Jetzt doch

Blatter denkt über Torkamera nach

29.06.2010

Der FIFA-Boss lenkt nach der harten Kritik an den Referees endlich ein.

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Nach mehreren krassen Schiedsrichter-Fehlentscheidungen während der 19. WM-Endrunde in Südafrika und der daraus weltweit einsetzenden berechtigten Kritik an der FIFA hat FIFA-Präsident Joseph S. Blatter mit Verspätung nun die Einführung von technischen Hilfsmitteln im Fußball nicht mehr ausgeschlossen. "Es wäre unsinnig, sich darüber keine Gedanken zu machen. Wir müssen dieses Thema wieder diskutieren", sagte der Schweizer am Dienstag in Johannesburg.

Früheres Treffen
Bisher hatte die FIFA die Einführung eines Chip-Balles oder Video-Beweises stets strikt abgelehnt. Für die WM schloss Blatter eine Regeländerung aus. "Wir können nicht für zehn Spiele etwas ändern", sagte der Schweizer. Das IFAB-Gremium, das als Regel-Hüter des Fußballs fungiert, wäre erst im März 2011 zu seinem nächsten planmäßigen Treffen zusammen gekommen, um über Finanzfragen zu reden. Nach den WM-Vorfällen in Südafrika werden die Regelhüter des Fußballs nun aber schon am 21./22. Juli in Cardiff tagen und über die Einführung möglicher technischer Hilfen für Referees zu diskutieren.

Torkamera
"Das ist ein großes Thema. Die Zukunft des internationalen Fußball ist mit der Kontrolle des Spiels verbunden", erklärte FIFA-Chef Blatter am Dienstag einer Pressekonferenz in Johannesburg, der darauf hinwies, dass in Wales ausschließlich über Torlinien-Technologie gesprochen werde. "Den Video-Beweis wie im Eishockey wird es nicht geben, dafür gibt es im Fußball zu wenige Unterbrechungen", unterstrich der Schweizer.

Fehler der Schiedsrichter könne man auch mit 100 Kameras nicht verhindern, lautet sein Argument. "Das waren keine Fünf-Sterne-Spiele der Schiedsrichter", bemerkte er zum Uruguayer Jorge Larrionda (Deutschland - England 4:1) und zum Italiener Roberto Rosetti. Bis zum Endspiel am 11. Juli betet Blatter geradezu, dass es zu keinen weiteren Aussetzern unter seinen Referees kommt, die seine ansonsten erstaunlich gut laufende Afrika-Premieren-WM überschattet.

Referee-Bereich auf dem Prüfstand
Bis zum Herbst will er den ganzen Bereich der Referees auf den Prüfstand stellen. "Im Oktober, November werden wir ein neues Modell hervorbringen, mit dem das Spitzen-Schiedsrichter-Wesen verbessert wird", sagte er, der sich nach den Fehlpfiffen in Südafrika sichtlich um seine WM und seinen Sport besorgt zeigte.

Fehlentscheidungen
Im Achtelfinale zwischen Deutschland und England (4:1) hatte Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay ein klares Tor von Frank Lampard nicht gegeben, obwohl der Ball rund 40 Zentimeter hinter der Linie aufgesprungen war. In der Partie Argentinien gegen Mexiko (3:1) übersahen der italienische Schiedsrichter Roberto Rosetti und dessen Assistent an der Linie vor dem 1:0 der "Gauchos" eine klare Abseitsstellung des Torschützen Carlos Tevez.

Blatter erklärte, er habe sich bei den betroffenen Teams aus England und Mexiko für die schlechten Schiedsrichter-Leistungen entschuldigt. "Ich habe ihnen gesagt: Es tut mir leid, was geschehen ist", erklärte der FIFA-Boss.

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