Affären

Nach ORF-Beben: Druck auf den Chef des Stiftungsrats steigt

18.03.2026

Der Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer, gerät aufgrund seiner geschäftlichen Verflechtungen unter Druck. 

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© APA/GEORG HOCHMUTH
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Die Debatte um die Unabhängigkeit des höchsten ORF-Gremiums verschärft sich nach dem Rücktritt von ÖVP-Generaldirektor Roland Weißmann. Im Zentrum steht die Frage, ob die Tätigkeit als oberster Kontrolleur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit gleichzeitigen PR-Mandaten für Geschäftspartner des Senders vereinbar ist. So wurde bekannt. dass Lederers PR-Agentur die Rhomberg-Gruppe beriet – jene Baugesellschaft, die das historische ORF-Funkhaus in der Wiener Argentinierstraße erwarb, während Lederer bereits im Aufsichtsgremium des Senders saß. Ein  Bericht des profil sorgt für entsprechenden Wirbel.

Lederer soll demnach zwischen Jänner und November 2022 ein Beratungsmandat für die Vorarlberger Rhomberg-Gruppe gehabt haben. Zu diesem Zeitpunkt war Lederer bereits Mitglied des Stiftungsrates, wenngleich noch nicht Vorsitzender. Besonders brisant: Rhomberg hatte 2016 weite Teile des ORF-Funkhauses gekauft. Auch nach dem Verkauf blieb die Beziehung zwischen dem ORF und dem Bauunternehmen eng und komplex, da sich Teile des Gebäudes weiterhin im Besitz des Senders befinden (etwa der Radioorchestersaal).

In der kritischen Phase der Projektentwicklung und des Auszugs der Ö1-Redaktion Ende 2022, die von medialen Diskussionen über die künftige Nutzung und Zufahrtsrechte geprägt war, fungierte Lederer als PR-Berater für den Käufer. Seine Aufgabe umfasste laut eigenen Angaben „Stakeholder-Kommunikation sowie Reputationsmanagement“ für jene Liegenschaftsteile, die unmittelbar an die verbliebenen ORF-Flächen grenzen.

Fehlende Transparenz im Gremium

Lederer bestätigte gegenüber profil das Mandat, sieht darin jedoch keinen Verstoß gegen Compliance-Richtlinien. Er habe den Stiftungsrat nicht über die Tätigkeit informiert, da dies „zu keiner Zeit erforderlich“ gewesen sei. Ein Einfluss auf geschäftliche Entscheidungen zwischen Rhomberg und dem ORF habe nicht bestanden.

Kritiker sehen darin jedoch eine klassische Unvereinbarkeit:

Doppelrolle: Als Stiftungsrat ist Lederer dem Wohl des ORF verpflichtet; als PR-Berater den Interessen eines privaten Immobilienentwicklers, der in direkter geschäftlicher und räumlicher Verbindung zum ORF steht.

Wirbel auch um VIP-Tickets

Zusätzlich sorgt Lederers Auftreten bei Großevents für interne Verstimmung. Sein Besuch im VIP-Bereich des Kitzbüheler Hahnenkammrennens auf Einladung aus einem ORF-Kontingent rechtfertigte er mit einer Auskunft der Compliance-Abteilung: Solche Einladungen seien unbedenklich, da er dort berufliche Gespräche führe. Während die ORF-Führung schweigt, wächst in den Redaktionen und im Stiftungsrat die Forderung nach einer klaren Trennung von Aufsichtsfunktion und privaten Geschäftsinteressen.