Maßnahmen gefordert
Extremer Anstieg: Immer mehr ältere Frauen sind arbeitslos
20.04.2026Die Seniorenvertreterinnen Ingrid Korosec (Seniorenbund) und Birgit Gerstorfer (Pensionistenverband) haben am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz Maßnahmen gefordert, um ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten.
Die Arbeitsmarktzahlen sind nämlich teilweise alarmierend. Etwa hat die Arbeitslosigkeit von älteren Frauen gegenüber 2024, dem Beginn der Angleichung des Pensionsantrittsalters, stark zugenommen.
Im März waren 4.670 Frauen im Alter von 60 Jahren arbeitslos. Das sind rund dreieinhalb Mal so viele wie zu Beginn des Jahres 2024. Bei den 61-jährigen Frauen waren es mit 1.900 sogar zehnmal so viele wie im Jänner 2024. Damit verdoppelte sich die Arbeitslosenquote bei den 60-jährigen Frauen auf 9,5 Prozent, bei den 61-jährigen kletterte sie von 1,6 auf 8,3 Prozent. "Die Situation der Frauen am Arbeitsmarkt über 50 ist nicht besser, sondern schlechter geworden", betonte Korosec.
Die Vorsitzende der Alterssicherungskommission, Christine Mayrhuber, ortete bei der Analyse des Arbeitsmarktes für die Phase des steigenden Pensionsalters "viel Licht, aber auch viel Schatten". Neben dem Schatten der steigenden Arbeitslosigkeit könne aber auch konstatiert werden, dass es eine "unglaubliche Zunahme" bei den beschäftigten Frauen im Alter von 60 und 61 Jahren gab. Im März waren 44.280 60-Jährige und 20.870 61-Jährige unselbstständig beschäftigt. "Frauen, die eine Beschäftigung haben, bleiben dabei und verlängern ihre aktive Erwerbstätigkeit", so Mayrhuber. Auch bei den selbstständig Erwerbstätigen zeige sich eine Aufwärtsentwicklung, wenn auch in geringerem Ausmaß. "Sorge" bereite aber jene Gruppe, die ihren Job verliert oder arbeitslos ist, denn diese finde nur schwer in den Arbeitsmarkt zurück.
Verweildauer in der Arbeitslosigkeit gestiegen
Zugenommen habe durch das steigende Pensionsalter der Frauen auch die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Tage zwischen Zu- und Abgang aus der Arbeitslosigkeit kletterte bei 60-jährigen Frauen im Jahr 2024 von durchschnittlich 150 auf nun 350 Tage. Bei den 61-Jährigen stieg sie auf 400 Tage. Insgesamt nähere sich die Arbeitslosenquote der 60- und 61-Jährigen der bereits hohen Quote der über 55-jährigen Männer an. Rund ein Fünftel aller Arbeitslosen ist in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen zu finden.
Korosec fordert daher "dringend" einen "Schulterschluss" zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern und dem Staat: "Alle drei tragen zum Erfolg bei, alle drei tragen Verantwortung." Bei den Unternehmen braucht es den "Willen und die Bereitschaft, ältere Arbeitnehmer so lange wie möglich in den Betrieben zu halten", forderte Korosec ein Umdenken: "Die Qualifikation ist wichtig und nicht das Alter." Sollte das nicht klappen, seien zusätzliche Maßnahmen nötig. Einen Hebel sieht sie etwa in der Arbeitslosenversicherung: "Die Unternehmen, die positiv agieren, sollten einen Bonus bekommen. Jene, die das nicht tun, einen Malus."
Über Malusmaßnahmen nachdenken will auch Gerstorfer: "Ja, da sind wir einer Meinung." Wie diese genau ausgestaltet werden könnten, müsse man sich dann überlegen, wenn es nicht von alleine funktioniert. Einen Beschluss des Seniorenrats gibt es dafür noch keinen, so Korosec. Zunächst wolle man sich anschauen, welche Maßnahmen die Bundesregierung noch auf den Weg bringt.
Arbeitnehmer in der Verantwortung
Auch Gerstorfer sieht zunächst die Arbeitgeber in der Verantwortung, arbeitsgerechte Arbeitsplätze zu schaffen. Aber sie appellierte auch an die älteren Arbeitnehmer, sich rechtzeitig und nicht erst unmittelbar vor dem Pensionsantritt zu informieren, "was denn da am Pensionskonto steht und welche Pension man denn zu erwarten hat". Denn nur so könne man sich über die Alternativen, etwa über die Teilpension, informieren. "Meine große Aufforderung und Bitte an alle ist, zehn bis 15 Jahre vor Pensionsantritt zu überlegen, wie man diese Zeit gestalten kann."
Wenn man erstmals aus dem Arbeitsmarkt herausfalle, sei der Einstieg "schwieriger". Gerstorfer befürwortet, dass von der Regierung Geld in die Hand genommen wird, um Arbeitnehmer 55 plus in den Arbeitsmarkt zu integrieren. "Wir werden jedenfalls an dem Thema dranbleiben", so Gerstorfer.