Wichtiger Lostag

Bauernregel: "Lacht zu Nepomuk die Sonne, ..."

15.05.2026

Der 16. Mai gilt als wichtiger Lostag im Frühling.

Zur Vollversion des Artikels
© Getty
Zur Vollversion des Artikels

Die berüchtigten Eisheiligen sind gerade erst vorüber, die Natur atmet auf, und der Blick der Landwirtschaft richtet sich mit einer Mischung aus Hoffnung und Bangen nach vorn. Genau in dieser entscheidenden Übergangsphase des Frühlings steht am 16. Mai ein ganz besonderer Name im Kalender: Johannes Nepomuk.

Als Schutzpatron der Brücken, Schiffer und Flößer hat Nepomuk traditionell eine ganz enge Verbindung zu den Elementen. Kein Wunder also, dass sich die Bauernregeln an seinem Gedenktag fast ausschließlich um das sprichwörtliche „Zünglein an der Waage“ im Mai drehen: das richtige Maß an Wasser und Sonne.

Die wichtigsten Regeln

Wer die alten Wettersprüche zum 16. Mai betrachtet, stößt schnell auf einen scheinbaren Widerspruch. Auf der einen Seite steht die Sehnsucht nach dem wachstumsfördernden Nass:

  •  „Der Nepomuk uns das Wasser macht, dass uns ein gutes Frühjahr lacht.“
    Ein milder, warmer Maienregen ist für die frisch bestellten Felder und die saftigen Wiesen pures Gold wert. Er gibt dem Getreide den nötigen Schub und sorgt dafür, dass das Frühjahr im wahrsten Sinne des Wortes aufblüht. Doch der Mai ist wetterwendisch – aus einem sanften Schauer kann schnell ein verheerendes Unwetter werden. Genau gegen diese Gefahr richtet sich die zweite, fast beschwörende Regel:
  • „Heiliger Sankt Nepomuk treib uns die Wassergüsse z’ruck.“
    Hier zeigt sich die historische Rolle des Heiligen als Beschützer vor Hochwasser. Da die junge Saat im Mai extrem empfindlich auf Staunässe, Hagel oder weggeschwemmte Böden reagiert, flehten die Bauern um Mäßigung. Es geht an diesem Tag also um die perfekte Balance: Genug Feuchtigkeit für das Wachstum, aber bloß keine zerstörerischen Sturzbäche.

 

Sollte Sankt Nepomuk die Wassergüsse tatsächlich erfolgreich zurücktreiben und stattdessen den Himmel aufklaren lassen, schlagen vor allem die Herzen der Winzer höher. Denn für die Weinberge gilt am 16. Mai eine ganz goldene Regel:

  • „Lacht zu Nepomuk die Sonne, dann gerät der Wein zur Wonne.“
    Sonnenschein Mitte Mai ist ein wahrer Segen für die Weinreben. Die Wärme heizt die Böden auf und legt den Grundstein für eine kräftige, gesunde Blüte im Frühsommer. Ein sonniger Nepomuktag galt den Weinbauern jeher als verlässlicher Vorbote für ein grandioses Weinjahr, das im Herbst für volle Fässer und exzellente Qualität im Glas sorgen würde.

Der 16. Mai ist in der Meteorologie des Volksglaubens ein echter Weichentag. Ob sanfter Regen für die Felder oder strahlende Sonne für die Reben – die Bauernregeln zu St. Nepomuk zeigen eindrucksvoll, wie präzise unsere Vorfahren das Wetter beobachteten, um das Beste aus ihren Ernten herauszuholen