Schwere Vorwürfe

"War nur eine Nummer" - Ex-ÖFB-Star spricht über mentale Probleme

08.05.2026

Robert Almer hat offen wie selten zuvor über die wohl schwierigste Phase seiner Karriere gesprochen.  

Zur Vollversion des Artikels
© Getty
Zur Vollversion des Artikels

Im „MindgamesPodcast“ schilderte der ehemalige ÖFB-Teamtorhüter die psychischen Probleme, mit denen er nach einer Verletzung im Jahr 2012 zu kämpfen hatte – und übte dabei deutliche Kritik am Umgang seines damaligen Vereins Fortuna Düsseldorf
 mit dem Thema mentale Gesundheit.

Damals hatte sich Almer nach seinem Wechsel von der Wiener Austria in Düsseldorf als Stammtorhüter etabliert und stand kurz davor, sich den Traum von der deutschen Bundesliga zu erfüllen. Fortuna erreichte die Relegation gegen Hertha BSC, doch unmittelbar davor zog sich der Österreicher eine Muskelverletzung zu.

„Du bist kurz davor, dir einen Traum zu verwirklichen und die Relegationsspiele für den Aufstieg in eine Top-4-Liga zu bestreiten. Dann habe ich mir eine Muskelverletzung zugezogen und bin mental in ein richtiges Loch gefallen“, erzählt Almer rückblickend.

Keine Unterstützung

Während seine Mannschaft den Aufstieg feierte, begann für den Torhüter eine psychisch extrem belastende Zeit. „Ich war in psychiatrischer Behandlung und habe Medikamente genommen, weil ich nicht mehr schlafen konnte und mit der Situation überhaupt nicht zurechtkam. Ich will nicht sagen, dass ich depressiv war, aber ich hatte sicher eine Art Burnout.“ Zusätzlich sei auch privat großer Druck hinzugekommen: „Meine Frau war hochschwanger, das kam auch noch dazu.“

Besonders bitter für Almer: Unterstützung vom Verein habe es kaum gegeben. Nur wenige Jahre nach dem Tod von Robert Enke, dessen Suizid 2009 die Debatte über psychische Erkrankungen im Fußball geprägt hatte, fühlte sich Almer mit seinen Problemen allein gelassen.

„Ich habe mit dem Verein Kontakt aufgenommen und das Erste, was der damalige Trainer zu mir sagte, war: ‘Geht das jetzt oder brauchen wir einen neuen Torwart?’ Da habe ich mir wirklich gedacht: Du Trottel, warum redest du mit ihnen über dieses Thema?“

Auch mit Trainer Norbert Meier ging der ehemalige ÖFB-Keeper hart ins Gericht. „Am Ende der Vorbereitung sagte er zu mir: ‘Wenn du in der Relegation gespielt hättest, wärst du meine Nummer 1.’ Da wurde mir klar, warum ich nicht mehr spiele. Ich glaube, dass diese psychische Thematik im Profi-Fußball niemanden interessiert.“

Almer wechselte später zu Energie Cottbus
. Mit seinen offenen Worten setzt er nun ein Zeichen dafür, wie wichtig der Umgang mit mentaler Gesundheit im Profisport geworden ist – und wie groß der Nachholbedarf in vielen Vereinen offenbar noch immer ist.