In der ZiB2

Diplomat schlägt Alarm: "Putin will die Ukraine auslöschen"

23.01.2026

Erstmals haben Vertreter der Ukraine, Russlands und der USA direkt über den US-Plan für ein Ende des Krieges in der Ukraine verhandelt.

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Im Mittelpunkt der Gespräche der Delegationen, die am Freitag in Abu Dhabi begannen, dürften Territorialfragen gestanden sein. Kurz vor Verhandlungsbeginn bekräftigte Moskau seine Maximalforderung, wonach sich die ukrainische Armee aus der gesamten Region Donbass einschließlich bisher nicht von Russland kontrollierter Gebiete zurückziehen soll. Zuvor gab es ein Treffen zwischen dem US-Gesandten Steve Witkoff in Moskau sowie ein Treffen des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj mit US-Präsident Donald Trump in Davos.

Washington drängt auf ein Ende des Kriegs. Russland dringt seit Langem darauf, die vollständige Kontrolle über die Donbass-Region zu übernehmen. Dies sei "eine sehr wichtige Bedingung", bekräftigte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kurz vor Beginn der Gespräche. Solange dies nicht geschehe, sei es "sinnlos, auf den Abschluss eines langfristigen Abkommens zu hoffen". Kiew, das noch etwa 20 Prozent der ostukrainischen Donbass-Region kontrolliert, lehnt eine Abtretung des Gebiets entschieden ab.

In der ZiB 2 mit Marie-Claire Zimmermann: "Die Hoffnung ist groß", meinte der ukrainische Botschafter Wassyl Chymynez, angesprochen auf die Chance, dass ein Durchbruch gelingt. "Unser Wunsch ist klar, wir reden über die Parameter, wie wir den gerechten Frieden erreichen können", so der Botschafter. Er bestätigt den 20-Punkte-Plan, der mit den USA und den europäischen Partnern ausgearbeitet wurde. "Der Frieden würde niemals näher kommen, wenn wir bereit sind, unsere Gebiete aufzugeben", erklärt Chymynez, warum die Ukraine beim Donbass nicht nachgibt. Denn dieser Schritt würde "den Aggressor motivieren, weiterzumachen".

Düstere Prognosen 

Ungeachtet der Gespräche in Abu Dhabi setzte Russland seine Angriffe auf die Ukraine auch am Freitag fort. Nach ukrainischen Angaben wurden dabei drei Menschen in der Region Charkiw getötet, vier weitere starben demnach bei Angriffen in der Nacht zuvor.

In Kiew sind wegen russischer Angriffe auf die Energieversorgung weiterhin Tausende Menschen bei Minusgraden ohne Strom. Die EU kündigte am Freitag die Lieferung von hunderten Notstromaggregaten nach Kiew an und warf Russland vor, Zivilisten mitten im harten Winter absichtlich von Wärme und Strom abzuschneiden. Die Temperaturen in der Ukraine sind zum Teil auf minus 20 Grad Celsius gesunken. Russland attackiert die Ukraine seit fast vier Jahren nahezu täglich mit Drohnen und Raketen.

Aus Sicht der Ukraine will Russland weiter Krieg führen, bis die Ukraine kollabiert. Deshalb unterstreicht der Botschafter: "Das Ziel von Putin ist es, die Ukraine auszulöschen." Derzeit zieht der kälteste Winter über die Ukraine seit Kriegsbeginn. Laut Chymynez versucht Putin mit den anhaltenden Angriffen, die Bevölkerung zu zermürben. Er appelliert an sein Volk, dass man durchhalten muss und ist dankbar für die Hilfe aus europäischen Ländern.

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