FALL DER WOCHE

Psychogramm: Vierfach-Mutter im religiösen Wahn hingerichtet

11.04.2026

Wer ist der Mann, der am Ostermontag mit einer Pistole und einem Schraubenzieher seine Frau - von der er seit Jahren getrennt lebt - bestialisch getötet hat? Ein erstes Psychogramm offenbart einen religiösen Fanatiker, der seine Kinder vor dem Einfluss des Teufels retten wollte.

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© zvg/Lenger (Montage)
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NÖ. Das blutige Drama einer aus dem Kosovo nach Österreich zugewanderten christlichen Familie beherrscht jetzt seit Ostern (abseits der durchaus ebenfalls hirnrissigen Weltpolitik) die Schlagzeilen: In der Weinbaugemeinde Sooß bei Baden tötete David O. (47) seine Ehefrau Zoja und zerstörte damit nicht nur das Leben, sondern auch das seiner vier Kinder - zwei Söhne und zwei Töchter, drei davon Teenager und engagierte wie beliebte Kicker beim örtlichen Fußballklub. Die vier haben mit einem Schlag nicht nur die Mutter verloren, sondern sind im Grunde Vollwaisen, wenn man bedenkt dass der Vater lebenslang hinter Gitter oder auf die Forensik eingewiesen wird - wobei der Kontakt in den letzten Jahren ohnehin schon stark eingeschränkt und belastet war.

Nach der Trennung der Eltern 2019 setzte die Zoja O. ein Annäherungsverbot des Ehemanns - von dem sie sich aber bis zuletzt nicht scheiden ließ bzw. aufgrund seines beständigen Vetos nicht scheiden lassen konnte -  zu seinen Kindern durch. Blättert man durch das völlig absurde und geradezu fanatische Facebook-Profil von David O., der  sich allerdings einen albanischen Vornamen gibt, der übersetzt so viel wie "freier Mensch" bedeutet. Sein Lieblingszitat ist noch halbwegs verständlich. Es stammt aus dem Film Fight Club und heißt, ebenfalls übersetzt: "Erst wenn wir alles verloren haben, sind wir frei, alles zu tun."

© Facebook

Blättert man weiter durch das FB-Profil des Kosov-Albaners, kann man sich vorstellen, warum und woran die Familie zerbrochen war: nämlich am Wahn des Bibel-Fanatikers (Neues Testament), der seit 2018 mehr als 650 Bilder von der Jesus-Mutter Maria, von allen Heiligen, Nonnen, Mönchen, Exorzisten mit vielen Zitaten und Geboten postet und bei jeder zweiten steht darüber "ORA PRO NOBIS", also "bitte (bete) für uns". Unter die Fotos seiner Söhne schreibt er: "Jesus protect them" und fügt ausschmückend dazu: "Sein Lobpreis ist die Versammlung der Heiligen; er wohnt in den Sängern selbst. Wenn ihr ihn loben wollt, dann lebt, was ihr ausdrückt. Lebt ein gutes Leben, und ihr selbst werdet sein Lobpreis sein."

© Fuhrich

Er selbst sieht sich, wie man hört, als Erzengel, der täglich in die Kirche ging - und wenn  er seine Kinder traf, mussten sie mit ihm in die Kirche. In seiner Frau dagegen - die seine eifernde Gedankenwelt wohl nicht mehr ertragen und sich deshalb von ihm getrennt hatte - wähnte er eine Schwarzmagierin und den Teufel persönlich, der seine Tochter (17) bereits verhext habe, weil sie plötzlich dunkle Ringe unter den Augen hatte...

Sein Anwalt Manfred Arbacher-Stöger, der ihn gemeinsam mit Rudi Mayer vertritt: "Unser Mandant meint, er fühlte, dass seine Kinder in Gefahr sind und wollte sie beschützen."  Die Verteidigungslinie liegt damit auf der Hand - eine psychiatrische Expertise wird wohl beantragt und durchgeführt und ob auch der Gutachter wie der Autor dieser Zeilen zu dem Schluss kommt, dass Femizid-Verdächtige, der möglicherweise im religiösen Wahn am Ostermontag, dem zentraler Feiertag des Christentums, zur finalen Abrechnung schritt, unzurechnungsfähig und daher ein Fall für die Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum ist, sei dahingetellt. Das Facebook-Profil ist zwar mittlerweile gelöscht, wird aber nicht allein bei der Beurteilung entscheidend sein, und ein paar Screenshots hat auch oe24 gesichert.

Die Welle der Anteilnahme für die hinterbliebenen Kinder in dieser schrecklichen Tragödie - die hoffentlich von den Behörden und Verwandten gut betreut sind - ist unterdessen ungebrochen. Auch Ex-Kanzler Sebastian Kurz ist tief betroffen und teilt auf sozialen Medien einen Spendenaufruf für die Familie der Toten, den der Bürgermeister von Sooß initiiert hat. Hier noch einmal das Spendenkonto:

Marktgemeinde Sooß
IBAN: AT19 3204 5000 0509 5120
BIC: RLNWATWWBAD
Unterstützung Femizid Sooß