Bildungsminister

Weniger Latein im Lehrplan: Wiederkehr sieht "guten Kompromiss"

01.04.2026

Die Regierungseinigung auf die Lehrplanreform ab dem Schuljahr 2027/28 an den AHS-Oberstufen ist für Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) ein "guter Kompromiss". 

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© APA/HELMUT FOHRINGER
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Konkret werden zwei Wochenstunden für das neue Pflichtfach Medien und Demokratie reserviert, eine zusätzliche Stunde kommt für Informatik. Im Gegenzug fallen zwei Stunden Latein bzw. zweite lebende Fremdsprache und eine noch zu definierende weitere Stunde weg. Schulautonom sind auch andere Lösungen möglich.

Wiederkehrs Pläne wären noch weiter gegangen und hätten den Lateinunterricht noch stärker beschnitten. Es sei ihm dabei aber nicht um eine "Agenda" gegen ein Fach gegangen, sondern darum, Platz für die neuen Inhalte zu schaffen, so der Minister bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Schulautonome Lösungen möglich

Im Detail ist die Regelung komplex und kann sogar dazu führen, dass die Stundentafeln gleich bleiben. Im Schulalltag verwenden nämlich nur rund zehn Prozent der Schulen die vom Ministerium vorgegebenen Stundentafeln. Für sie fallen tatsächlich zwei Lateinstunden in der Oberstufe weg sowie eine weitere noch festzulegende Stunde - umgekehrt wird der Informatikunterricht um das Thema KI ergänzt und von zwei auf drei Wochenstunden ausgebaut. Außerdem gibt es für sie ein eigenes Fach Medien und Demokratie im Umfang von zwei Wochenstunden. Die Gesamtstundenanzahl bleibt gleich.

Für die überwiegende Mehrzahl sieht es etwas anders aus: Sie können Medien und Demokratie ebenfalls als Pflichtgegenstand einführen und dafür auch bei anderen Fächern statt Latein oder Sprachen kürzen - einzige Vorgabe: Sie dürfen nicht unter die für die Fächer vorgegebene Mindeststundenzahl fallen. Ebenfalls möglich ist, Medien und Demokratie mit anderen Gegenständen zu koppeln und integriert zu unterrichten. Die Schule muss dann aber nachweisen, dass die Inhalte des Fachs tatsächlich vermittelt werden. Laut AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins wäre es etwa möglich, ein eigenes Fach Deutsch und Medien zu schaffen und die Inhalte von Medien und Demokratie dort zu unterrichten. In diesem Fall könnten die Stundentafeln sogar gleich bleiben.

Änderungen auch abseits der Stundentafel

Abseits der Stundentafeln gibt es aber noch weitere Änderungen. So wird etwa das kompetenzorientierte Lernen weiter forciert - also der Fokus weg von der Wissensvermittlung hin zur konkreten Anwendung des Wissens. Außerdem werden die 13 lehrplanübergreifenden Themen von Gesundheitsförderung über Verkehrserziehung bis Umweltbildung auch in den einzelnen Lehrplänen selbst verankert werden, "damit sie auch gelebt werden", so Wiederkehr.

In Geografie und wirtschaftlicher Bildung wiederum werden Themen wie Finanzbildung stärker forciert. Gleichzeitig werden alle Lehrpläne adaptiert - aktuelle Themen sollen dazukommen, gleichzeitig andere aber auch wegfallen. Für die Geografie nannte Wiederkehr etwa die genauere Ausgestaltung von Klimadiagrammen oder naturräumlicher Gegebenheiten.

Für Zins ist das nunmehrige Vorgehen ebenfalls eine gute Lösung. Man habe gewusst, dass sich die Schülerinnen und Schüler die von Wiederkehr vorgeschlagenen neuen Inhalte wünschen und dass sie keine zusätzlichen Stunden haben wollten. Gleichzeitig wäre den Schulen selbst die Erhaltung ihrer autonomen Schwerpunkte wichtig gewesen und dass in der zweiten lebenden Fremdsprache die Erreichung des B1-Niveaus möglich sei.