Der Faschingsball in St. Johann im Pongau wurde Schauplatz von rechtsradikalen Gruppen.
Zu rechtsradikalen und NS-verherrlichenden Vorfällen soll es am vergangenen Samstag auf einem Faschingsball im Pongau gekommen sein. Bei der Veranstaltung im Ort Pöham erschien eine Gruppe in Ku-Klux-Klan-Gewändern, eine weitere Gruppe hatte auf ihren Verkleidungen neonazistische Symbole wie "SS88" abgebildet, wie die "Salzburger Nachrichten" (SN) in ihrer aktuellen Ausgabe am Dienstag berichteten. Die Personen werden angezeigt.
Eine 21-jährige Studentin, die bei dem alljährlichen Maskenball im dreiköpfigen Komitee zur Prämierung der Kostüme war, schilderte den SN die Vorfälle. Eine zwölf- bis fünfzehnköpfige Gruppe sei für sie jedenfalls nicht preiswürdig gewesen. Die jungen Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren hatten sich Kutten und Kapuzen angezogen, die von dem rassistischen und gewalttätigen Geheimbund Ku-Klux-Klan bekannt sind. Auch einzelne junge Frauen seien derart verkleidet gewesen. Die Studentin stellte die Gruppe zur Rede und erhielt die Antwort, dass sie genau wüssten, wie weit sie gehen dürften. Mithilfe der Security wurde aber bewirkt, dass die Gruppe den Festsaal verließ.
"Es wird Anzeigen geben"
Etwas später tauchten mehrere junge Männer in orangefarbenen Gefangenenanzügen auf. Den Schilderungen zufolge waren Gefangenennummern "SS88" mit schwarzem Klebeband auf einigen Anzügen angebracht. Es handelt sich dabei um Codes der Neonazi-Szene, diese stehen für die NS-Schutzstaffel beziehungsweise für "Heil Hitler". Auch in diesem Fall wurde die Security informiert. "Als sie das gemerkt haben, haben sie schnell die Klebebänder runtergerissen, somit waren die verbotenen Zeichen nicht mehr zu sehen", erklärte die stellvertretende Obfrau des Musikvereins Pöham, der den Ball organisiert hatte, gegenüber der Zeitung.
Zudem sollen mehrere Besucher gesehen haben, wie ein junger Mann, der weder bei den Kuttenträgern noch bei dem Gefangenentrupp dabei war, später, als aufgeräumt wurde, den Hitlergruß gezeigt habe. "Wir verurteilen das und haben die Betroffenen sofort rausgeworfen", sagte der Obmann des Musikvereins Pöham zu den SN über diese Vorfälle. Traurig sei, dass der Ball und der Verein wegen solcher Vorfälle in Verruf gerieten. Ein Teil der auffällig gewordenen Personen sei ihm bekannt, es werde Anzeigen geben.
Historiker Christoph Kühberger von der Universität Salzburg gab eine kulturell-historische Einordnung zu dem Geschehen: "Keinesfalls fällt dies unter den Deckmantel des Faschings und Karnevals. Jeder kennt sich aus, worauf man sich bezieht. Da ist kein Interpretationsspielraum. Das ist offen gelebter Rassismus gegen Schwarze Menschen und gegen Opfergruppen des NS-Regimes, den salonfähig zu machen hier versucht wurde."