Rückblick
Das Länderspieljahr 2006
16.11.2006
Zum Glück ging es heuer nicht um Punkte: Unter diesem Motto kann man das letztlich versöhnlich endende Länderspieljahr 2006 sehen.
Die zweite Ära von Josef Hickersberger als ÖFB-Teamchef mit Blickrichtung EM-Endrunde 2008 hätte im ersten von zwei Testjahren nicht viel enttäuschender beginnen können. Von den ersten fünf Länderspielen gingen bei einem Remis gleich vier verloren. Gegen Gegner, die - sieht man von Kroatien ab - international recht bescheidene Rollen spielen. Und das bei dreimal Heimvorteil und zwei Partien auf neutralem Boden. Bis zum ersten Sieg mussten die Fans bis Oktober warten. Dann glückte sogar noch ein Sieg-Hattrick.
Schwach gegen Kanada
Das Auftaktmatch am 1. März gegen die im Fußballsport bisher recht zurückhaltend aufgetretenen Kanadier endete im Wiener Happel-Stadion nach einer äußerst matten Darbietung durch einen Doppelschlag von Brennan nach der Pause mit einer 0:2-Schlappe. "Noch nicht so recht aus der Winterpause aufgewacht", hieß da und dort die Begründung für die Null-Leistung von Ivanschitz, Scharner, Aufhauser und Co.
Nächster Tiefpunkt gegen Kroatien
Nach dem klaren 1:4 ebenfalls im Prater gegen die Kroaten (Bremen-Profi Klasnic legte vor der Pause den Grundstein zum schließlich klaren Erfolg) wurde vor allem die Klasse der Kranjcar-Elf, die übrigens bei der WM-Endrunde schon in der Gruppenphase sieglos auf der Strecke blieb, betont. Das kuriose Corner-Tor von Andreas Ivanschitz bestätigte eigentlich nur, dass Österreichs so genannte Elite-Fußballer in dieser Phase im Eck waren.
Ungarn und Scharner narren ÖFB-Elf
Vielen hat es dann allerdings, zumindest vorübergehend, die Sprache verschlagen, als die seit Jahren bestenfalls mittelmäßigen Ungarn die Gastgeber am 16. August in Graz 2:1 schlugen und sich dabei vor allem spielerisch klar überlegen zeigten. Gesprochen hat allerdings Paul Scharner, der seinen Rücktritt vom Team erklärte, wobei er die Strukturen im ÖFB, allerdings nicht seine schwache Leistung gegen die Magyaren kritisierte.
Geisterleistung bei Geisterturnier
Auf zum Turnier in die Schweiz hieß es Anfang September. Das 2:2 zum Auftakt gegen den WM-Teilnehmer Costa Rica vor der erschütternden Zuschauerkulisse von rund 300 Personen in Genf (Roland Linz glich zwei Mal die Führung der Lateinamerikaner, die durch Saboria einen Doppelpack schafften, aus) ließ manche einen Silberstreif am Optimismus-Horizont erkennen. Dieser war allerdings nach der 0:1-Pleite gegen Venezuela vier Tage später in Basel (immerhin vor 1.453 Fans) auch schon wieder verschwunden. Verloren hat Hickersberger anschließend mit Emanuel Pogatetz auch seinen zweiten England-Legionär, der sich durch öffentliche Kritik, u.a. am Teamchef selbst, ins Abseits manövrierte.
Partie gegen Liechtenstein gedreht
Als nächster Gegner wartete am 6. Oktober in Vaduz Liechtenstein. Der Fußballzwerg setzte dem trotz allem favorisierten, aber nach dem Fehlstart unter Erfolgsdruck gestandenen Nachbarn gewaltig zu. Der Außenseiter führte sogar durch Frick 1:0, ehe im Finish die kurz vorher eingewechselten Garics und Prager mit ihren Toren die drohende Blamage abwendeten und der ÖFB-Elf zum ersten Sieg 2006 verhalfen.
Tadellose Leistung gegen die Schweiz
Fünf Tage später durfte dann in Innsbruck nicht nur ein 2:1-Erfolg gegen die Schweiz bejubelt, sondern auch die erste wirklich tadellose Vorstellung der Hickersberger-Elf in diesem Jahr (zumindest in der ersten Hälfte mit den Toren von Linz und Kuljic) gewürdigt werden. Der EM-2008-Mitveranstalter war schließlich vorher elf Spiele (einschließlich WM/ohne Elferschießen) ungeschlagen gewesen und hatte 684 Minuten kein Tor kassiert.
Hattrick gegen Trinidad & Tobago
Der Sieg-Hattrick wurde dann gegen Trinidad und Tobago, ebenfalls ein WM-Teilnehmer 2006 in Deutschland, perfekt gemacht. Mit 4:1 gelang den Österreichern ein versöhnlicher Jahresabschluss und sie ließen in der ersten Hälfte auch die in den ersten 45 Minuten gegen die Eidgenossen gezeigte Leistung aufblitzen. Held des Abends war der Salzburger Rene Aufhauser, der in der ersten Hälfte seine Teamtore Nummer sechs bis acht erzielte. Allerdings machten es die Insel-Kicker Aufhauser und Co nicht allzu schwer.