Ultimatum

Melzer kündigt Karriereende an

16.10.2014

"Wenn ich nicht Top 100 bin, spiele ich 2016 nicht mehr", so Melzer.

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© APA/ Hochmuth
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Für einen letzten Anlauf lohnt es sich noch. Jürgen Melzer möchte es noch einmal wissen und dafür arbeiten, um spätestens in einem guten halben Jahr im Einzel in die Top 50 der Tennis-Weltrangliste zurückzukehren. Die Woche des Wiener Erste Bank Open war der Auftakt zu einem halben Jahr, in dem Österreichs derzeitige Nummer drei keine Punkte zu verteidigen hat. Daher kann es nur noch oben gehen.

Top 50
"Bis Paris in den Top 50 zu sein, wäre sehr, sehr schön", konkretisierte Melzer am Mittwoch nach dem Wiener Achtelfinal-Out gegen den Kroaten Ivo Karlovic die French Open im Mai als Stichtag dafür. Dafür gilt es, bis dahin gut 400 Zähler zu sammeln und damit sein jetziges Punktekonto knapp zu verdoppeln. Um den Weg dorthin realistischer zu gestalten, wird Melzer dem Einzel absolute Priorität geben. "Ich habe das Gefühl, dass ich noch das Niveau dafür habe."

Die beiden Siege nach der langen Niederlagenserie in Tokio gegen den Franzosen Edouard Roger-Vasselin und nun in Wien gegen den Slowaken Norbert Gombos haben dem zumindest nicht entgegen gesprochen. Rechtfertigen muss er sich für seine Entscheidung aber ohnehin nicht. "Ich muss niemand mehr etwas beweisen." Nachdem der 33-Jährige noch vor kurzem mit einem Umschwenken ganz auf das Doppel spekuliert hatte, kam das Umdenken recht plötzlich.

Einzel wichtiger
"Ich habe mich auf einer langen Autofahrt von Wien nach Prag dafür entschieden, noch einmal auf das Einzel zu gehen", verriet der Niederösterreicher. Dem waren Gespräche mit ihm vertrauten Personen vorausgegangen. Dass sein früherer Standard-Doppelpartner Philipp Petzschner nach längerer Verletzungspause im Einzel derzeit nur Ranking-421. ist und daher Doppel-Tickets für den Deutschen und Melzer kaum zu ergattern sind, spielte auch mit.

"Wir werden aber sicher ein paar Turniere nächstes Jahr miteinander spielen, auch mit der einen oder anderen Wildcard", will Melzer auf Matches an der Seite Petzschners nicht ganz verzichten. Er habe auch Angebote anderer Spieler für eine Doppel-Saison 2015 gehabt. Dass es mit Petzschner aber noch immer am besten geht, bewiesen sie am Mittwochabend mit einem Zweisatzsieg gegen den Wiener Alexander Peya und den Brasilianerr Bruno Soares (1).

Für das Einzel setzte sich Melzer ein Ultimatum: "Wenn ich Ende 2015 nicht Top 100 bin, spiele ich 2016 nicht mehr." Eine Hintertüre lässt er sich mit Olympia in Rio aber offen. "Das ist mein erklärtes Ziel, Doppel möchte ich dort auf alle Fälle spielen. Sollte sein bevorzugter Partner Alexander Peya beim Quali-Termin nicht in den Top Ten stehen, braucht er dafür ein entsprechendes Einzel-Ranking. "Das ist auch ein Grund, warum ich noch einmal voll auf das Einzel gehe."

Next Stop: Valencia
Das Sammeln von Einzel-Punkten soll für Melzer nächste Woche in Valencia weitergehen. Da er vor einem Jahr zu Beginn seiner halbjährigen Pause wegen einer Schulterverletzung in den Top 30 gestanden war, benötigt er gemäß ATP-Reglement für dieses 500er-Turnier kein "protected ranking" für einen Hauptfeldplatz. Danach geht es zum 1000er nach Paris und zu einem Challenger in Bratislava.

Einen Challenger danach in Helsinki hält sich Melzer in der Hinterhand. Dafür würde sprechen, sollte nicht mehr viel auf einen Fixplatz für die Australian Open im Jänner in Melbourne fehlen. "Aber ich will nicht meine Vorbereitung riskieren", wird der ehemalige Weltranglisten-Achte seinen Fokus wohl eher auf einen vernünftigen Saison-Aufbau legen. "Da verletzungsfrei durchzukommen, wäre wichtig, damit ich eine gute Basis für die nächste Saison habe."

Vorbereitung steht

Sein Vorbereitungsprogramm will Melzer bis Ende nächster Woche fixiert haben. "Die ersten drei Wochen werden aber sicher in Wien sein, da werde ich mit Michael Buchleitner Kondition bolzen." Grundsätzlich sollte die Schinderei aus etwas bestehen, was auch Spaß macht. Ein Programm wie vor ein paar Jahren mit 70 Stunden am Rad braucht Melzer nicht wieder. Zudem soll es den Rücken nicht zu belasten. "Das muss gut dosiert sein."

 Sein Trainer Alexander Waske betreut auch Tommy Haas und wird in der Zeit rund um den Jahreswechsel mit dem schon 36-jährigen Deutschen in den USA für dessen - nach einer im Juni erfolgten Schulteroperation - x-ten Comeback arbeiten. Sich da anzuschließen, ist für Melzer keine Option. Bei welchem Turnier er in der Woche ab 5. Jänner die neue Saison eröffnet, ist noch nicht entschieden.

 

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