63% weniger Regen
So trocken war es in Österreich noch nie
07.05.2026Österreich hat heuer die trockenste März-April-Periode seit Beginn der Messungen im Jahr 1858 verzeichnet.
Wie aus aktuellen Auswertungen der Geosphere Austria hervorgeht, fiel im österreichweiten Flächenmittel um 63 Prozent weniger Niederschlag als im Klimamittel der Jahre 1991 bis 2020. Damit wurde der bisherige Negativrekord deutlich übertroffen. Zum Vergleich: 2003 lag das Niederschlagsdefizit bei 54 Prozent, 1946 bei 57 Prozent und 1893 bei 58 Prozent.
Ob der Frühling 2026 insgesamt als trockenster Frühling der Messgeschichte eingehen wird, ist laut den Experten derzeit noch offen, da der Mai als letzter Frühlingsmonat noch aussteht. Besonders niederschlagsarm war der Frühling zuletzt 2020 mit einem Minus von 31 Prozent, 2003 mit minus 32 Prozent sowie 1993 mit minus 35 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittel.
Auch Winter sehr trocken
Auffällig sei heuer vor allem die Kombination aus einem sehr trockenen Winter und einem extrem trockenen Frühjahrsbeginn. Von Anfang November bis Ende April fiel österreichweit um 35 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel. Noch trockener verliefen vergleichbare Zeiträume lediglich in den Jahren 1948/49 (minus 37 Prozent), 1892/93 (minus 36 Prozent), 1881/82 (minus 44 Prozent) und 1864/65 (minus 39 Prozent). Bereits im Vorjahr hatte derselbe Zeitraum mit minus 33 Prozent deutlich unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen gebracht.
"Die Monate März und April zeigen für Österreich seit etwa 20 Jahren jeweils einen rückläufigen Trend", erklärte Klimatologe Alexander Orlik von der Geosphere. Ob es sich dabei um einen langfristigen Trend oder lediglich um eine vorübergehende Entwicklung handle, könne derzeit jedoch noch nicht abschließend beurteilt werden. Die meisten übrigen Monate würden entweder stabile Niederschlagsmengen oder leichte Zunahmen zeigen. Auch im Juni sei seit rund 15 Jahren ein leichter Rückgang zu beobachten.
Für die Zukunft zeichnen Klimamodelle laut Geosphere Austria in den Sommermonaten generell sinkende Niederschlagsmengen ab, während im Winter eher mit einer Zunahme gerechnet werde. Für Frühling und Herbst liefern die Modelle hingegen keine eindeutigen Signale.
Mehr Dürren und Starkregen erwartet
Sicher sei jedoch, dass Extremwetterereignisse wie Dürren und Starkregen künftig häufiger auftreten werden. "Die Witterung der vergangenen Wochen und Monate spiegelt das jetzt schon zum Teil wider", sagte Orlik. Begünstigt würden solche Wetterextreme unter anderem durch länger anhaltende Wetterlagen infolge eines verlangsamten Jetstreams. Dabei blieben Hoch- und Tiefdruckgebiete länger an einem Ort, was längere Trocken- oder Regenperioden verursachen könne. Der genaue Mechanismus sei allerdings noch nicht vollständig erforscht.
Die regionalen Klimaprognosen seien weiterhin mit Unsicherheiten behaftet, da Computermodelle kleinräumige Entwicklungen bisher nur eingeschränkt abbilden könnten. Eine erste Entspannung der aktuellen Trockenheit wird laut Prognosen im Westen und Südwesten Österreichs - von Vorarlberg bis Salzburg sowie in Osttirol und Oberkärnten - bis Anfang kommender Woche erwartet. Weiter östlich dürften nennenswerte Regenmengen erst gegen Ende der nächsten Woche für eine leichte Entlastung sorgen.