Auto-Wette
Ohne Auto durch die Stadt- so gut klappt der Alltag wirklich
15.01.2026Die Auto-Wette der Wiener Linien hat klare Fakten geschaffen. Wer sein Auto stehen lässt, spart Emissionen, Geld und Nerven. Der Umstieg auf Öffis, Rad und Carsharing war kein Rückschritt, sondern ein Gewinn.
Sie verzichteten auf den Autoschlüssel und gewannen Mobilität, Klimaschutz und Geld. Drei Monate lang ließen 46 Wienerinnen und Wiener aus 37 Haushalten ihr Auto in der Garage. Stattdessen nutzten sie Öffis, Räder oder Carsharing und legten dabei insgesamt über 300.000 Kilometer zurück. Der Selbstversuch, begleitet vom Institut für Verkehrswesen der BOKU, zeigt, dass das Stadtleben auch ohne eigenes Auto funktioniert.
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Verzicht auf das Auto zahl sich aus
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren ohne eigenes Auto sogar mobiler als davor. Im Durchschnitt legten sie täglich Wege zurück, die zwei Kilometer weiter entfernt lagen als jene, die sie zuvor mit dem eigenen Auto gefahren sind. Während der Testphase sanken die CO2-Emissionen um 5,5 Tonnen.
Das entspricht der Menge, die ein kleiner Wald mit rund 440 Bäumen in einem Jahr binden kann. Auch finanziell lohnte sich der Umstieg. Auch die Geldbörse wurde geschont. Berechnungen der BOKU zeigen, dass die tatsächlichen Mobilitätskosten mit eigenem Auto monatlich bei 425,20 Euro liegen und durch Mobilität ohne eigenes Auto um bis zu 40 Prozent reduziert werden können.
Alltag funktioniert auch ohne Privatwagen
Mehr als 80 Prozent aller Wege wurden umweltfreundlich zurückgelegt. 42,6 Prozent entfielen auf Fußwege, 19,7 Prozent auf öffentliche Verkehrsmittel und 16,9 Prozent auf das Fahrrad. Weitere 19 Prozent nutzten die Teilnehmenden Leihautos, Mitfahrgelegenheiten und Taxis, rund zwei Prozent entfallen auf sonstige Verkehrsmittel.
Im Vergleich zur Ausgangslage mit Auto reduzierten sich die täglichen Pkw-Kilometer um ein Drittel. Besonders im Urlaubsmonat Juli blieb der Mobilitätsmix stabil. Viele nutzten weiterhin die Öffis, einige sogar für Strecken über 140 Kilometer. Diese Bereitschaft zum Umstieg überraschte selbst die Expertinnen und Experten.
Außerhalb Wiens wird es schwer
Trotz der vielen positiven Erfahrungen gab es auch Herausforderungen. Vor allem im ländlichen Raum empfanden viele den Planungsaufwand als hoch. Wege außerhalb Wiens waren mit Öffis oft deutlich zeitintensiver. In Interviews erklärten 15 von 28 befragten Haushalten, dass sie ihr Auto bereits verkauft haben oder es in nächster Zeit tun wollen. Die anderen 13 Haushalte sehen derzeit keine Möglichkeit, den Alltag ohne eigenes Fahrzeug zu bewältigen. Häufige Gründe dafür waren Kinder im Haushalt, regelmäßige Fahrten außerhalb Wiens oder ein fehlendes Carsharing-Angebot.
Starker Rückhalt für autofreies Leben in Währing
Im Partnerbezirk Währing war die Resonanz besonders deutlich. Nur fünf der 14 befragten Haushalte möchten ihr Auto behalten. Die Zufriedenheit mit dem öffentlichen Verkehrsnetz war dort besonders hoch. Bezirksvorsteherin Silvia Nossek erklärte, dass man mit den Ergebnissen nun konsequent weiterarbeiten werde. "Wir wollten mit der Auto-Wette herausfinden, wie wir mehr Menschen motivieren können, ihre Mobilität ohne eigenes Auto zu organisieren", so Nossek. Sie betonte, dass jedes Auto weniger mehr Platz für Bäume, Kinder und sicheres Zu-Fuß-Gehen schafft.
Stadt und Wiener Linien ziehen Bilanz
Auch die Wiener Linien sehen das Projekt als Erfolg. "Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben ihr Mobilitätsverhalten nachhaltig geändert und das eigene Auto verkauft", so Geschäftsführerin Alexandra Reinagl. Sie hob hervor, dass sich neue Gewohnheiten etabliert haben und diese nicht nur dem Klima helfen, sondern auch den Menschen. "Wir arbeiten in Wien intensiv daran, umweltfreundliche Mobilität zu stärken. Allein im vergangenen Jahr hat die Stadt Wien rund 20 Kilometer neue Radwege gebaut und zwei neue Straßenbahnlinien eröffnet. Die Auto-Wette hat bestätigt, dass man in Wien gut und schnell ohne eigenes Auto unterwegs sein kann“, ergänzt Gemeinderätin Nina Abrahamczik (SPÖ).