Champions League

Alaba mittendrin: Rassismus-Skandal bei Real-Hit

17.02.2026

Revanche, Traumtor – und plötzlich Ausnahmezustand! Real Madrid gastierte bei Benfica, doch nach einem Zauber-Moment von Vinícius Júnior kippte die Partie völlig. Becher flogen, der Schiri zeigte die X-Geste – und David Alaba war mittendrin. 

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Real Madrid war mit Wut im Bauch zum Play-off-Hinspiel der Champions League bei Benfica Lissabon gereist. Zu frisch war noch die Erinnerung an das späte 2:4 im Ligaphasen-Finale, das die Königlichen aus den Top Acht katapultiert hatte. Diesmal sollte die Antwort auf dem Platz kommen. Und sie kam – zumindest zunächst.

Nach einer intensiven Anfangsphase war es einmal mehr Vinícius Júnior, der den Unterschied machte. In der 50. Minute ließ er im linken Strafraumeck Amar Dedić stehen und zirkelte den Ball mit feiner Technik ins rechte Lattenkreuz – ein Traumtor, Marke Weltklasse. Das Tänzchen an der Eckfahne folgte prompt, die Gelbe Karte. Doch was wie eine typische Vinícius-Showeinlage wirkte, sollte nur der Auftakt zu einem völlig entgleisenden Abend sein.

Vinicius soll als Affe beschimpft worden sein

Denn plötzlich kippte die Stimmung. Erst hitzige Wortgefechte, dann gellende Pfiffe – und schließlich der Vorwurf, der alles überschattete. Im Zentrum der Eskalation: ein verbaler Schlagabtausch zwischen Vinícius und Gianluca Prestianni. Mehreren Medienberichten und Real-Spielern zufolge soll das Wort „mono“ gefallen sein – ein spanischer Ausdruck für „Affe“. Prestianni, der sich während der Diskussion das Trikot über Mund und Nase gezogen hatte, wies die Anschuldigung später entschieden zurück und erklärte, Vinícius habe ihn missverstanden.

Doch in diesem Moment ging es nicht mehr um Interpretationen, sondern um Emotionen. Vinícius stürmte gestikulierend auf Schiedsrichter François Letexier zu – und der reagierte sofort. Mit der deutlich gekreuzten X-Geste leitete er das offizielle UEFA-Protokoll bei rassistischen Vorfällen ein. Spielunterbrechung. Becher flogen von den Rängen, bei jeder Ballberührung brandeten Pfiffe auf, nahe der Eckfahne landeten Gegenstände auf dem Rasen.

Vinicius: »Feigling«

Auf dem Platz bildete sich eine Rudelbildung, mittendrin David Alaba, der von der Bank aufsprang und eingriff. Auch Benficas Trainer José Mourinho versuchte zu schlichten – und verlor dabei selbst die Nerven. Nachdem er vehement einen Platzverweis gegen Vinícius gefordert hatte, sah der Portugiese in der Schlussphase die Gelb-Rote Karte.

Die Nachwehen folgten in den sozialen Medien. Vinícius schrieb von „Feiglingen“, die sich hinter einem Trikot versteckten, um ihre Schwäche zu demonstrieren. Prestianni konterte mit einer Stellungnahme, in der er jede rassistische Äußerung bestritt. Auch Kylian Mbappé schaltete sich ein und sprach von einem „schwerwiegenden Vorfall“, der Konsequenzen haben müsse.

Auch Mourinho steht in der Kritik

José Mourinho gab sich zunächst betont neutral. Er glaube „weder dem einen noch dem anderen“, erklärte er mit Blick auf die unterschiedlichen Schilderungen. Im weiteren Verlauf schlug der Portugiese jedoch kritischere Töne gegenüber Vinícius Júnior an. Dessen provokanten Jubel sah er als mitauslösenden Faktor für die aufgeheizte Stimmung und nahm Benfica zugleich gegen den Rassismus-Verdacht in Schutz. Dabei erinnerte Mourinho an Klub-Ikone Eusébio und betonte: „Der größte Mensch in der Geschichte dieses Klubs war schwarz.“

Mourinho deutete nach der Partie sogar eine Mitschuld des Brasilianers an den mutmaßlich rassistischen Beleidigungen an – eine Aussage, die die ohnehin brisante Debatte weiter anheizte. Als der Ball schließlich wieder rollte, wirkte alles wie nach einem Gewitter: elektrisch, aber erschöpft. Real brachte das 1:0 über die Zeit und sicherte sich eine gute Ausgangsposition für das Heimrückspiel. Doch so sehr der Sieg sportlich nach Revanche schmeckte – die Schlagzeilen gehörten nicht dem Traumtor, nicht der Taktik, nicht einmal dem Ergebnis. Sie gehörten einem möglichen Rassismus-Eklat. Und einmal mehr stand Vinícius Júnior im Auge des Sturms.