Explosion der Gewalt

Islamisten setzen Botschaften in Brand

14.09.2012


Gefährliche Eskalation der Moslem-Proteste gegen ein Mohammed-Schmähvideo.

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In Karthoum (Sudan) zündeten 5.000 wütende Demonstranten das deutsche Botschaftsgebäude an, verbrannten die Flagge. Die Polizei setzte Tränengas ein. Chaos herrscht auch vor der britischen Vertretung. Die Attacken sind eine dramatische Eskalation in der nun fünftägigen Unruhewelle in Moslemstaaten: Nach den USA gerät nun auch die Europäische Union ins Visier von Hass-Islamisten. Bereits wird der ganze Westen und seine Kultur verdammt.

Stündlich spitzte sich die Lage zu, der Freitag wurde zum „Tag des Zorns“ – der Flächenbrand umfasst nun bereits elf Staaten:

  • In Tripoli (Libanon) brannte ein KFC-Fast-Food-Restaurant ab. Hier richteten sich die Proteste gegen den Papstbesuch. Es gab einen Toten und 25 Verletzte.
  • In Sanaa (Jemen) konnte die Polizei Demonstranten nur mit Wasserwerfern und Warnschüssen vom neuerlichen Sturm auf die Botschaft abhalten. US-Präsident Barack Obama schickte ein Antiterrorteam mit 50 „Marines“-Elitesoldaten.
  • In Kairo (Ägypten) sagte die „Moslembruder“-Partei von Präsident Mohammed Mursi geplante Massendemos nach Mursis Telefonat mit Obama zwar ab. Doch vor der US-Botschaft dauerten die blutigen Straßenschlachten an.
  • In Bengasi (Libyen), wo Dienstag US-Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner bei einem Anschlag starben, gab es vier Verhaftungen. Vor der Küste patrouillieren bereits zwei US-Kriegsschiffe – angriffbereit. Neue Details über Sicherheitslücken in der US-Botschaft: Ein Maulwurf dürfte Al-Kaida-Zellen verraten haben, dass keine US-Soldaten das Konsulat bewachten.
  • In Tunis (Tunesien) wurden beim Sturm der US-Botschaft am Freitag mindestens drei Menschen getötet , 28 verletzt.

Video als Vorwand: Radikale kämpfen um die Macht
Die Unruhen wurden durch einen von einem koptischen Ägypter in Kalifornien produzierten 14-Minuten-Film ausgelöst: Darin wird Prophet Mohammed als vertrottelter Schürzenjäger verschmäht.

„Amerika hat nichts mit dem Film zu tun“, plädierte Außenministerin Hillary Clinton. Vergebens: Längst ist der Film ein Vorwand für ultrakonservative „Salafisten“, für einen Showdown mit den demokratischeren Mächten nach dem „arabischen Frühling“: Die USA und Europa halfen beim Sturz der Despoten, „jetzt fliegen Brandbomben gegen ihre Vertretungen“, so Experte Fouad Ajami.

Ex-Dealer drehte Schandfilm

Ein in Ägypten geborener Ex-Insasse drehte den Skandal-Film in kalifornischen Film-Studios.

Jetzt wurde der in Ägypten geborene, in Long Beach (bei L.A.) lebende Straffällige Nakoula Basseley Nakoula (55) als Urheber des Mistfilms Innocence of Muslims identifiziert. Er ist ein koptischer Christ, der zur Tarnung in seiner Gaunerkarriere 17 Decknamen, darunter Sam Bacile, verwendete. Er gab sich zunächst als „jüdischer Israeli“ aus. Der Mann hat ein langes Strafregister, er landete je ein Jahr im Gefängnis wegen „Meth“-Drogendealerei und Finanzbetrug.

Dreh bei L.A. Die Firma Media for Christ hatte das Filmprojekt abgewickelt, gedreht wurde 2011 in der Blue Cloud Movie Ranch in Santa Clarita. Der Projekttitel hieß zunächst Desert Warrior: Die Laienschauspieler wurden hinters Licht geführt, ihre ursprünglichen Dialoge später beim Schnitt durch die Mohammed-Beleidigungen ersetzt. Nakoula hat sich in seinem Haus in Long Beach verbarrikadiert. Es droht ihm die Verhaftung.

Islam-Experte: "Tage des Zorns als Vorwand"

Islam-Experte Udo Steinbach über die neuerliche Eskalation der Gewalt.

ÖSTERREICH: Warum brennen jetzt wieder West-Botschaften?
Steinbach: Militante Randgruppen des islamischen Spektrums nützen abermals eine unsäglich dumme US-Provokation für das Ausleben ihres Hasses auf alles Westliche. Meist ist es ein diffuser, willkürlicher Hass. Deshalb brannte wohl auch die deutsche Botschaft im Sudan – wenn Amerika gerade nicht zur Verfügung steht, wird eben eine andere Botschaft angezündet.

ÖSTERREICH: Ist der arabische Frühling gescheitert?
Steinbach: Nein, aber es ist ein bewusstes Attentat auf diesen. Islamisten torpedieren ganz gezielt ihre neuen Regierungen, nützen Zorn als Vorwand. Jetzt erleben wir das, wovor stets gewarnt wurde.

ÖSTERREICH: Wird daraus ein Flächenbrand?
Steinbach: Die Regierungen in Libyen, Ägypten und Tunesien distanzieren sich zwar von der jetzigen Gewalt, haben aber keine Macht über die radikalen Gruppen in ihren Ländern. Es ist auch kein Auflehnen aller Moslems gegen den Westen, sondern ein gezielter Krieg radikaler Gruppen.

ÖSTERREICH: Können wir dagegen etwas tun?
Steinbach: Vernunft, Zurückhaltung, Wachsamkeit. Wir sollten uns von der Gewalt nicht mitreißen lassen.

Plant Obama gezielte Militär-Schläge?

Kriegsschiffe vor Libyen und dem Jemen, US-Marines auf dem Weg in den Nahen Osten. Reagiert US-Präsident Obama mit Krieg auf die Gewalt?

Die Zeichen stehen auf Sturm: Die Zerstörer „USS Laboon“ und „USS McFaul“ sind bereits auf dem Weg nach Libyen. Auch schickte Präsident Obama verstärkt Marine-Infantristen nach Tripolis, Bengasi und in Jemens Hauptstadt Sanaa: „Wir werden die Täter zur Rechenschaft ziehen“, drohte Obama am Freitag bei einer Zeremonie auf dem Militärflughafen Andrews Air Force Base vor den Toren Washingtons: „Wir werden niemals aufhören, für Freiheit und Würde zu sorgen, die jede Person verdient.“
Zwar glaubt niemand an einen massiven Krieg. Im Pentagon arbeiten aber bereits Militärstrategen an Szenarien, wie die Amerikaner die völlig überforderten Regierungen in Libyen, Ägypten und im Jemen im Kampf gegen den Islam-Terror und Al-Kaida-Zellen in Zukunft unterstützen könnten.

Fast alle US-Präsidenten setzten kurz vor Wahlen (Amerika wählt im November) auf militärische Konfrontation.

Taktische Einheiten der US-Marines bereits vor Ort
Die jetzt entsandten FBI-Agenten, CIA-Männer und Elitesoldaten sollen, wird behauptet, aber bloß zur Verstärkung der US-Botschafts-Bewachung eingesetzt werden. Und: Sie sollen die Mörder von US-Botschafter Chris Stevens (52) und drei weiteren Amerikanern finden. Stevens wurde in Bengasi/Libyen vom Mob ermordet, seine Leiche durch die Straßen geschleift. Ein Schock für die USA.

Taktische Einheiten mit jeweils 50 Marines sind bereits in Libyen und im Jemen eingetroffen. In den nächsten Tagen sollen auch verstärkt US-Drohnen in den Krisenregionen eingesetzt werden.

(bah) / Karl Wendl

 

(c) APA

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0.11 Uhr: Bei einem Angriff auf einen Militärstützpunkt im südlichen Afghanistan sind zwei US-Soldaten ums Leben gekommen, verlautete aus US-Behördenkreisen in Washington. Es habe sich um einen "komplexen Taliban-Angriff" auf das Camp Bastion in der Provinz Helmand gehandelt. Zwei Marines seien ums Leben gekommen, weitere Soldaten wurden verletzt.

23.35 Uhr: Papst Benedikt XVI. äußerte sich besorgt über die "vielen dramatischen Situationen" im Nahen Osten. Einzelne Länder nennt er jedoch nicht.  Die Religionsfreiheit sei ein "heiliges und unveräußerliches Recht" und reiche über eine unverbindliche religiöse Toleranz hinaus, hob der Papst hervor. Auf keinen Fall dürfe die Religion zur "Quelle von politisch-religiöser Instrumentalisierung, von Diskriminierung und Gewalt" werden.

21.58 Uhr: USA ermitteln gegen Filmemacher
Eine US-Behörde ermittelt gegen den mutmaßlichen Produzenten des Mohammed-Schmähfilms wegen eines möglichen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen. Eine Gerichtssprecherin teilte am Freitag mit, dass die Bewährungsaufsicht den Fall überprüfe. Er solle in einem Vorort von Los Angeles wohnen und wegen Bankbetrugs eine Gefängnisstrafe abgesessen haben. Daran habe sich eine fünfjährige Bewährungsstrafe angeschlossen. Während dieser Zeit sei es ihm untersagt gewesen, das Internet zu nutzen oder seinen Namen zu ändern.

21.25 Uhr: Obama: Die USA werden sich niemals zurückziehen
US-Präsident Barack Obama hat Gerechtigkeit für die vier in Libyen getöteten amerikanischen US-Diplomaten gefordert. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte er am Freitag bei einer Zeremonie auf dem Militärflughafen Andrews Air Force Base vor den Toren Washington. Dort trafen am Abend die Särge mit den Toten ein.  "Die Vereinigten Staaten werden sich niemals aus der Welt zurückziehen", sagte er in seiner Ansprache.

© Reuters

US-Präsident Obama und Außenministerin Hillary Clinton in Washington; Foto: Reuters

21.20 Uhr: Proteste bestärken Papst in seiner Mission
Gerade angesichts der Spannungen und Konflikte sei Benedikt XVI. "absolut entschlossen", die Region zu besuchen. Kernbotschaft seiner Ansprachen sei: "Habt keine Angst", so Vatikansprecher Federico Lombardi im Libanon.

20.56 Uhr: Ban Ki-moon: Film "widerlich"
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon nannte den US-Film "widerlich". "Es ist schändlich, das Grundrecht der Meinungsfreiheit zu nutzen, um absichtlich Sektierertum und Blutvergießen zu provozieren", sagte Ban in New York. Die Gewalt gegen US-Vertretungen in den vergangenen Tagen sei aber durch nichts zu rechtfertigen.

20.45 Uhr: Attacke auf US-Botschaft in Benghazi nicht geplant
Der Angriff auf die US-Vertretung im libyschen Benghazi mit vier Toten ist nach Erkenntnissen der US-Regierung doch nicht von langer Hand geplant gewesen. "Wir haben keine Hinweise darauf", sagte Regierungssprecher Jay Carney.

20.41 Uhr: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel verurteilte die Attacken auf die deutsche Botschaft in Khartoum "in aller Schärfe". "Gewalt darf nie Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Religiöser Fanatismus darf nicht die Oberhand gewinnen."

19.44 Uhr: Zwei Tote in Khartoum
In der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurden zwei Menschen bei Protesten vor der US-Botschaft getötet. Nach Angaben der Rettungskräfte wurde ein Mann von einem Polizeiwagen überfahren. Die Leiche des zweiten Toten wurde am Fuß der Umfassungsmauer der Botschaft gefunden, wobei die Umstände seines Todes unklar waren.

19.14 Uhr: Drei Tote und 28 Verletzte in Tunis
Bei dem Sturm der US-Botschaft in der tunesischen Hauptstadt sind mindestens drei Menschen getötet worden. Mindestens 28 Menschen seien zudem verletzt worden, als Demonstranten die Vertretung in Tunis angriffen, meldete die Nachrichtenagentur TAP unter Berufung auf vorläufige Angaben des Gesundheitsministeriums.

19.08 Uhr: Die Leichen der vier in Libyen getöteten US-Diplomaten werden in den USA erwartet. Präsident Obama und Außenministerin Hillary Clinton wollten bei der Zeremonie (ca. 20.15 Uhr MESZ) auf dem Militärflughafen Andrews Air Force Base vor den Toren Washington dabei sein. Obama wird eine kurze Ansprache halten.

18.19 Uhr: Höchste Alarmstufe bei Papst-Besuch im Libanon
Papst Benedikt XVI. wurde in Beirut vom libanesischen Präsidenten Michel Sleiman empfangen. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen: Vor dem Flughafen wie auch im Luxushotel und Medienzentrum des Vatikans stehen Soldaten in Kampfuniform, bewaffnet mit Maschinenpistolen. Im 70 Kilometer von Beirut entfernten Tripoli sind bei Protesten gegen den Mohammed-Film 25 Menschen verletzt worden - ein Demonstrant wurde erschossen.

© Reuters

Straßenschlacht in Tripoli; Foto: Reuters

17.57 Uhr: Video-Produzent gibt US-Radiosender Interview
Der mutmaßliche Produzent des islamfeindlichen US-Films bereut sein Werk nicht. In einem Radio-Interview sagte der Mann, laut eigenen Angaben ein koptischer Christ aus Kalifornien, dass sein Film auf einem von ihm selbst geschriebenen Buch aus dem Jahr 1994 basiere. Er sei dann von "bestimmten Personen" gebeten worden, einen Film aus dem Buch zu machen und dieser Bitte sei er nachgekommen. Er hoffe, dass die Menschen den Film in Gänze sehen, bevor sie ihn beurteilen. Sich selbst bezeichnete er als einen "arabischen Denker", der sich für islamische Themen interessiere.

© Reuters

Medien vor dem Haus des mutmaßlichen "Sam Bacile" in Kalifornien; Foto: Reuters

17.33 Uhr: Drahtzieher des Schmäh-Videos enttarnt?
Der Drahtzieher hinter dem islamfeindlichen Schmäh-Video soll laut US-Medienberichten kriminellen Hintergrund haben. Wie das "Time"-Magazine berichtet, soll es sich um einen 55-jährigen Mann handeln, der in Kalifornien lebt.  Die "New York Times" bezeichnet den Mann als "zwielichtigen Tankstellenbesitzer mit einer Geschichte von Festnahmen und geschäftlichen Pleiten". Im Internet soll sich der Mann des Pseudonyms "Sam Bacile" bedient haben. Reporter des TV-Senders CNN klopften vor laufender Kamera an die Tür des Mannes - erhielten aber keine Antwort.

17.06 Uhr: US-Botschaft im Sudan gestürmt
Auch die Botschaften der USA und Großbritanniens im Sudan wurden attackiert. In der Hauptstadt Khartum sind Demonstranten über die Mauer der US-Botschaft gesprungen. Gewehrfeuer war zu hören, berichtet ein Reuters-Reporter. Auch die britische Botschaft in Khartum wurde attackiert. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften wurde nach Informationen des TV-Senders Al-Arabiya eine Person getötet.

16.59 Uhr: US-Botschaft in Tunis gestürmt
Demonstranten stürmten das Gelände der US-Botschaft in der tunesischen Hauptstadt Tunis gestürmt. Aufgebrachte Menschen sprangen über die Botschaftsmauer, berichteten Reuters-Augenzeugen. Fenster wurden eingeschlagen, Bäume in Brand gesetzt. Mindestens fünf Demonstranten wurden durch von der Polizei abgegebene Schüsse verletzt. In dem Gebäudekomplex ist ein Brand ausgebrochen.

© Reuters

Dichter Rauch vor der US-Botschaft in Tunis; Foto: AP


Krisenstab in Berlin
In Berlin ist ein Krisenstab eingerichtet worden, der mit der Botschaft in Kontakt stehe, hieß es aus Berlin. Die Mitarbeiter der deutschen Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum seien derzeit in Sicherheit. Aus Protest gegen die Übergriffe sei der sudanesische Botschafter einbestellt worden. Man habe ihn "auf die Pflicht seiner Regierung zum Schutz diplomatischer Einrichtungen hingewiesen". Erst am Morgen hatte das Auswärtige Amt erklärt, die Sicherheitsvorkehrungen an den deutschen Botschaften in islamischen Ländern seien wegen der Proteste erneut verschärft worden.

© Reuters

Demonstranten auf dem Gelände der deutschen Botschaft in Khartoum; Foto: Reuters

Ein Toter im Libanon
Bei den Protesten gegen das islamfeindliche Video bei YouTube ist in der libanesischen Stadt Tripoli ein Mensch ums Leben gekommen. 25 Menschen wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen verletzt. Die Demonstranten hatten am Freitag eine Filiale der US-Imbisskette KFC angegriffen und sie in Brand gesetzt. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA meldete, die Polizei habe in die Luft geschossen, um die Demonstranten zu vertreiben.

Kurz vor den Ausschreitungen war Papst Benedikt XVI. in der libanesischn Hauptstadt Beirut eingetroffen. Die Demonstranten in Tripoli riefen nach Berichten von Augenzeugen: "Wir wollen den Papst nicht" und "Keine Beleidigungen mehr".

Jemen
In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa eskalierte die Situation erneut, als Hunderte Demonstranten zur US-Botschaft marschieren wollten. Sicherheitskräfte gaben Warnschüsse ab und setzten Wasserwerfer ein, wie ein Korrespondent berichtete.

Die Demonstranten in Sanaa versammelten sich etwa 500 Meter von der Botschaft entfernt. Sie forderten die Ausweisung des US-Gesandten und verbrannten die US-Flagge. Am Donnerstag waren vier Menschen bei Protesten vor der US-Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt getötet worden.

© AP

(c) AP: Demonstranten verbrennen die US-Fahne in Sanaa

Bangladesch
In Bangladeschs Hauptstadt Dhaka versammelten sich vor der größten Moschee des Landes, der Baitul-Mokarram-Moschee, etwa 10.000 Demonstranten. Sie verbrannten israelische und US-Flaggen und riefen Parolen wie "Wir werden keine Beleidigungen unseres Propheten hinnehmen" oder "Zerschmettert die schwarzen Hände der Juden".

Hunderte Polizisten und Elite-Sicherheitskräfte hielten die Demonstranten mit Wasserwerfern davon ab, zur mehrere Kilometer entfernten US-Botschaft vorzudringen. Die Proteste seien "friedlich" geblieben, sagte Polizeichef Golam Sarwar. Der oberste Geistliche der Baitul-Mokarram-Moschee, Maolana Mohammad Salahuddin, hatte den US-Film "Unschuld der Muslime" über den Propheten Mohammed in seiner Ansprache an die Gläubigen verurteilt und eine "exemplarische Bestrafung der Filmemacher" gefordert. Zugleich rief er die Gläubigen auf, von Gewalt gegen Menschen oder Dinge abzusehen.

Indonesien
In der indonesischen Hauptstadt Jakarta versammelten sich am Freitag fast 500 muslimische Fundamentalisten mit ihren Angehörigen zu einer Demonstration vor der US-Botschaft. Ein Sprecher der für ein Kalifat kämpfenden Organisation Hizb ut-Tahrir, die die Proteste organisiert hatte, nannte den Film "eine Kriegserklärung". Die indonesische Polizei stationierte nach eigenen Angaben bis zu 400 Beamte rund um die US-Botschaft.

Ägypten
In der ägyptischen Hauptstadt Kairo gab es am Vormittag immer wieder Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten vor der US-Botschaft. In Jordanien kündigten sowohl die fundamentalistischen Salafisten als auch die Muslimbrüder Demonstrationen an.

Pakistan
Mehrere hundert Menschen gingen in Pakistan auf die Straße. Kundgebungen wurden auch aus Karachi, Lahore und Peshawar gemeldet. In Afghanistan gab es in der Ostprovinz Nangarhar eine Protestaktion mit mehreren hundert Teilnehmern.

Österreich
Auch Österreich steht mit seinen Botschaftern nach den blutigen Protesten in der Region in engem Kontakt. Zwar werde das Sicherheitspersonal nicht verstärkt, man stimme sich jedoch mit den lokalen Sicherheitseinrichtungen ab, hieß es am Freitag aus dem Außenministerium. Besondere Vorsicht herrsche bei österreichischen Botschaften, die sich in der Nähe von US-Botschaften befinden. Die österreichischen Botschaften in Beirut, Tunis und Abuja schlossen am heutigen Freitag wegen der erwarteten Proteste bereits zu Mittag.

Aufregung um Film
Das in den USA produzierte Amateur-Video stellt den Propheten Mohammed als Homosexuellen, Kinderschänder und Schürzenjäger dar. Bei gewaltsamen Ausschreitungen von Muslimen, die ihre Religion durch den Film beleidigt sehen, waren in den vergangenen Tagen in Libyen vier US-Diplomaten getötet worden. Es kam zu Angriffen auf US-Einrichtungen in Libyen, Ägypten und dem Jemen. Bereits 2006 war es nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung zu einem weltweiten Gewaltausbruch gekommen. Damals kamen im Nahen Osten, Asien und Afrika mindestens 50 Menschen ums Leben.



Hier die Bilder der Attacke auf das US-Konsulat in Libyen. Bei dem Angriff starb der US-Botschafter Christopher Steven.

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