Saison-Fazit

Das Ende einer goldenen Ära bei den Skispringern

30.03.2026

Der Abschluss der Weltcup-Saison 2025/26 im slowenischen Planica markiert für den Österreichischen Skiverband (ÖSV) einen Wendepunkt.  

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© Gepa
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Während die Übergabe der Kristallkugel für den erneuten Gewinn der Nationen-Wertung auf den ersten Blick Kontinuität suggeriert, offenbart ein Blick hinter die Kulissen einen tiefgreifenden Strukturwandel innerhalb des Teams. Mit dem fünften Sieg in der Nationen-Wertung in Folge und dem insgesamt 23. Erfolg unterstreicht Österreich seine Vormachtstellung im Skisprung-Zirkus. Historisch betrachtet nähert sich der ÖSV damit jener legendären Ära zwischen 2003 und 2010 an, in der die „Super-Adler“ acht Mal hintereinander triumphierten.

Der große Coup blieb aus

Dennoch hat sich die Dynamik an der Weltspitze verändert: Der Gesamtsieg im Weltcup ging in diesem Winter an den Slowenen Domen Prevc, der eine historisch singuläre Leistung ablieferte. Österreichs Spitzenmann, Daniel Tschofenig, bestätigte mit Rang drei zwar seine Weltklasse, der ganz große Coup im Einzel blieb jedoch aus.

Abschied der Routiniers: Eine Zäsur im Teamgefüge

Mit Michael Hayböck (Rücktritt 2024/25) sowie nun Daniel Huber und Manuel Fettner haben drei Athleten ihre Karriere beendet, die über ein Jahrzehnt lang das Rückgrat der Nationalmannschaft bildeten. Besonders der Abgang von Fettner hinterlässt eine Lücke an Erfahrung, die über rein sportliche Resultate hinausgeht. Diese Rücktritte markieren den Abschluss eines Kapitels, das von einer außergewöhnlichen Leistungsdichte und mannschaftlicher Geschlossenheit geprägt war.

Der fließende Generationenwechsel

Die Analyse der abgelaufenen Saison zeigt jedoch, dass der Verband den Umbruch bereits proaktiv eingeleitet hat. Die Altersstruktur präsentiert sich so gesund wie selten zuvor: Die neue Speerspitze: Stephan Embacher (20) gilt als das Versprechen für die Zukunft. Mit Olympia-Gold im Super Team sowie Platz zwei im Skiflug-Weltcup hat der junge Tiroler bewiesen, dass er dem Druck großer Ereignisse gewachsen ist.

Junge Garde rückt nach

Die kompakte Spitze: Mit vier Springern unter den Top-10 des Gesamtweltcups (Tschofenig 3., Embacher 6., Hörl 8., Kraft 10.) verfügt Österreich weiterhin über die größte Leistungsbreite im Feld. Die junge Garde: Athleten wie Jonas Schuster (22), Maximilian Ortner (23) und Markus Müller (23) haben sich im Weltcup etabliert und bilden das Fundament für die kommenden Jahre.

Die Rolle des Rekordmanns

Inmitten dieses Umbruchs fungiert Stefan Kraft weiterhin als Fixstern. Trotz einer Saison, in der er im Gesamtweltcup auf Rang 10 landete, setzte er mit dem ewigen Punkterekord von aktuell 16.197 Weltcup-Zählern einen Meilenstein für die Geschichtsbücher. Gemeinsam mit Jan Hörl (27) bildet der 32-jährige Kraft die notwendige Brücke zwischen der abgetretenen „goldenen Generation“ und den aufstrebenden Talenten.