Nachfolger
Nach Khameneis Tod: So wird der neue Ober-Mullah gewählt
02.03.2026Nach dem Tod des langjährigen obersten Führers des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, bei US-israelischen Angriffen am Wochenende hat Teheran die schnelle Ernennung eines Nachfolgers angekündigt.
Damit will die Führung der Islamischen Republik zeigen, dass sie weiterhin handlungsfähig ist. Für die Ernennung des obersten Führers gibt es ein festes Prozedere.
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Wer entscheidet?
Das System, das im Iran nach der Islamischen Revolution von 1979 errichtet wurde, kombiniert eine auf dem Islam gegründete Theokratie mit demokratischen Elementen. Der oberste Führer des Landes wird auf Lebenszeit von einem vom Volk gewählten Expertenrat bestimmt. Theoretisch wird der oberste Führer von einem Gremium aus den obersten Klerikern des Landes kontrolliert. De facto hat er aber das letzte Wort sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik und ist Oberbefehlshaber der iranischen Truppen.
Der Expertenrat besteht aus 88 Juristen, die alle acht Jahre von den iranischen Bürgern gewählt werden. Bisher gab es nur einen Wechsel an der Spitze: Als Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini 1989 nach längeren gesundheitlichen Problemen starb, wurde Khamenei zu seinem Nachfolger bestimmt.
Wann fällt die Entscheidung?
Nach dem Tod Khameneis kündigte Teheran eine schnelle Entscheidung über den neuen obersten Führer an. "Dem Gesetz entsprechend muss ein Führer so schnell wie möglich bestimmt werden, und angesichts der Kriegsbedingungen wird dies bei der frühestmöglichen Gelegenheit geschehen", wurde ein Sprecher des iranischen Wächterrats am Sonntag im Staatsfernsehen zitiert. Der zwölfköpfige Wächterrat fungiert innerhalb des iranischen Machtsystems als Kontrollinstanz.
Außenminister Abbas Araqchi sagte am Sonntag dem Sender Al-Jazeera: "Sie könnten die Auswahl eines obersten Führers in ein oder zwei Tagen sehen." Vor dem Krieg mit Israel und den USA hatte Araqchi versichert, das System der Islamischen Republik sei darauf ausgelegt, mit Führungskrisen umzugehen, und sei "nicht abhängig von Individuen".
"Wann immer es notwendig ist, wird (der Rat) einen neuen obersten Führer für das Land auswählen, genauso, wie es nach dem Ableben von Ayatollah Khomeini geschehen ist", hatte der Außenminister Anfang vergangener Woche in einem Interview der Zeitung "India Today" gesagt. Der Übergang von Khomeini zu Khamenei sei damals in "weniger als 24 Stunden" erfolgt.
Was geschieht in der Zwischenzeit?
Die iranische Führung gab nach ihrer offiziellen Bestätigung von Khameneis Tod rasch bekannt, dass nun vorübergehend ein dreiköpfiger Übergangsrat das Land führe. Ihm gehören Präsident Masoud Pezeshkian, Wächterratsmitglied Alireza Arafi sowie der als ausgesprochener Hardliner bekannte Justiz-Chef Gholamhossein Mohseni-Ejei an.
Pezeshkian verkündete am Sonntag, dass das Triumvirat seine Arbeit aufgenommen habe. "Wir werden weiter mit all unserer Kraft den von Imam Khomeini vorgezeichneten Weg fortsetzen", sagte er in einer Videobotschaft, die im iranischen Staatsfernsehen ausgestrahlt wurde.
Wie lief der einzige bisherige Wechsel an der Spitze ab?
In den 80er-Jahren wurde der hochrangige Geistliche Ayatollah Hossein Ali Montazeri als Nachfolger Khomeinis gehandelt. Der Revolutionsführer änderte jedoch kurz vor seinem Tod seine Haltung, und der Expertenrat wählte Khamenei. Dieser lehnte seine Nominierung zunächst ab, aber die Kleriker beharrten auf ihrer Wahl - und so wurde Khamenei schließlich der mächtigste Mann im Land.