Podcast-Interview

Heftige Kritik: Marina Hoermanseder sorgt mit Mama-Aussage für Wirbel

22.05.2026

Ein Podcast-Clip von Marina Hoermanseder sorgt für Wirbel. Die Designerin spricht über Karriere, Kinder und den Anspruch, alles gleichzeitig zu schaffen. User werfen ihr vor, privilegiert zu sein. Doch die Debatte zeigt: Sobald Frauen über Mutterschaft sprechen, wird gnadenlos geurteilt.

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Marina Hoermanseder ist vieles: erfolgreiche Designerin, Unternehmerin, zweifache Mutter – und eine Frau, die mit klaren Aussagen immer wieder polarisiert. Nun sorgt ein Ausschnitt aus dem Podcast „tigges trifft“ mit Host Sebastian Tigges für eine hitzige Debatte auf Social Media.

Im Gespräch sprach Hoermanseder über ihren Spagat zwischen Karriere und Familie. Ihr Ziel sei es, beruflich weiter in hohem Tempo erfolgreich zu bleiben und gleichzeitig „immer für meine Kinder da zu sein“. Dann fiel jener Satz, der im Podcast-Teaser auf Instagram aufgegriffen wurde und inzwischen viral geht: „Mein Ziel ist es, so zu arbeiten, als ob ich keine Kinder hätte, und so Mama zu sein, als ob ich nicht arbeiten würde.“

Auf die Frage, wie sie das schaffe, sagte Hoermanseder sinngemäß, sie wisse es selbst nicht genau. Denn ein „genug“ gebe es in dieser Doppelrolle ohnehin nie. Dann folgte der Satz, der im Netz besonders hängen blieb: „Meine Kinder checken gar nicht, dass ich arbeite, und meine Mitarbeiter checken gar nicht, dass ich Kinder habe.“

Viele Mütter getriggert

Was für Hoermanseder offenbar als Beschreibung ihres persönlichen Anspruchs gemeint war, kam bei vielen gar nicht gut an. In den Kommentaren war schnell von Realitätsferne die Rede. Userinnen schrieben sinngemäß: „Das geht doch nur, wenn man Personal hat.“ Andere warfen ihr vor, aus einer privilegierten Welt heraus zu sprechen, die mit dem Alltag vieler berufstätiger Mütter wenig zu tun habe.

Und genau hier liegt der wunde Punkt: Für viele Frauen ist der Spagat zwischen Job und Kindern keine elegante Selbstoptimierungsaufgabe, sondern täglicher Ausnahmezustand. Kindergarten-Zeiten, Krankenstände, Haushalt, Mental Load, finanzielle Sorgen, fehlende Betreuung, Teilzeitfallen – all das ist für viele Mütter keine Fußnote, sondern Realität.

Wenn dann eine erfolgreiche Unternehmerin sagt, ihre Kinder würden nicht merken, dass sie arbeite, und ihre Mitarbeitenden nicht merken, dass sie Kinder habe, klingt das für manche weniger nach Inspiration als nach einem unerreichbaren Ideal. Nach einem Bild von Mutterschaft und Karriere, das viele Frauen eher unter Druck setzt als stärkt.

Ja, Marina ist privilegiert – und das darf man sagen

Natürlich ist Marina Hoermanseder privilegiert. Sie ist beruflich erfolgreich, sichtbar, vermutlich besser vernetzt und finanziell unabhängiger als viele andere Frauen. Sie kann sich Strukturen schaffen, die andere nicht haben. Und es ist legitim, darauf hinzuweisen.

Denn die Erzählung „Man muss nur wollen“ ist gefährlich, wenn sie gesellschaftliche Unterschiede ausblendet. Nicht jede Mutter kann beruflich Vollgas geben und gleichzeitig jeden Kindergartenmoment mitnehmen. Nicht jede Frau kann sich Hilfe organisieren. Nicht jede Familie hat ein Umfeld, das auffängt. Nicht jede Karriere erlaubt Flexibilität.

Hoermanseders Satz kann also durchaus kritisch gelesen werden. Vor allem, weil er ein Ideal beschreibt, das im echten Leben kaum dauerhaft machbar ist: im Job so wirken, als gäbe es keine Kinder – und zu Hause so präsent sein, als gäbe es keinen Job. Genau dieser Anspruch ist es, an dem viele Mütter zerbrechen.

© Stephie Braun/Ioniq

Aber muss Kritik immer gleich so hart werden?

Trotzdem zeigt die Debatte auch eine andere Wahrheit: Frauen werden im Netz oft gnadenlos beurteilt, wenn sie über Mutterschaft sprechen. Sagt eine Mutter, sie arbeitet viel, heißt es: „Arme Kinder.“ Sagt sie, sie ist gerne zu Hause, heißt es: „Kein eigenes Leben.“ Sagt sie, sie will beides, heißt es: „Privilegiert.“ Sagt sie, es läuft gut, heißt es: „Lüge.“

Die Kommentare unter solchen Clips sind oft weniger konstruktive Kritik als zu schnelle Verurteilung. Viele Menschen sehen einen kurzen Ausschnitt, kennen weder den Alltag noch die Hintergründe – und erlauben sich trotzdem ein hartes Urteil über eine andere Frau.

Dabei sagt Hoermanseder im Gespräch auch, dass die Doppelbelastung für sie die größte Herausforderung sei. Sie spricht davon, dass sie nicht nur zu Hause sein könnte, aber auch nicht nur arbeiten wolle. Dass ihre Kinder, ihr Hund und ihr Beruf für sie ihre „Zeit für sich“ seien. Dass sie nicht perfekt sei – und das okay finde.

Man muss ihre Haltung nicht teilen. Man darf sie kritisch sehen. Aber man könnte ihr auch zugestehen, dass sie über ihr eigenes Leben spricht – nicht über eine allgemeingültige Anleitung für alle Mütter.

Ihre Reaktion: „Wann kommt eigentlich das Personal?“

Nach der Kritik reagierte Hoermanseder selbst auf Instagram. In einem Video steht sie nach der Dusche mit Handtuch im Badezimmer, während ihre Kinder hereinkommen. Dazu blendet sie Kommentare des viralen Clips ein wie: „Die ehrliche Antwort wäre gewesen: weil ich ganz viel Unterstützung und Privilegien habe“ oder „Mit genug Personal geht alles“.

Dann fragt sie ihre Kinder ironisch: „Wann kommt eigentlich das Personal, dass euch anzieht, die Zähne putzt, Frühstück macht?“ Die Kinder sind sichtlich verwirrt, fragen, welches Personal sie meine – und antworten schließlich sinngemäß: „Du machst das alles. Du bist das Personal.“

Die Szene ist natürlich als humorvolle Reaktion gedacht. Gleichzeitig wird sie die Kritikerinnen wohl kaum vollständig überzeugen. Denn ob es bezahltes Personal gibt oder nicht, ist nur ein Teil der Debatte. Es geht um größere Fragen: Wer kann sich welche Freiheit leisten? Wer hat Unterstützung? Wer kann beruflich reisen, spontan arbeiten, Kinder mitnehmen, Termine verschieben? Und wer nicht?

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Zwischen Vorbild und Reizfigur

Marina Hoermanseder wirkt wie eine Frau, die sehr streng mit sich selbst ist. Eine, die enorm viel leisten will und Leistung auch positiv besetzt. Sie spricht davon, ihren Kindern finanziell etwas ermöglichen zu wollen – aber auch davon, ihnen ein Vorbild zu sein. Sie erzählt etwa, dass sie nach einem Event bei Heidi Klum um sechs Uhr Früh zurückfliege, um ihre Kinder in den Kindergarten zu bringen. Für sie sei das schöner, als auszuschlafen.

Das kann und darf man bewundern. Denn nicht jede Frau möchte aus einer Nacht ohne Schlaf eine Heldinnen-Geschichte machen. Und nicht jede Frau hat die Kraft, immer noch einen Schritt weiterzugehen.

Interessant ist auch: Am Ende widerspricht Hoermanseder ihrem eigenen viralen Satz ein Stück weit selbst. Sie erzählt, dass ihre Kinder mit ins Atelier kommen und sie auch auf berufliche Reisen begleiten, etwa nach Los Angeles. Natürlich bekommen sie also mit, dass Mama arbeitet. Und natürlich bekommen auch Kolleginnen und Kollegen mit, dass sie Mutter ist. Vielleicht war der Satz also weniger wörtlich gemeint als als Ausdruck ihres Anspruchs, beide Welten so gut wie möglich zusammenzuhalten.

Die eigentliche Frage: Warum erwarten wir Perfektion?

Der Shitstorm um Marina Hoermanseder erzählt am Ende weniger über eine einzelne Designerin als über den Druck, unter dem Mütter heute stehen. Frauen sollen arbeiten, aber nicht zu viel. Für ihre Kinder da sein, aber sich nicht aufopfern. Erfolgreich sein, aber bitte demütig. Hilfe haben, aber nicht zugeben müssen. Stark sein, aber nicht zu stark wirken.

Marina Hoermanseder ist privilegiert – ja. Ihre Aussage kann Druck erzeugen – ja. Aber die Härte der Reaktionen zeigt auch, wie schnell Frauen einander im Netz zerlegen, statt einander Raum für unterschiedliche Lebensmodelle zu lassen.

Vielleicht wäre die ehrlichste Antwort auf diese Debatte: Kein Modell passt für alle. Nicht jede Mutter kann oder will leben wie Marina Hoermanseder. Aber auch Marina Hoermanseder muss nicht leben wie alle anderen.

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