer Tochter, die zwar kein Kind vom Nachbarn erwartet, aber jetzt ihre Freundin heiraten möchte ...

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Symbolkraft

Dass ausgerechnet die Waschmaschine das Paar auf seine Zeitreise schickt, ist kein Zufall, so Regisseurin Vinciane Millereau (54), die gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Julien Lambroschini (55) auch das Drehbuch zu der charmanten Satire geliefert hat. Ausschlaggebend war ein Gespräch mit ihrer Großmutter, die auf die Frage, was ihr Leben wirklich verändert hat, antwortete, die Waschmaschine habe es revolutioniert. „Es ist das Symbol für die gewonnene Freiheit der Frauen.

 

Bevor es Waschmaschinen gab, verbrachten sie Stunden – ja sogar Tage! – damit, die Wäsche der Familie zu waschen“, erklärt Millereau. Im Film löst das gewonnene Gerät prompt einen Streit aus. Hélène möchte es behalten und träumt von der Freiheit, die es ihr bringt. Ihr Mann will die Maschine verkaufen und um das Geld einen Fernseher anschaffen. Denn: Was hat er von einer Waschmaschine? Die Filmemacherin erläutert: „Die Männer waren sich durchaus bewusst, dass Frauen, die mit ihren Hausarbeiten beschäftigt waren, nicht draußen sein konnten, um ihr Leben zu leben und, wer weiß, vielleicht Blicke auf sich zu ziehen...“

Neue Freiheit

Als Hélène die Errungenschaften des 21. Jahrhunderts zu entdecken, hat Elsa Zylberstein Spaß gemacht: Zunächst will sie nur in ihr altes Leben zurückkehren und lehnt die Freiheit, die sie plötzlich hat, ab. Nach und nach findet Hélène Gefallen an ihrem Leben im Jahr 2025. „Sie durchlebt die Teenager-Zeit, die sie damals nicht erleben konnte“, beschreibt sie ihre Figur und vergleicht sie mit einer „Blume, die aufblüht“. Die Schauspielerin stellt aber auch fest: „Parallel zu dem Glück ihrer Befreiung als Frau beginnt sie zu verstehen, dass in dieser modernen Welt nicht alles perfekt ist. Es gab auch schöne Dinge in den 50er-Jahren.“ Sie lobt, dass es gelungen ist, über die Entwicklung der Frau zu sprechen, ohne brutal zu sein.

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Von der Befreiung der Frau und der Liberalisierung der Sitten zu erzählen, ohne die Vergangenheit zu verurteilen, war Vinciane Millereau wichtig: „Jede Epoche hat ihre guten und ihre schlechten Seiten. Neben den Fortschritten, die in siebzig Jahren erzielt wurden, darunter auch in der Medizin, dank der Hélènes Vater noch am Leben ist, hat Altruismus Platz gemacht für Individualismus, Live News machen die Welt verrückt und das Familienmodell ist ausgefranst.“

Gute Unterhaltung

Millereau hat das Genre mit ihrem Zeitreise-Film nicht neu erfunden, es ist ihr aber gelungen, daraus eine kluge Satire zu machen, die das Patriarchat mit vielen gelungenen Witzen hinterfragt. Elsa Zylberstein und Didier Bourdon zuzusehen, wie sie mit großer Freude am Spiel durch eine knallbunte Welt stolpern, die für sie voller Überraschungen und Tücken steckt, macht Spaß.  

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