Saustall Hypo

Affäre Pinkl: 10 Mio. Euro für Ex-Chefs

02.03.2010

Nicht nur Bankchef Pinkl, auch seine vier Hypo-Vorstandskollegen bestehen auf der Auszahlung ihrer vertraglichen Ansprüche.

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Das Hypo-Finanzloch wird für den Steuerzahler von Tag zu Tag tiefer. Nicht nur, dass Franz Pinkl, scheidender Chef der Kärntner Skandalbank, nach nur zehn Monaten im Amt die Auszahlung seines vollen Fünfjahresvertrags von bis zu 4,5 Millionen Euro winkt – auch seine Vorstandskollegen bei der Ende Dezember notverstaatlichten Hypo Group Alpe Adria dürften Anspruch auf goldenen Abschied haben.

Ablöse des Hypo-Vorstands kostet Staat 10 Mio. Euro
Der alte Hypo-Vorstand hat neben Pinkl vier weitere Mitglieder. Pinkls Jahresgage lag inklusive Bonus bei rund 900.000 Euro, macht bis zum Ende der Laufzeit (Mai 2014) 4,5 Mio. Euro. Seine Vorstandskollegen werden im Rahmen der Neuausschreibung aller Positionen ebenfalls abgelöst. Wie Pinkl werden wohl auch Božidar Span (seit Juni 2008 im Hypo-Vorstand), Andreas Dörhöfer (sei Mai 2008), Wolfgang Peter (seit Oktober 2006) und Anton Knett (seit Juni 2009) auf Auszahlung ihrer aufrechten Verträge bestehen. Ihre Jahresgage lag bei 600.000 bis 700.000 Euro (inklusive Boni). Die Abgeltung ihrer Ansprüche dürfte den Staat etwa 5,5 Mio. Euro kosten. Macht in Summe dann 10 Mio. Euro für den Austausch des Hypo-Führungsteams.

Trotz Millionen für Berater Bank in die Pleite geführt
Angesichts all der immer deutlicher werdenden Misswirtschaft bei der Hypo sei das immer noch billiger, als die bisherige Führungscrew so weiterwursteln zu lassen, sagen Insider zynisch. Regelrecht explodiert sind bei der Hypo unter Pinkl beispielsweise die Beraterkosten. Mit 32 Millionen Euro sollen solche Verträge im Vorjahr dotiert gewesen sein.

Bankchef Pinkl war schon bei seinem vorigen Arbeitgeber, der Volksbank AG, ein großer Beraterfreund. Mehr als 90 Mio. Euro hat er laut Standard dort für Consulter ausgegeben – trotzdem hinterließ er hier ebenfalls ein Milliardenloch. Auch dafür gab es für den Banker übrigens eine Abfindung. Bei der vorzeitigen einvernehmlichen Trennung im April 2009 habe er eine Abgeltung bekommen, heißt es in Bankenkreisen. Allerdings nicht vergleichbar mit den Hypo-Millionen; bei der Volksbank verdiente Pinkl dem Vernehmen nach auch „nur“ rund 450.000 Euro Jahr.

Pinkl-Vertrag wird jetzt ganz genau geprüft
Der Ärger über den Pinkl-Vertrag, den dieser mit dem Hypo-Voreigentümer BayernLB in Windeseile geschlossen hatte (siehe rechts), ist jedenfalls groß. Man werde sich das sehr genau ansehen und alle Möglichkeiten prüfen, die Summe zu reduzieren, heißt es im Finanzministerium. Schließlich hatte die Hypo auch Staatskapital aus dem Bankenpaket in Anspruch genommen, für das sie die Zinsen nicht bedient. Für 2009 wird bei der Bank ein Verlust in Milliardenhöhe erwartet. Die Bilanz soll am 24. März vorgelegt werden.

Federführend bei der Pinkl-Bestellung war Ex-Bayern­LB-Chef Kemmer.
Der Vertrag mit Pinkl wurde vom früheren Hypo-Mehrheitseigentümer, der BayernLB, geschlossen. „Damit hat die Republik an sich nichts zu tun“, so Finanzminister Josef Pröll. Versäumt wurde in der dramatischen Nacht der Hypo-Notverstaatlichung allerdings, sich mit diesem Thema zu befassen.
Pinkls Vertrag enthält eine sogenannte Change-of-Control-Klausel, die es ihm ermöglicht, bei Eigentümerwechsel von selbst zu gehen und eine Abfindung zu kassieren. Dass ihm diese Vereinbarung zugestanden wurde, finden Experten verwunderlich – zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses im Juni war ein Eigentümerwechsel abzusehen.
Schneller Deal. Pinkls Bestellung sei überraschend schnell erfolgt, erzählen Involvierte. Federführend war der damalige Bayern­LB-Chef und Hypo-Aufsichtsratsboss Michael Kemmer, der vorab nur die beiden anderen Mitglieder des Personalausschusses im Aufsichtsrat – Grawe-Chef Ederer und Hans-Jörg Megymorez von der Kärntner Landesholding – informierte. „Jetzt empört sich die Kärntner Politik – aber die hätte das damals verhindern können“, heißt es im Finanzministerium.

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