CDU-Delegierte wählen neue Parteispitze

Merkel in Abschiedsrede: "Es war mir eine Ehre"

06.12.2018

1.001 Delegierte entscheiden über Nachfolge von Merkel als Parteivorsitzende.

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Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hofft, dass ihre Christdemokraten trotz des Wettbewerbs um die Parteispitze mit Geschlossenheit und Kompromissfähigkeit in die nächsten Wahlkämpfe gehen wird. Die CDU könne auch in diesen schwierigen Zeiten gute Ergebnisse erringen, wenn sie "geschlossen und entschlossen" kämpfe, sagte die scheidende Vorsitzende am Freitag beim CDU-Parteitages in Hamburg.

"Wohin uns nicht enden wollender Streit führt, dass haben CDU und CSU in den letzten Jahren bitter erfahren", fügte sie warnend hinzu.
 
© APA
 

Standing Ovations

Merkel, die nach 18 Jahren und 8 Monaten an der CDU-Spitze nicht mehr für den Parteivorsitz antritt, wurde von den 1.001 Delegierten mit minutenlangem Applaus empfangen. Einige von ihnen hielten Schilder mit der Aufschrift "Danke, Chefin" hoch.
 
Im Mittelpunkt des Parteitages steht die Wahl eines Nachfolgers der Bundesparteivorsitzenden, die nach schweren Verlusten der CDU und der Schwesterpartei CSU bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen Ende Oktober ihren Rückzug erklärt hatte. Als Bundeskanzlerin wird Merkel aber noch bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 weitermachen.
 
Den Parteitag nutzte Merkel auch für einen Blick zurück. Sie sagte, die CDU habe nach der Parteispendenaffäre damals nicht klein beigegeben, sondern sie habe es "allen gezeigt". Sie betonte, die Aussetzung der Wehrpflicht 2011 sei richtig gewesen.
 
 

"Es war mir eine Ehre"

Tief bewegt schließt Merkel ihre Abschiedsrede als CDU-Parteichefin ab: „Ich bin dem Gefühl der Dankbarkeit erfüllt. Es war mir eine große Freude, es war mir eine Ehre!", sagt Merkel unter tosendem Applaus. Stehende Ovationen bei den Delegierten, mehr als neun Minuten brandete der Applaus. Über 18 Jahre hatte Merkel an der Parteispitze der CDU gestanden. Das Amt der CDU-Vorsitzenden nannte Merkel „eine Aufgabe, die ich mit Leidenschaft und Hingabe versucht habe auszufüllen.“ Es sei nun an der Zeit, „ein neues Kapitel aufzuschlagen“, sagt Merkel am Ende ihrer Rede. Ihr alles überragendes Gefühl sei das der Dankbarkeit für ihre Ämter. Sie habe sich immer vorgenommen, sie mit Würde zu tragen – und eines Tages mit Würde zu verlassen.
 

© Getty Images

Drei Kandidaten rittern um die Merkel-Nachfolge:

1. Annegret Kramp-Karrenbauer (56): 
AKK liegt in Umfrage vorne

Merkel-Vertraute. Engste Mitarbeiterin der Kanzlerin, Typ junge Merkel: Klar, hart, nüchtern-analytischer Politikstil, Erfolgsfrau, völlig uneitel. Mutter von drei Kindern, Katholikin, studierte Jus und Politik. Bis 2018 war sie Ministerpräsidentin des Saarlandes, gewann haushoch für die CDU, dann holte sie Merkel nach Berlin, machte sie zur Generalsekretärin der Partei. In den Umfragen lag sie zuletzt klar vor ihren Mitkonkurrenten. Hat aber innerparteilich wenig mächtige Unterstützer.

2. Jens Spahn (38): Jugend als größter Trumpf

Außenseiter. CDU-Gesundheitsminister. Studierte Politikwissenschaften. Trat zuletzt offen gegen Merkel auf, kritisierte massiv ihre Flüchtlingspolitik. Schon früh erkannte er seine Homosexualität, outete sich aber erst mit 21. Er selbst sagt: „Meine Homosexualität hat mir nie geschadet.“ Seit 2017 ist er verheiratet mit ­Daniel Funke, einem Journalisten. Er und sein Partner können sich vorstellen, in Zukunft einmal Kinder zu adoptieren.

Spahn liegt allerdings in allen Umfragen klar abgeschlagen hinter Merz und Kramp-Karrenbauer. Bei den Sympathiewerten kommt er gerade auf 12 Prozent. Spahn und Kanzler Kurz arbeiteten zuletzt eng zusammen, Spahn war auch beim Opernball in Wien.

3. Friedrich Merz (63): Prominente Fürsprecher

Millionär. Anwalt, ehrgeizig, erfolgreich, ein Provokateur, Manager. Er war eine Macht in der CDU. Dann kegelte ihn Merkel raus. Neun Jahre war er nicht mehr aktiv in der Politik. In der Zeit der Polit-Abstinenz wurde er Aufsichtsratschef vom weltweit größten Vermögensverwalter BlackRock: „Heute verdiene ich eine Million pro Jahr“, sagte er zuletzt.

Nun sein Comeback. Sein zweites Polit-Leben. Der größte Unterstützer von Merz ist das mächtige CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble, Ex-Finanzminister, Präsident des Deutschen Bundestags. Er sprach sich offen für Merz aus, was ihm viel Kritik einbrachte. Auch die Bild pusht Merz ganz massiv, favorisiert ihn als den „starken Konservativen“ an der Spitze der CDU.

Karl Wendl

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