Rest in Kanzlerloge

Nur Außenministerin gönnt sich eigene Loge beim Opernball

09.02.2026

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) hat als einzige Regierungspolitikerin eine eigene Loge am Opernball. Sie empfängt Staatsgäste aus den Philippinnen und Albanien.

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© APA/HELMUT FOHRINGER
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Am Donnerstag steigt in der Staatsoper der größte Ball des Jahres. Die Politik fährt dabei ein Minimal-Programm.

Kostenlose Ehrenlogen erhalten generell nur der Bundespräsident und der Kanzler. Abgesehen von diesen beiden Logen müssen alle anderen Logen selbst finanziert werden. Die Preise für das „Staatsgewalze“ sind so gesalzen wie nie: Eine Rangloge kostet heuer unfassbare 26.000 Euro. Wer nur den Fuß in die Tür setzen will, brennt 410 Euro für die Eintrittskarte.  

Der Grund für die zwei kostenlosen Logen: Die Regierung bildet das "Ehrenpräsidium",  der Bundespräsident übernimmt den "Ehrenschutz" des Opernballs.

Während Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Gattin Doris Schmidauer die Staatsspitze repräsentieren, klafft in der Regierungsbank eine Lücke. Kanzler Christian Stocker (ÖVP) ist durch einen EU-Termin in Brüssel verhindert. Er wird aber vertreten.

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Antanzen wird Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ). Er bringt statt eines Staatsgastes seinen Freund Max Minichmayr mit. In der Regierungsloge starten neben Babler auch Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) in den Ball-Abend, sowie von ÖVP-Seite Staatssekretärin Elisabeth Zehetner sowie Staatssekretär Alexander Pröll. 

Viele Absagen

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) kommt nicht. Auch viele andere haben abgesagt. Denn abgesehen von Staats- und Regierungslogen müssen eigene Logen aus dem Budget bezahlt werden.

Eigene Loge

Als einzige Regierungspolitikerin hat Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) eine eigene Loge am Opernball. Sie hat Staatsgäste bei sich. So besucht die Außenministerin den heurigen Opernball mit ihrer albanischen Amtskollegin Elisa Spiropali und ihrer philippinischen Amtskollegin Maria Theresa Parreño Lazaro.  

"Beide Staaten sind wichtig in unserer Diplomatie", heißt es aus dem Außenministerium zu oe24. Die Philippinnen nehmen derzeit den Vorsitz in der ASEAN-Konferenz ein, einer wichtigen Vereinigung asiatischer Staaten. "In einer geopolitisch fragmentierten Welt sind verlässliche Partner in Europa wie im Indo-Pazifik von zentraler Bedeutung." Und Albanien gilt als EU-Beitrittskandidat.

Die Einladung der Außenministerinnen unterstreicht den aktiven, vernetzten und außenpolitischen Ansatz im Interesse Östereichs. 

"Wir setzen auf dem Opernball ein politisches Statement", heißt es vom Außenministerium. Denn: "Der Opernball ist nicht nur ein kulturelles Aushängeschild Österreichs, sondern auch ein Ort gezielter diplomatischer Beziehungspflege."

  • Albanien ist gemeinsam mit Montenegro Vorreiter im EU-Beitrittsprozes, der auch im direkten sicherheits- und wirtschaftspolitischen Interesse Österreichs ist.
  • Albanien hat in den vergangenen Jahren substanzielle Reformen umgesetzt. Österreich unterstützt diesen Kurs, weil Rechtsstaatlichkeit, Planbarkeit und eine funktionierende Verwaltung zentrale Voraussetzungen für Stabilität und Investitionen sind.
  • Österreich ist einer der größten Investoren im Westbalkan. Besonders im Finanz- und Energiebereich bestehen enge Kooperationen, gleichzeitig gibt es in Albanien noch erhebliches wirtschaftliches Potenzial.
  • Eine große albanische Diaspora in Österreich sowie 30 Jahre Bildungskooperation machen die Beziehungen besonders eng und nachhaltig.
  • Die Philippinen sind eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften im ASEAN-Raum und bieten attraktive Chancen für österreichische Unternehmen.
  • Die Philipinen sind 2026 ASEAN-Vorsitz und Gastgeber des 50-jährigen EU-ASEAN-Jubiläums.
  • Österreich setzt gezielt auf stärkere wirtschaftliche und politische Vernetzung im Indo-Pazifik, um Abhängigkeiten zu reduzieren und neue Märkte zu erschließen.
  • Die Philippinen sind ein zentraler Partner der österreichischen Fachkräfteoffensive, insbesondere im Pflege- und Gesundheitsbereich.
  • In einer strategisch sensiblen Region sind die Philippinen ein wichtiger Partner für regelbasierte internationale Zusammenarbeit, Seerecht, Krisen- und Katastrophenmanagement.

Kosten

Die Kosten werden erst nach dem Ball feststehen. Denn zur Rangloge von 26.000 Euro und den Eintrittskarten von 410 Euro pro Person kommt auch noch die Konsumation hinzu.

  • Opernball-Würstel (mit Handsemmel): 18 Euro
  • Gulaschsuppe: 18 Euro
  • Vegano Linseneintopf: 19 Euro
  • Glas Champagner: ca. 21 Euro bis 39 Euro (je nach Ausschank)
  • Glas Wein/Bier (Seiterl): ab ca. 13,50 Euro bis 15,50 Euro
  • Mineralwasser (klein): 9,90 Euro 

Auch die Politiker in der Regierungsloge, die den Kanzler heuer vertreten, müssen ihre "Konsumation" bezahlen. So heißt es heuer vielleicht Mineralwasser statt Champagner. 

Minister-Duo gab beim Opernball 64.316 Euro aus 

Einen Vergleich für die Opernball-Kosten bietet vielleicht der Besuch 2024 vom damaligen Arbeitsminister Martin Kocher und dem damaligen Außenminister Alexander Schallenberg. Sie gaben gemeinsam rund 65.000 Euro für einen Ballabend aus.

Kocher gab beim Opernball 2024 für seine Rangloge 24.500 Euro aus. Dazu kamen 2.750 Euro für Bewirtungskosten in der Loge und 3.080 Euro für die Karten, darunter seine kosovarische Amtskollegin Rozeta Hajdari. Insgesamt: 30.330 Euro. 

Schallenberg gab beim Opernball für seine Rangloge 24.500 Euro aus. Dazu kamen 4.386 Euro für Speis und Trank. Die 8 Karten zu je 385 Euro summierten sich auf 3.080 Euro. Zwei Ehrenkaften waren kostenlos. Die Hotelunterbringung belief sich auf 2.020 Euro. Insgesamt: 33.986 Euro.  

Der Opernball-Besuch von Finanzminister Magnus Brunner im Jahr 2023 kostete sogar 45.785 Euro. 

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