Ping-Pong-Duell
"Hin-und-her-Schießen" - Herzog rechnet nach Bundesliga-Schlager ab
21.03.2026Sky-Experte Herzog kritisierte die beiden Titelkandidaten nach dem wilden 1:1 für ihren spielerischen Zugang
Es passt zum Schneckenrennen dieser Bundesliga-Saison: Sturm Graz und Salzburg trennten sich im Liga-Schlager 1:1 (1:1). Die Steirer liegen damit weiter vier Punkte vor dem finanziellen Ligakrösus, verpassten es aber, sich mit einem Heimsieg vom Dauerrivalen abzusetzen. Salzburg bleibt im Meisterrennen und strich nach dem Ende der Torflaute die Mentalität hervor. Nach dem Schlagabtausch ohne spielerischen Glanz mussten sich beide Trainer vor laufender Kamera rechtfertigen.
Vor allem Sky-Experte Andreas Herzog war vom Kick wenig angetan. "Wir reden von Fußballspiel, nicht von Hin-und-her-Schießen", kritisierte der langjährige Rekord-Teamspieler. Lediglich 54 Prozent aller Grazer Pässe und 58 der Salzburger kamen beim Mitspieler an. Im Zweifel regierte stets der hohe Ball. "Wenn wir im österreichischen Fußball international wieder Anerkennung haben wollen, dann müssen diese Schlagerspiele nicht nur intensiv sein, sondern auch wieder ein bisschen mehr spielerische Qualität haben", meinte Herzog.
Stress, Druck, Power, Intensität
Sowohl Sturm-Trainer Fabio Ingolitsch als auch Salzburgs Daniel Beichler - in der Vergangenheit vereint im Trainerteam des RB-Zweitteam FC Liefering werkelnd - zeigten für die Kritik Verständnis. "Es war kein so attraktives Spiel, von außen auch kein wunderschönes Spiel. Es war ein wildes Hin und Her, ein Pingpong-Spiel", meinte Ingolitsch. Beichler pflichtete bei, freute sich aber, dass seine Mannschaft, die zuvor drei Pflichtspiele en suite verloren hatte, den erwarteten Fight angenommen hatte. "Wenn wir in puncto Leidenschaft und Einstellung so weitermachen, dann werden wir auch unsere Punkte machen", sagte Beichler.
Mehr spielerische Lösungen zu finden, sei schon auch das Ziel, bekräftigte Ingolitsch. "Faktisch ist die Umsetzung sehr schwer, weil du permanent Druck und Stress hast. Durch diese fehlende Kontrolle hast du keine Ruhe am Ball. Es ist nicht einfach gegen Salzburg mit der Power und der Intensität." Beichler: "Es ist megaschwierig, dann die Ruhe zu haben, sauber aus diesen Drucksituationen rauszukommen. Fakt ist aber auch, dass unser Fokus heute auf Duellqualität, zweiten Bällen, Standardsituationen gelegen hat. Da haben die Jungs in puncto Härte und Einstellung eine Benchmark gesetzt."
Schlager: "Müssen nicht wie der FC Barcelona spielen"
Für den Meister der vergangenen beiden Saison ist tabellarisch letztlich nicht allzu viel passiert. Salzburg wiederum war froh, die Titel-Rückeroberung nicht in weiter Ferne sehen zu müssen. Spielerischer Leckerbissen hin oder her. "Wir kommen aus einer Phase, wo wir nicht wie der FC Barcelona spielen müssen, da zählen andere Tugenden", sagte Alexander Schlager nicht unzufrieden. Man habe einen Weg gefunden, um zu punkten. "Da gibt es heute ein Kompliment an die ganze Mannschaft", sagte der ÖFB-Teamgoalie.
Nach dem Abnützungskampf schnauften beide Teams durch. "Es war vielleicht nicht schön anzusehen, aber für uns am Platz war es richtig intensiv", sagte etwa Sturms Anführer Jon Gorenc Stankovic. Der Slowene trat dieses Mal auch als Torschütze zum 1:1 (45.+1) in Erscheinung. Yorbe Vertessen (32.) hatte Salzburg zuvor verdient in Front geschossen. "Salzburg war in der ersten Hälfte schon gefährlicher und dominanter im letzten Drittel, da ist uns der letzte Punch abgegangen", meinte Ingolitsch. Angesichts einer dann ausgeglichenen zweiten Hälfte mit insgesamt wenigen Chancen sagte Ingolitsch: "Ich kann und muss mit dem Punkt leben."
Länderspiel-"Pause"
Danach schwärmten die zahlreichen Teamspieler zu ihren Nationalteams aus. Kerim Alajbegovic rückt ausgeruht ins bosnische Nationalteam ein. Beichler verzichtete auf die Dienste des Kreativspielers am Freitag überraschend freiwillig. Alajbegovics Qualitäten hätten nicht zum Charakter des Spiels gepasst, begründete er seine Entscheidung. Sturm-Verteidiger Jeyland Mitchell indes will trotz verletzungsbedingter Auswechslung zum Nationalteam Costa Ricas stoßen. Anfang April kehren dann zwölf Salzburger und elf Grazer Teamspieler für das enge Titelrennen zu ihren Vereinen zurück. Sturm gastiert in Wien bei Rapid, Salzburg in Hartberg. "Es sind viele Fifty-Fifty-Spiele in der Liga, wo jeder jeden schlagen kann und Kleinigkeiten entscheiden werden", prophezeite Sturms Emanuel Aiwu.