Er heißt Osama

Wiener Ärzte retten Gaddafis Tiger

12.09.2011

Die verängstigten Tiere reagierte aggressiv auf Helfer aus Österreich.

Zur Vollversion des Artikels
Zur Vollversion des Artikels

Der Hilferuf kam Anfang vergangener Woche. Telefonisch meldete sich der Direktor des Zoos der libyschen Hauptstadt Tripolis bei alten Freunden in Wien. Er bat um Unterstützung der Tierschutzorganisation Vier Pfoten im Kampf um das Überleben von 700 Zoo-Tieren.

Im Vier-Pfoten-Büro an der Linken Wienzeile wurde nicht lange überlegt. Schon zwei Tage nach dem Anruf koordinierte Robert Hengl (34) den Hilfseinsatz im 1.800 Kilometer entfernten Wüstenstaat. Der Wiener Veterinär Dr. Amir Khalil leitet seitdem ein Team von Austro-Ärzten und Helfern.

Unterernährt
Mit dabei ist auch Richard Stern, der die Verbindung in die Heimat hält: „Es war schrecklich, als wir ankamen. Es gab praktisch keine Pfleger mehr. Sie sind wegen des Krieges davongelaufen und weil sie schon lange kein Geld mehr bekommen haben. Die Tiere wirken apathisch, vor allem die Großkatzen sind völlig abgemagert. Manche sind wohl schon Wochen nicht mehr gefüttert worden“, schilderte der Helfer seine Eindrücke in die österreichische Einsatz-Zentrale.

Dr. Khalil und sein Team machten sich sofort an die Arbeit. "Zwei Dinge haben wir uns vorgenommen“, sagt Robert Hengl, „wir wollen nach Möglichkeit alle kranken Tiere impfen und Futter für den gesamten Zoo für einen Monat bereitstellen.“ 50.000 Euro kostet das Vier Pfoten.

Den Wiener Ärzten gelingt es, die meisten Tiere aufzupäppeln. Nur Osama, einer der Lieblingstiger von Diktator Gaddafi, bereitet ihnen Sorgen. Das Tier ist stark unterernährt, scheint nur noch aus Haut und Knochen zu bestehen. Die Großkatze kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Tröpfchenweise flößen ihr die Helfer Wasser ein.

Todeskampf
Doch die Hilfe kommt zu spät, Osama stirbt in den Armen des Tierarztes: „Er war mit seinen 21 Jahren einfach schon zu alt, um die Strapazen und den kriegsbedingten Stress zu überstehen“, sagt Dr. Khalil. Es ist der schlimmste Augenblick während der Mission, doch die glücklichen Momente überwiegen. Die anderen Tiger Gaddafis werden gerettet.

Zur Vollversion des Artikels
Weitere Artikel