Wolfgang Fellner

Das sagt Österreich

12.01.2013

Warum Richter Gnadenlos mit Urteil recht hat

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© TZ ÖSTERREICH
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Das harte Urteil gegen Ernst Stras-ser fand gestern - quer durch alle Internet-Foren und Leser-E-Mails - fast nur Zustimmung. Die wie ein Wut-Schrei klingende Begründung des Richters Georg Olschak trifft den Nagel auf den Kopf: In unserem Korruptions-Sumpf war eine extreme Strafe überfällig - damit all die Politiker, Lobbyisten und Abkassierer endlich verstehen, dass diese Form der Politik ein Ende haben muss.

Seit der legendären Haftstrafe für Franz Olah ist die Korruption in diesem Land immer schlimmer geworden: Der AKH-Skandal nimmt sich gegen die Dimension der Eurofighter-Schmiergelder wie ein Lercherl aus. Die Politiker haben schamlos abkassiert: Zuerst nur für ihre Parteien, dann - vor allem seit der Ära Schüssel - immer schamloser fürs eigene Konto.

Die Justiz hat viele Jahre in der Aufklärung völlig versagt: In der Causa Eurofighter erzählt Graf Ali die entzückendsten G‘schichterln, im Fall Grasser wird die Schwiegermutter zur Fata Morgana. Und jede Aufklärung versagt.

Natürlich hat das Argument, dass der grauenvolle Vergewaltiger von Salzburg für seine Tat nur 6 Monate unbedingte Haft und sogar eine Fußfessel erhalten hat, etwas für sich. Nur, Hand aufs Herz: Die Strafen für Vergewaltiger in diesem Land gehören unabhängig vom Fall Stras-ser kräftig in die Höhe geschnalzt. Auch so manchem Vergewaltiger täte ein Richter Olschak gut …

In Wahrheit freilich haben Politiker wie Ernst Strasser ein ganzes Land vergewaltigt. Sie haben das Vertrauen in die Demokratie kaputt gemacht. Und sie haben die Republik käuflich gemacht - das kann nicht hoch genug bestraft werden.

Das Häfen-Urteil gegen Strasser ist deshalb wirklich präventiv. Es setzt brutale Standards für die Fälle Buwog, Eurofighter, Telekom.

Jetzt muss der ganze Sumpf aufgeräumt werden - nach den neuen Maßstäben des Richters Gnadenlos...

Meinung an: wolfgangfellner@oe24.at

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