5.711 Wohnsitze
Kitzbühel: Liste Fritz-Studie sieht Wertschöpfungsminus durch Freizeitwohnsitze
09.04.2026Ein Wertschöpfungsplus für Bezirk Kitzbühel von 11,35 Mio. Euro sei bei ganzjähriger und touristischer Nutzung möglich.
Die oppositionelle Tiroler Liste Fritz wartet in der Dauercausa Freizeitwohnsitze mit einem weiteren Aspekt auf. Eine von der Partei in Auftrag gegebene Studie des Tiroler Finanzwissenschaftlers Jürgen Huber kommt zum Schluss, dass dem Bezirk Kitzbühel durch die 5.711 legalen Freizeitwohnsitze potenzielle Wertschöpfung entgehe. Bei einer anderweitigen Nutzung wäre "ein Wertschöpfungsplus von 11,35 Mio. Euro möglich", hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.
Die Studie gehe dabei von einer "Hälfte-Hälfte-Aufteilung" der aktuellen Freizeitwohnsitze aus. "Fünfzig Prozent wären in meiner Annahme der ganzjährigen Wohnnutzung und fünfzig Prozent der touristischen Vermietung gewidmet", erklärte Huber seine theoretische Grundannahme. Nicht nur wäre dann bei diesem "Planspiel" die Wertschöpfung höher als sonst, auch gäbe es in diesem Szenario 2.855 zusätzliche Einwohner für den Bezirk, in dem die Freizeitwohnsitz-Causa besonders virulent ist. "Gesamt kommt man damit schließlich auf 228,25 Millionen an regionaler Wertschöpfung im Bezirk", führte der Vorstand des Instituts für Banken und Finanzen der Universität Innsbruck aus.
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Alternative zum Freizeitwohnsitz nicht "grüne Wiese"
Damit stellte er sich auch gegen eine von der Tiroler Wirtschaftskammer im August letzten Jahres präsentierte Studie der "Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsforschung" (GAW), die von einem deutlichen Wertschöpfungsplus durch Freizeitwohnsitze ausging. "Die problematische Annahme der GAW-Studie ist, dass die Alternative zu einem Freizeitwohnsitz eben eine grüne Wiese ohne jegliche Wertschöpfung wäre", erklärte Huber. Er nehme hingegen an, dass eben "eine alternative Nutzung" der Freizeitwohnsitze ein Plus brächte.
Errechnen würde sich dieses Plus unter anderem dadurch, dass die Einnahmen für die Gemeinden und Tourismusverbände um 4,43 Millionen Euro höher wären als bei reinen Freizeitwohnsitzen, so der Finanzwissenschaftler. "Zudem würden durch die zusätzlichen Dauerbewohner im Bezirk auch Betriebe gegründet", argumentierte er. Es sei folglich mit "mindestens 1.800 zusätzlichen Arbeitsplätzen zu rechnen. Darüber hinaus hätten Pensionen und Unterkünfte bei diesem Modell höhere Einnahmen. "Ich gehe davon aus, dass die Freizeitwohnsitzler, die ja Tirol-Fans sind, auch ohne Freizeitwohnsitz zum Urlaub nach Tirol kämen."
Sint: Mehr Schaden als Nutzen durch Freizeitwohnsitze
Die Studie sah schließlich Liste Fritz-Klubobmann Markus Sint als "wissenschaftliche Bestätigung" dafür, dass "Freizeitwohnsitze mehr schaden als sie bringen". Neben der Schmälerung einer möglichen Wertschöpfung würden sie auch zu einer "weiteren Verknappung von Grund und Boden führen", der in Kitzbühel und in ganz Tirol ohnehin knapp sei. Die vorgelegte Studie müsse nunmehr endgültig dazu führen, dass es in Tirol "keine neuen Freizeitwohnsitze mehr geben darf", erneuerte Sint eine Forderung der oppositionellen Liste Fritz.
Keine neuen Freizeitwohnsitze in "Vorbehaltsgemeinden"
Diese Forderung und die Studie von Huber stehen auch vor dem Hintergrund der Raumordnungsnovelle der schwarz-roten Tiroler Landesregierung. Diese hatte ursprünglich ein Verbot von neuen Freizeitwohnsitzen in 142 sogenannten "Vorbehaltsgemeinden" erlassen, zuletzt wurden mehr als 180 Gemeinden als solche ausgewiesen. Dabei handelt es sich um Kommunen, in denen der Druck auf den Wohnungsmarkt besonders groß ist. Tirol hat insgesamt 277 Gemeinden.
Das Thema Freizeitwohnsitze war in Tirol jedenfalls immer wieder Zankapfel gewesen. Zuletzt war die Regelung beispielsweise beim Anwaltstag der österreichischen Rechtsanwälte in Innsbruck kontrovers diskutiert worden. Die Kontrolle der Freizeitwohnsitz-Inhaber wurde dort etwa als "überschießend" kritisiert. Auch die Kitzbüheler Stadtführung sowie Tourismusverbände bemängelten die derzeitige Handhabe des Landes.
Raumordnungslandesrat Geisler: Freizeitwohnsitze "Teil des touristischen Angebots"
Der für Raumordnung zuständige Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) verwies indes in einer Reaktion gegenüber der APA darauf, dass "Tirol ein äußerst attraktiver Lebens- und Wirtschaftsraum sowie ein starkes Tourismusland" sei. Das Hauptaugenmerk liege somit "auf möglichst ganzjährig ausgelasteten Beherbergungsbetrieben". So sei bereits vor mehr als 30 Jahren "eine Höchstgrenze für Freizeitwohnsitze" eingeführt worden. Rechtmäßig bestehende Freizeitwohnsitze seien "Teil des touristischen Angebots", betonte Geisler. Darüber hinaus habe Tirol "in Bezug auf illegale Freizeitwohnsitze die restriktivsten Gesetze aller Bundesländer geschaffen", erinnerte er. Damit wolle das Land "eine ausgewogene wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen gewährleisten und einen Ausverkauf unseres Landes verhindern", führte der Landeshauptmannstellvertreter aus.