Prüfbericht
Tote Patientin - Klinikum Wels hätte aufnehmen können
05.02.2026Expertenkommission präsentierte Prüfbericht - Fehlende Flexibilität im Klinikum Wels-Grieskirchen - Regionalstrukturplan wird "nicht gelebt"
Die Expertenkommission unter Vorsitz des ehemaligen oberösterreichischen Landesrechnungshofsdirektors, Friedrich Pammer, hat ihr Prüfergebnis zum Todesfall einer Patientin im Krankenhaus Rohrbach präsentiert. Wichtigste Erkenntnis: Das Klinikum Wels-Grieskirchen hätte die Patientin aufnehmen können, wegen fehlender "Flexibilität" im Intensivbereich kam es aber nicht dazu.
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Mitte Oktober war eine Frau mit einem Aorteneinriss ins Krankenhaus Rohrbach gekommen. Sie hätte in eine Spezialklinik überstellt werden müssen, aber nirgends fand sich die Kapazität, sie rasch genug zu behandeln. Die 54-Jährige starb.
Kommission sollte Schwachstellen eruieren
Landeshauptmannstellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP), die auch für Gesundheit zuständig ist, setzte im November eine Kommission mit sechs Expertinnen und Experten ein, um mögliche Schwachstellen im Notfallmanagement und in der Kommunikation zu finden.
Zuerst betonte Pammer, dass die Patientin aufgrund ihrer lebensbedrohlichen Erkrankung und dem raschen Fortschreiten prinzipiell keine Überlebenschance gehabt hätte und sprach von einem Schicksalsschlag. Die Analyse der Experten hat ergeben, dass es historisch gewachsen im Klinikum Wels-Grieskirchen zwei Intensivbereiche gibt. Ein Festhalten an einer strikten organisatorischen und personellen Trennung in Notfallsituationen sei "nicht sinnvoll".
Im Fall der Rohrbacher Patientin hätte es zwar einen OP-Saal mit Team gegeben, wegen mangelnder Kooperation der Intensivbetteneinheiten konnte jedoch kein freies Bett zur Verfügung gestellt werden, so die Bewertung der Kommission. Haberlander erteilte noch am Donnerstag dem Klinikum Wels-Grieskirchen den Auftrag zur Überarbeitung ihrer Standards im intensivmedizinischen Bereich.
Regionalstrukturplan regelt Versorgung
Zu dem Punkt Kommunikation der Häuser miteinander führte Pammer aus, dass im Regionalstrukturplan zwar die Zuständigkeiten der Häuser geklärt seien, das "wird in Oberösterreich aber nicht gelebt". Die Häuser in der Peripherie sind für die Basisversorgung zuständig, die Zentrumsspitäler für Akutversorgung. Im Fall Rohrbach hätte das Linzer Kepleruniklinikum (KUK), das keine Kapazitäten frei hatte, die Überführung in ein Zentrumsspital organisieren müssen, nachdem auch Wels-Grieskirchen abgewunken hatte.
Doch dies geschah nicht, vielmehr versuchte es Rohrbach weiter in mehreren anderen Häusern. Daher empfiehlt die Kommission, die "Ausarbeitung verbindlicher schriftlicher Standards zur Verbesserung einer standort- und trägerübergreifenden Versorgung". Das solle bis Ostern geschehen, so Haberlander. Außerdem müssen auch technische Lösungen für einen "sicheren Austausch von Befunden und Krankenakten" zwischen den Spitälern gefunden werden, so ein weiterer dringender Rat.
Was das Fehlen von Rettungshubschrauber-Einsätzen nachts in Oberösterreich angehe, sei eine Lösung in Arbeit. Am ÖAMTC-Stützpunkt Suben soll ein nachtflugtauglicher Hubschrauber stationiert werden.
Gesundheitsholding will konsequent umsetzen
Die oberösterreichische Gesundheitsholding, Träger der Landesspitäler und des KUK, hielt in einer ersten Stellungnahme fest: "Die bereits bestehende interne Arbeitsgruppe wird ihren ersten Vorschlag anhand der Ergebnisse des Ausschusses adaptieren und in Abstimmung mit der Abteilung Gesundheit des Landes OÖ oberösterreichweit ausrollen, die Aufarbeitung nun zügig weiterführen und die empfohlenen Maßnahmen konsequent umsetzen."
Die SPÖ kritisierte, dass in der Analyse "strukturell bedingtes Systemversagen, das mittlerweile im Wochenrhythmus sichtbar wird, wie etwa bei Laborfehlern im KUK oder fehlerhaftem Entlassungsmanagement in Steyr" aufgrund des eingeschränkten Auftrags. Umso froher zeigte sich der Dritte Landtagspräsident Peter Binder, dass seine Partei gemeinsam mit Grünen und NEOS eine Sonderprüfung der oberösterreichischen Spitäler beantragt hat.
Gesundheitsholding "reformbedürftig"
Der Bericht zeige deutlich auf, dass kommunikative, organisatorische und strukturelle Schwachstellen dringend behoben werden müssen, so die Grüne Gesundheitssprecherin Brigitte Huber-Reiter. "Es darf nicht mehr sein, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte in akuten Notfällen bei den Krankenhaus-Portieren anrufen müssen, um ein geeignetes Spital zu finden. Das ist ja eigentlich unfassbar." Es brauche eine zentrale Stelle, die in solchen Situationen koordiniert, forderte sie. Offen bleibt für sie die Frage: "Warum ist für Verbesserungen und Änderungen immer zuerst eine Tragödie nötig?".
Für Neos-Klubobmann Felix Eypeltauer birgt der Bericht der Expertenkommission keine neuen Überraschungen. "Dass diese Mängel trotz zahlreicher Warnsignale nicht angegangen wurden, ist Ausdruck massiver politischer Führungsschwäche." Der Bericht zeige zudem, "dass die Arbeitsweise und Steuerung der Oberösterreichischen Gesundheitsholding dringend reformbedürftig sind", sieht er Haberlander in der Pflicht.
Die MFG ist der Ansicht, es sei "nicht Aufgabe der Politik, medizinische Einzelfälle fachlich zu beurteilen oder zu interpretieren".
Ärztekammer sieht Schwächen im System
Oberösterreichs Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser entnimmt dem Bericht, dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte "medizinisch korrekt" gehandelt und die gesetzten Schritte am Klinikum Rohrbach korrekt gewesen seien. Allerdings zeige er auch Schwächen im System auf, aus denen die "richtigen Schlüsse" zu ziehen seien.
Reformgruppe auch im Bund
Auch Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) hatte nach dem Fall Rohrbach zwischen Bund und Ländern eine Reformgruppe "Notfallversorgung" eingerichtet. Ergebnisse wurden bisher noch nicht vorgestellt.