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Hitlers Geburtshaus wird zur Polizeiwache – Umbau in Braunau vor Abschluss

16.03.2026

Das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau steht kurz vor seiner neuen Nutzung. Nach jahrelangen Diskussionen soll dort noch heuer eine Polizeiinspektion einziehen. Ziel der Neugestaltung: Das Gebäude soll seinen Symbolwert für Neonazis verlieren. 

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Die Umbauarbeiten am Hitler-Geburtshaus in Braunau befinden sich in der Zielgeraden. In der zweiten Jahreshälfte sollen dort eine Polizeiinspektion sowie das Bezirkspolizeikommando einziehen. Die Hoffnung dahinter: Dem Gebäude ein neues Image zu geben und seine Anziehungskraft für rechtsextreme „Pilger“ zu brechen.

Vor allem rund um den 20. April, den Geburtstag Adolf Hitlers, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu einschlägigen Vorfällen vor dem Haus.

Umbau seit 2023

Seit Herbst 2023 wird das Gebäude umfassend umgebaut. Laut Innenministerium sind die Arbeiten an den Außenanlagen bereits weitgehend abgeschlossen. Im Innenbereich kam es zwar zu kleineren Verzögerungen, dennoch wird eine „mängelfreie Übergabe“ bis Ende des ersten Quartals 2026 erwartet. Die Gesamtkosten für das Projekt liegen bei rund 20 Millionen Euro. Das Vorarlberger Architekturbüro Marte Marte Architekten orientierte sich bei der Gestaltung daran, wie das Haus im 17. Jahrhundert ausgesehen haben könnte. Das genaue Baujahr ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Vier Steinplatten mit der Aufschrift „Volksbücherei Braunau“, die früher am Gebäude angebracht waren, sind inzwischen im Haus der Geschichte Österreich ausgestellt.

Jahrzehntelange Debatte über Nutzung

Über die Zukunft des Hauses wurde jahrzehntelang gestritten. In den 1970er-Jahren war dort die HTL Braunau untergebracht, später bis 2011 die Lebenshilfe Oberösterreich. Danach stand das Gebäude lange leer und verfiel zunehmend.

Mit der damaligen Eigentümerin konnte keine Einigung über eine neue Nutzung erzielt werden. Schließlich wurde das Gebäude enteignet. Seit 2016 gehört das Haus der Republik Österreich.

Eine Expertenkommission prüfte mehrere Optionen. Von einem Museum wurde abgeraten, da dies die Verbindung zum NS-Diktator weiter verstärken und Extremisten anziehen könnte. Auch ein Abriss wurde verworfen, weil er als Verdrängung der Geschichte interpretiert werden könnte. Stattdessen empfahlen die Experten eine behördliche oder soziale Nutzung – letztlich fiel die Entscheidung für eine Polizeidienststelle.

Spezielle Schulungen für Polizisten

Die Polizistinnen und Polizisten, die künftig dort arbeiten werden, sollen zusätzlich sensibilisiert werden. Neben der regulären Ausbildung zum Thema Rechtsextremismus sind laut Innenministerium weitere Schulungsmaßnahmen geplant. Der Arbeitsplatz gilt aufgrund der historischen Belastung als besonders sensibel.

Ziel: Neonazi-Tourismus stoppen

Mit der Neugestaltung soll auch der Wiedererkennungswert des Hauses reduziert werden. Das Gebäude soll damit seine Bedeutung als Anlaufpunkt für Neonazis verlieren.

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu rechtsextremen Aktionen: Der Mahn- und Gedenkstein vor dem Haus wurde beschmiert, Nazi-Aufkleber wurden angebracht oder Kränze und Kerzen abgelegt. Häufig reisten dafür Personen gezielt aus dem Ausland an.

Vorfälle rund um Hitlers Geburtstag

Besonders rund um den 20. April kommt es regelmäßig zu Zwischenfällen.

2024 legten zwei deutsche Paare Blumen vor dem Haus ab und posierten für Fotos, eine Frau zeigte dabei sogar den Hitlergruß. 2022 zündeten zwei Deutsche Grabkerzen an, ein Jahr zuvor hatte ein Mann einen Trauerkranz auf einem Fensterbrett abgelegt. Auch andere Aktionen sorgten für Aufsehen: 2021 posierten rund 50 Corona-Demonstranten in weißen Schutzanzügen vor dem Gebäude. Bereits 2017 hatten Mitglieder einer österreichischen Neonazi-Gruppe dort Fotos mit erhobenem rechten Arm gemacht.

Trotz vieler Bemühungen kämpft Braunau damit weiterhin gegen sein Image als „Hitler-Geburtsstadt“. Der Umbau und die neue Nutzung sollen nun einen endgültigen Schlussstrich ziehen.