20-Jähriger
Anschläge in Istanbul geplant: IS-Anhänger in Wien angeklagt
11.03.2026Ein 20-jähriger IS-Anhänger plante offenbar Anschläge in Istanbul. Er wird nun in Wien angeklagt.
Die Staatsanwaltschaft Wien hat gegen einen mutmaßlichen Anhänger der radikalen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) Anklage erhoben, der am 4. März 2024 nach Istanbul gereist war, um dort - so der Vorwurf der Anklagebehörde - im Namen des IS einen Terroranschlag auf Kräfte der Polizei oder des Militärs zu verüben. Das gab Behördensprecherin Nina Bussek am späten Mittwochnachmittag bekannt. Der 20-jährige Arda K. war Ende April 2025 in Wien festgenommen worden.
- Senioren-Drama: Jetzt auch Frau (82) gestorben
- Mutter erlebte Entführung ihrer Söhne hautnah mit: "Bring sie zurück"
- Mutter erlebte Entführung ihrer Söhne hautnah mit: "Bring sie zurück"
Der gebürtige Slowake, der bis dahin an einer Adresse in Favoriten gemeldet war, soll gemeinsam mit dem verhinderten Swift-Attentäter Beran A. und Hasan E. eine brandgefährliche Terror-Zelle des IS gebildet haben. Hasan E. führte am 11. März 2024 einen Anschlag in Mekka durch, seither befindet er sich in Saudi-Arabien in Haft. Beran A. wiederum wurde Anfang August 2024 vor einer mehrtägigen Konzert-Reihe der Pop-Diva Taylor Swift festgenommen, die im Wiener Ernst-Happel-Stadion über die Bühne hätte gehen sollen.
In einer mittlerweile rechtskräftigen Anklage kreidet die Staatsanwaltschaft Wien Beran A. an, dieser habe für den Termin am 9. August 2024 einen penibel geplanten Anschlag im Happel-Stadion durchziehen wollen. Ein ausländischer Partnerdienst erlangte von der terroristischen Bedrohungslage Kenntnis und warnte die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN). Die DSN konnte den jungen Niederösterreicher ausforschen und wenige Tage vor den insgesamt drei in Wien geplanten Swift-Auftritten festnehmen.
Drei zeitgleiche Anschläge geplant
Im Zuge der Erhebungen stellte sich heraus, dass der im Bezirk Neunkirchen gemeldete Beran A. schon seit längerem terroristische Absichten verfolgt haben dürfte. Mit seinen ebenfalls dem IS verbundenen Bekannten Hasan E., der zuletzt im Bezirk Bruck an der Leitha lebte, und Arda K. war den Ermittlungen zufolge ein akkordiertes blutiges Vorgehen angedacht. Die drei hatten seit dem Frühjahr 2023 engen Kontakt. Konkret sollen sie im Sinn gehabt haben, am 11. März 2024 - zu Beginn des Fastenmonats Ramadan - zeitgleich an drei unterschiedlichen Orten im Ausland ein Attentat zu verüben. Mit den entsprechenden Planungen sollen sie im Februar 2024 begonnen haben.
Beran A. flog nach Dubai und hatte laut den vorliegenden Ermittlungsergebnissen vor, vor einer Moschee einen Soldaten niederzustechen und anschließend mit dessen Revolver "auf Menschen in der Umgebung zu schießen", wie er später offenbarte. Dann habe ihn aber der Mut verlassen. Er habe sich "im letzten Moment" gegen einen Angriff entschieden, weil er befürchtete, "im Kugelhagel der Polizei zu sterben und davor leiden zu müssen", gestand er nach seiner Festnahme im August.
Hasan E. flog indes nach Mekka und setzte dort seine Terrorpläne um. Er besorgte sich ein Messer und stach vor der Al-Haram-Moschee - die größte Moschee der Welt, in ihrem Hof befindet sich die Kaaba, das zentrale Heiligtum des Islam - damit einem Sicherheitsbeamten in den Hals. Als ihn weitere Sicherheitskräfte überwältigen wollten, stach und hieb er mit dem Messer auf diese ein und verletzte vier weitere Personen.
Angedachter Anschlag in Istanbul nicht umgesetzt
Arda K. werden Anschlagspläne in Istanbul unterstellt. Der Slowake war am 4. März 2024 nach Istanbul geflogen, wo sich Hasan E. bereits aufhielt. Die beiden kannten einander seit 2020. Sie hatten dieselbe Schule besucht und teilten neben dem Interesse für Kampfsport auch dieselben Glaubensvorstellungen. Sie beteten gemeinsam und besuchten dieselben Moscheen.
In Istanbul gingen die beiden essen, besichtigten die Sehenswürdigkeiten und kauften Parfums. Während Hasan E. am 7. März nach Mekka weiterreiste, kehrte Arda K. nach Österreich zurück, ohne dass es zu einem Anschlag in Istanbul gekommen wäre.
Vorgeworfen werden Arda K. von der Staatsanwaltschaft Wien die Verbrechen der terroristischen Straftat, der Reisen für terroristische Zwecke, der terroristischen Vereinigung und der kriminellen Organisation. Er soll Hasan E. "psychisch unterstützt und in seinem Tatentschluss bestärkt haben", teilte Behördensprecherin Bussek mit. Weiters wird ihm zur Last gelegt, sich ab einem noch festzustellenden Zeitpunkt im Jahr 2023 bis Dezember 2024 als IS-Mitglied betätigt zu haben.
Arda K. drohen bis zu 20 Jahre Haft
Die Strafdrohung für das Verbrechen der terroristischen Straftaten beträgt - unter Berücksichtigung des Alters des Angeklagten zu den Tatzeitpunkten - bis zu 20 Jahre Haft. Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig. Arda K. kann binnen 14 Tagen ab Zustellung der Anklageschrift dagegen Einspruch bei Gericht erheben.