Prozess
Home Invasion und Schüsse auf Beamte
25.02.2026Nach einer Home Invasion und Schüssen auf Polizisten im September 2025 in Amstetten ist drei Männern am Mittwoch in St. Pölten der Prozess gemacht worden.
NÖ. Einem 59-jährigen Kosovaren, der dreimal auf zwei Beamte gefeuert haben soll, wurde Mordversuch angelastet. Gemeinsam mit zwei Komplizen soll er eine 74-Jährige in ihrem Wohnhaus bedroht und festgehalten haben. Das Trio bestritt laut den Verteidigern die Vorwürfe des Mordversuchs und des schweren Raubs.
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Der Staatsanwalt sprach zu Beginn der Geschworenenverhandlung von einem "geplanten, skrupellosen Gewaltverbrechen" der beiden Kosovaren im Alter von 50 und 59 Jahren und des 55-jährigen Albaners. Der seit 2007 in Österreich lebende 50-Jährige gab in seiner Befragung zu, mutmaßlich vermögende Opfer vorgeschlagen zu haben. Die zwei Älteren waren laut Anklage im Sommer 2025 aus dem Ausland eingereist, um das Haus auszukundschaften. Gerechnet worden sein dürfte mit 1,5 Millionen Euro Beute.
Spediteur klingelte, Trio machte sich aus dem Staub
Als der Mann der 74-Jährigen am 5. September 2025 kurz vor 7.00 Uhr mit dem Hund das Haus verlassen hatte, drang das maskierte Trio in das Gebäude ein und durchsuchte den Wohnbereich nach Wertgegenständen. Einer habe die Frau gepackt und zu Boden gedrückt, während ein anderer das Brecheisen gegen das Opfer gehalten habe, schilderte der Vertreter der Anklagebehörde. Auch mit der Schusswaffe soll die Frau bedroht worden sein. Als die Verdächtigen die 74-Jährige mit Kabelbinder fesseln wollten, habe das Klingeln eines Spediteurs die drei Männer gestört und "Schlimmeres verhindert", sagte der Staatsanwalt. Das Trio flüchtete mit einem geringen Bargeldbetrag.
Als Polizisten im Zuge der Fahndung zwei Verdächtige kurz nach 8.00 Uhr auf einer Wiese bzw. einem Acker bemerkten, liefen der 55- und der 59-Jährige davon. Der Ältere soll den Uniformierten nahe einer Böschung knieend aufgelauert und aus zwölf Metern Distanz dreimal gezielt auf zwei Beamte gefeuert haben. Ein Polizist gab daraufhin einen Schuss aus seiner Dienstwaffe ab. Verletzt wurde niemand. Die beiden Männer wurden festgenommen, das Tatfahrzeug wurde in einem Waldstück sichergestellt. Für den 50-Jährigen klickten drei Tage nach der Tat in Aschbach-Markt die Handschellen.
Trio hatte laut eigentlich "nur" Einbruch geplant
Geplant gewesen sei ein Einbruchsdiebstahl, erklärten die drei Verteidiger in den Eröffnungsvorträgen. Der 59-Jährige habe durch Schüsse die Polizisten ablenken und eine Festnahme verhindern, aber weder verletzen noch töten wollen, erklärte sein Rechtsvertreter. Der 50-Jährige habe "nichts von einer Waffe gewusst", sagte sein Verteidiger Rudolf Mayer. Der 59-Jährige verweigerte vor Gericht die Aussage. In einer früheren Einvernahme hatte er von "Schüssen in die Luft" gesprochen. Der Staatsanwalt entgegnete jedoch, dass der Schusswinkel laut einem Gutachten 24 Grad betrug und ein Projektil in Kopfhöhe eines Beamten in einem Baum eingeschlagen sei. Der 55-Jährige, der bei der Home Invasion ein Brecheisen dabei hatte, erklärte: "Ich wollte weder jemanden festbinden noch Gewalt anwenden."
Dem Trio wird schwerer Raub vorgeworfen, dem 59-Jährigen werden auch Mordversuch, versuchter Widerstand gegen die Staatsgewalt und unbefugter Besitz einer Schusswaffe angelastet. Das Trio soll laut Polizei auch für Wohnhauseinbrüche in den Bezirken Melk und Amstetten im Juli und August 2025 verantwortlich sein, hier sind die Ermittlungen allerdings noch nicht abgeschlossen.
Der 59-Jährige hatte nach Angaben der Exekutive 1999 in einem Spielsalon im Kanton Bern in der Schweiz einen Raubmord verübt, bei dem er einen Sicherheitsmann erschoss. Nach seiner Festnahme in Italien wurde er vom Obergericht Bern zu 18 Jahren Haft verurteilt. 2022 wurde er aus dem Gefängnis entlassen und in den Kosovo abgeschoben, hieß es im Prozess.