Land feiert
Ganz Uruguay im Freudentaumel
23.06.2010
Die Südamerikaner stehen erstmals seit 20 Jahren im Achtelfinale. Mexiko gibt sich vor dem Duell gegen Argentinien selbstbewusst.
Sieben Punkte, kein Gegentor. Der zweifache Fußball-Weltmeister Uruguay ist in WM-Gruppe A in überzeugender Manier ins Achtelfinale marschiert - sein erstes seit 20 Jahren. In der ersten K.o-Runde wartet als Belohnung für den Gruppensieg mit Südkorea ebenfalls ein schlagbarer Gegner. Mexiko bekommt es nach dem 0:1 gegen die "Urus" dagegen wie schon vor vier Jahren in Deutschland mit Topfavorit Argentinien zu tun.
Mit Diego Forlan und Luis Suarez verfügt Uruguay zwar über eines der profiliertesten Sturmduos überhaupt. Den Unterschied haben bisher aber die kompakten Defensivreihen ausgemacht. "Wir kontrollieren die Spiele sehr gut. Hauptsächlich, weil unsere Abwehr beeindruckend in Form ist", erklärte Suarez, der das Gruppenfinale gegen Mexiko per Kopf entschieden hatte. 35 Ligatore hatte der 23-Jährige in der abgelaufenen Saison für Ajax Amsterdam erzielt.
"Gegner werden es schwer gegen uns haben"
Der souveräne
Aufstieg hatte in der Heimat spontane Freudenfeiern ausgelöst. Dabei hatten
sich die Uruguayer im Herbst erst als allerletztes der 32 Teams im Play-off
gegen Costa Rica für die WM qualifiziert. "Die WM, das ist eine ganz eigene
Sache. Es ist eine andere Motivation als die Qualifikation", erinnerte
Teamchef Oscar Tabarez. Der 63-Jährige hatte die "Celeste" schon 1990 in
Italien in ihr bis dato letztes WM-Achtelfinale geführt.
Damals waren die "Urus" in der Runde der letzten 16 mit 0:2 an Gastgeber Italien gescheitert, vier Jahre davor mit 0:1 an Argentinien. Dem großen Nachbarn ging der Weltmeister von 1930 und 1950 durch den Sieg gegen Mexiko diesmal aus dem Weg. "Wir haben bei dieser WM aber gezeigt, dass es für jeden Gegner schwierig ist, gegen Uruguay zu spielen", betonte Tabarez. "Wir haben noch nichts geschafft, aber wir haben noch einiges vor uns."
Mexiko "fehlte Entschlossenheit"
Uruguay reihte sich
damit auch nahtlos in die Dominanz südamerikanischer Teams bei dieser
Endrunde ein. In zwölf Spielen sind Brasilien, Argentinien, Uruguay,
Paraguay und Chile weiterhin ungeschlagen. Bei zehn Siegen gab es lediglich
zwei Remis. "Für alle fünf Teams ist die WM eine Freude. In der langen
Qualifikation ist das nicht immer der Fall", sagte Tabarez, dessen Kapitän
Diego Lugano einmal mehr bravourös die Abwehr organisierte.
Ganze zweimal hatten die Mexikaner die Chance gehabt, die Torsperre von Lazio-Keeper Fernando Muslera zu durchbrechen: Ein 30-Meter-Schuss von Andres Guardado war an die Unterkante der Latte geknallt, ein Kopfball von Innenverteidiger Francisco Rodriguez ging knapp neben das Tor. "Uns hat die Entschlossenheit gefehlt", gestand Mexikos Teamchef Javier Aguirre. "Es ist mir fast so vorgekommen, als wollten wir dieses Spiel nicht gewinnen."
Revanche für 2006
Nur dank der besseren Tordifferenz
gegenüber Gastgeber Südafrika rettete sich "El Tri" ins fünfte
WM-Achtelfinale in Folge. Dort wartet mit Argentinien ein anderes Kaliber -
und die Chance auf die Revanche für 2006. Damals waren die Mexikaner in der
Verlängerung nach einem sehenswerten Tor von Maxi Rodriguez an den "Gauchos"
gescheitert (1:2). "Wir werden vorbereitet sein", versprach Aguirre. "Es ist
gut möglich, dass uns die Revanche gelingt."
Eine Leistungssteigerung wird aber vonnöten sein, um Messi und Co. Paroli erneut bieten zu können. "Wir müssen besser werden, was immer auch passiert", meinte Rafael Marquez, der von Aguirre zumeist vor der Abwehr aufgeboten wird. Die Kapitänsrolle hat der Barca-Star zuletzt aber an Altmeister Cuauthemoc Blanco abgegeben. "Es liegt nur an uns", betonte Marquez. "Wenn wir spielen wie gegen Frankreich (2:0), haben wir gegen jeden Gegner eine Chance."