THEMA DER WOCHE

Vergiftet, verhungert, erstochen - Horror-Serie an Kindermorden

14.02.2026

Elias, Samuel, Sebastian - eine Serie von furchtbaren Gewaltverbrechen an jungen Söhnen, begangen im engsten Familienkreis, erschüttert das Land. Antworten auf das Motiv gibt es nur in einem Fall - und der ist der schrecklichste von allen. 

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© Elias, bevor die Eltern aufhörten, ihm Essen zu geben (zVg)
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Tirol, Stmk. Starke Nerven benötigten diese Woche nicht nur Richter und Geschworene am Landesgericht Innsbruck bei der Verhandlung gegen ein wohlgenährtes einheimisches Ehepaar - Kevin und Nathalie M. (beide 27): Die Eltern von drei Mädchen und einem Buben quälten ihren Jüngsten, Elias, zu Tode - ließen ihn verhungern, weil sie in ihm einen Dämon sahen, den man nicht füttern darf, stopften sich aber derweil selbst täglich mit Fastfood voll und ergötzten sich per Überwachungskamera, wie der 3-Jährige, der in einer Schublade leben musste, immer weniger wurde. Am Ende wog er nur noch vier Kilo (das ist das Gewicht eines vier Monate alten Säuglings), bestand nur noch aus Haut und Knochen und hatte ein Greisengesicht.

© zVg

Elias war im Mai 2024 tot in der Wohnung in Ebbs in Tirol aufgefunden worden. Zum Prozess kam es erst fast zwei Jahre später, weil drei Sachverständige – darunter die bekannte Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner – das Paar ganz genau unter die Lupe nahmen, um herauszufinden, warum sie ihrem eigenen Kind ein derartiges Martyrium  angetan haben und ob sie zurechnungsfähig waren bzw. sind. Die Beurteilung der Mutter, die den Dämon erfand, um mit ihm die Überforderung und von der eigenen verkorksten Biografie abzulenken: Sie hat keine Wahnerkrankung, stattdessen eine massive Störung der Persönlichkeitsstruktur mit sadistischen Anteilen und gravierenden Defiziten an Empathie. Der Kindsvater wiederum sei unreif und bevormundet - zuerst von seiner Mutter und dann von seiner Partnerin.

Das einzige "Positive" an der Horror-Causa: Beide Beschuldigte nahmen die vergangenen Montag gefällten Urteile - lebenslang sowie lebenslang plus Einweisung - an.  Der Vater empfindet den Spruch als gerechte Strafe und möchte, so sein Anwalt,  "nunmehr sein Fehlverhalten mit professioneller Hilfe in der Haft aufarbeiten." Auch die Mutter erhebt mit ähnlicher Argumentation keinen Einspruch. Sie kommt in ein forensisch-therapeutisches Zentrum. Da auch die Staatsanwaltschaft kein Rechtsmittel ergreift, sind  die Urteile rechtskräftig.

Mutter erhängte sich nach Mord am eigenen Kind

© Zoom Tirol

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Derweil kam es in Tirol im Nobelskiort Kitzbühel erneut zu einer furchtbaren Gewalttat an einem Buben, der offenbar von seiner Mutter vergiftet wurde. Kaum waren die Urteile gegen das Paar aus Ebbs gesprochen, wurden am Dienstag um 13.30 Uhr in einer Wohnung am Rennfeld unweit des Bahnhofes von Kitzbühel die 48-jährige Dagmar G. und ihr Sohn Sebastian tot aufgefunden. Die Frau, die als extrem verschlossen galt und zuletzt auf der Gemeinde Kufstein arbeitete, hatte Selbstmord begangen und sich erhängt, ihr Sohn - der Kindsvater ist unbekannt - starb laut Obduktion nicht durch Gewalteinwirkung, trotzdem haben die Ermittler Hinweise gefunden, die eindeutig auf Fremdeinwirkung bei Sebastian G. schließen lassen - die Tirolerin dürfte ihn vergiftet haben.

Über die Frage des Warums herrscht noch völliges Rätselraten.  „Sie war eine ruhige, eher zurückgezogen lebende Frau“, sagen Nachbarn gegenüber regionalen Medien. Die 48-Jährige war in keinen Vereinen aktiv, hat auch sonst nie groß am gesellschaftlichen Leben teilgenommen. An ihrem Sohn aber hing sie sehr, erzählen Leute aus ihrem Umfeld. Sie habe ihn umsorgt, oft zu viel, ständig habe sie Angst gehabt, dass ihm etwas zustoßen könnte. Die Vermutung: Irgendetwas in ihrem Leben könnte völlig aus dem Ruder gelaufen sein (Krankheit, Psychose, Kündigung, Liebeskummer), worauf sie jeden Lebensmut verlor, und ihren Sohn wollte sie nicht allein zurücklassen.

 

Ähnliches wird wohl auch der Hintergrund im Fall "Samuel" Ende Jänner in Leoben in der Steiermark sein. Die 39-jährige Michaela S. hatte an jenem frühen Freitagnachmittag selbst den Notruf gewählt und das Rote Kreuz verständigt. Beim Eintreffen der Rettungskräfte war ihr Sohn aber bereits tot. Als mutmaßliche Tatwaffen wurden mehrere Messer in der Wohnung der Frau sichergestellt. Über den Tathergang und vor allem das Motiv gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Die alleinstehende Frau sei in einem völligen psychischen Ausnahmezustand“ gewesen, in der Justizanstalt, in die nach einer Operation im Krankenhaus überstellt wurde, habe sie angeblich gemeint, der Bub sei „besessen“ gewesen. Wie es aussieht, hatte sich sich mit den Messen auch selbst attackiert, scheiterte aber am Suizidversuch.

Die Staatsanwaltschaft lässt derzeit die Zurechnungsfähigkeit der Frau, die ihren Sohn mit Stich- und Schnittverletzungen im Oberkörper- und im Halsbereich getötet hat, prüfen. Ein psychiatrisches Gutachten soll klären, ob sie zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war.