FALL DER WOCHE

17-Jähriger explodierte im Vulkanland: "Ich musste das tun"

25.04.2026

Das Entsetzen im ganzen Land ist groß: Zum zweiten Mal in kurzer Zeit hat sich ein Teenager dazu entschieden, seinem inneren Drang, jemanden zu töten, nachzugeben und seinen Blutdurst in der Realität brutal zu stillen. Hier das erste Psychogramm nach den Horrorereignissen im steirischen Vulkanland.

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© APA, Getty (Montage)
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Stmk, Wien. Nach der Tat stürzte der als schlaksig beschriebene einheimische Teenager blutüberströmt auf die Straße, die hier am östlichen Ortsende des 2.800-Einwohner-Ortes St. Peter am Ottersbach den Namen Kalvarienberg trägt. Eingedrungen war der 17-Jährige in das Haus eines Senioren-Paares über den Holzbalkon, auf den er wie ein Assassine in einem Computerspiel zielstrebig hochkletterte, um zuerst mit einem mitgebrachten Hammer die Balkontür einzuschlagen und dann mit dem Messer in der Hand auf die noch schlafenden Senioren immer und immer wieder einzustechen.

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Ein Wunder, dass die 80-jährige Frau schwer verletzt überlebte - sie wurde notoperiert und kann voraussichtlich erst in ein paar Tagen befragt werden. Ihr 84-jähriger Ehemann Dietger F. dagegen verstarb noch an Ort und Stelle, während der nächtliche Angreifer, mittlerweile war es drei Uhr in der Früh, vom Tatort flüchtete. Der bisher völlig unbescholtene, angeblich integrierte, aber als sehr zurückgezogen lebende Teenager alarmierte selbst die Polizei. Als die Beamten auf ihn trafen, kam die blutüberströmte Gestalt auf sie zugewankt und gab gleich alles zu. In den ersten Befragungen durch die Kriminalisten soll der Lehrling - der wegen seines Arbeitsplatzes vor nicht allzu langer Zeit aus St. Peter weggezogen sein soll - mit Stehsätzen vergangener Bluttaten bzw. deren Motiven geantwortet haben: "Ich musste das tun!" Stimmen im Kopf hätten es ihm befohlen und vor allem einige andere Begründungen, die die Polizei zu dem Schluss kommen ließ, es habe sich wieder um einen Fall von "Mordlust" eines Teenagertäters gehandelt. 

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Der Fall davor ist noch nicht einmal zur Gänze aufgearbeitet - nur die Gutachterin entschied, dass jene 14-Jährige, die Ende Februar Andrea Sch., eine 64-jährige Magistratsbeamtin, die am Grab ihrer Eltern am Friedhof Baumgarten in Penzing getrauert hatte, wie aus dem Nichts überfiel und mit einem einfachen Taschenmesser von einem 1-Euro-Shop fürchterlich zurichtete und tötete, psychisch ziemlich gestört, aber gefährlich und zurechnungsfähig sei. Das Motiv des EMO-Gruftie-Mädchens, die von ihrer Mutter abgegeben in einer betreuten WG lebte, nur Death und Black Metal hörte, ununterbrochen TikTok schaute und dabei Serien-Killer und andere ver(w)irrte Seelen wie Alyssa Bustamante (15), die ihre neunjährige Nachbarstochter erstach, feierte: Sie "wollte Blut sehen, sich selbst spüren" und "die schreckliche Unruhe in ihr bekämpfen". Dass diese extreme seelische Unpässlichkeit auch von ihrem Drogenkonsum (Ketamin, LSD, Kokain, Ecstasy und obendrein noch Benzos) kommen könnte, kam ihr nicht in den Sinn. Früher hatte sie sich selbst, um sich zu spüren, geritzt, jetzt sollte jemand anderer daran glauben, deren Tod ihr zu dem Kick verhelfen würde."

Eine ähnliche Gedankenwelt dürfte auch hinter den blutrünstigen Handlungen in der Nacht auf Mittwoch im steirischen Vulkanland stecken - wobei der Marketingbegriff Vulkanland eigentlich für Kulinarik, Handwerk und Energie und nicht für einen explodierten Alptraum stehen sollte. Von dem Burschen ist bisher nur bekannt, dass er kurz zusammengefasst ein netter Niemand und Einzelgänger war bzw. ist - der wie viele andere Kids, die in der Pandemie aufgewachsen sind, wenige kennen oder näher kennenlernen wollen. Kurz fand er einen Sinn in der Feuerwehrjugend, errang dort sogar eine Medaille in Gold, doch danach war bei den Florianis nicht mehr viel von ihm zu sehen, überhaupt soll er sehr wenig draußen gewesen sein, was für einen Zocker spricht, der Tag und Nacht am Computer sitzt und Battle- und KiIler-Games spielt mit einem Headset am Kopf, aus dem mitunter Anweisungen kommen, die man z.B. bei sehr wenig Schlaf auf Dauer als Stimmen im Kopf deuten könnte. Man kann gespannt sein, zu welchen Schlüssen der oder die Gutachter/in kommen wird. Schlimm auf jeden Fall dieses Detail:

Die Opfer kannte der Fleischerlehrling - der vielleicht auch wegen seinem angehenden Berufs eine "ganz spezielle" Beziehung zu Blut, Fleisch und  Tod hatte - nicht, soll sie aber gezielt ausgesucht haben, da er sich aufgrund des Alters wenig Gegenwehr erwartet hatte. Und den Senior richtete er mit den Messer zu, dass es den Ersteintreffenden den Magen umdrehte.

Der Verdächtige wurde am Donnerstag in die Justizanstalt gebracht, am Freitag wurde sodann die Untersuchungshaft verhängt.

Es gilt die Unschuldsvermutung.