Prozess in Wien

Westenthalers Show vor Gericht

17.10.2014

Ex-BZÖ- & Ex-Bundesliga-Chef wegen Betrugsverdachts vor Gericht.



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Slapstick pur: Das war der Prozess-Auftakt im Fall Westenthaler. Der Ex-BZÖ-Obmann muss sich derzeit wegen schweren Betrugs verantworten. Doch statt seinem Anwalt das Wort zu überlassen, verwandelte Westenthaler das Wiener Straflandesgericht kurzer Hand in seine Bühne.

Mit einer mehr als einstündigen Powerpoint-Präsentation wollte er von seiner Unschuld überzeugen (s. Interview unten). Das Gericht zeigte sich bisweilen ungeduldig und wies den Showman zurecht: „Sie haben sich vor dem Gericht zu verantworten, nicht vor den Journalisten.“

Video: So erschien Westenthaler vor Gericht

Duell: Westenthaler gegen Schriftführerin
Es war aber nicht der Richter, den Westenthaler zu fürchten hatte. Die resolute Schriftführerin des Gerichts hatte weitaus weniger Verständnis für den Angeklagten und wies Westenthaler des öfteren scharf zurück. Mit einem „Aus!“ versuchte sie, seinen Redefluss zu unterbrechen: „ Sie reden ohne Punkt und Beistrich. Ich muss das hier aber mitschreiben.“ Sogar Westenthalers Verteidiger Thomas Kralik schritt einmal ein und bat ihn, sein Tempo zu reduzieren. Westenthaler konterte: „Thomas, das ist störend.“ Und setzte nach: „Jetzt muss ich schon meinen eigenen Anwalt zurecht weisen.“ Nach der Pause meldete sich die Schriftführerin erneut zu Wort: „ Ich habe eine Verfügung dabei, dass den Schriftführern ausreichend Pausen fürs Mitschreiben zu gewähren ist. Danke.“

Ironie
Zwar sitzt Westenthaler u.a. vor Gericht, weil ihm vorgeworfen wird, 300.000 Euro für ein Gutachten verrechnet zu haben, das höchstens 15.000 wert sein soll. Bei seiner skurrilen Verhandlung trat er aber den beeindruckenden Gegenbeweis an: Bei ihm bekommt man etwas für sein Geld geboten.

Spannend auch die Zeugenliste: Neben Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel ist u. a. auch Frank Stronach geladen. Das Urteil ist nach acht Verhandlungstagen am 4. Dezember geplant.

 

ÖSTERREICH-Interview

Frage: In der Verhandlung haben Sie die Vorwürfe gegen Sie in der ÖFB-Causa als absurd bezeichnet...
Peter Westenthaler: Das ergibt sich aus dem Ablauf der Ereignisse. Die Staatsanwaltschaft wirft mir einen Tatplan vor, doch das ist unlogisch. Ich sage doch nicht: Zahlt mir die Förderung bis Ende des Jahres aus, obwohl ich Schulden bis Mitte des Jahres zurück zahlen muss. Wenn das mein Tatplan war, dann müsste ich unzurechnungsfähig sein.

Frage: Mit der Zahlung der Lotterien über 300.000 Euro ans BZÖ haben Sie auch nichts zu tun gehabt?
Westenthaler: Ich war damals Spitzenkandidat des BZÖ und wer so etwas schon einmal gemacht hat, kann bestätigen: In so einer Position hat man keine Zeit, sich um Finanzen zu kümmern. Ich habe nie Rechnungen gesehen und auch diese nicht.

 

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