Laut Insidern

US-Geheimdienste zweifeln an schnellem Umsturz im Iran

Nach der Tötung des iranischen geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Khamenei gibt es Skepsis bei US-Regierungsvertretern, dass der Militäreinsatz zu einem raschen Sturz der Führung in Teheran führen wird.  

Drei mit Geheimdienstkenntnissen vertraute Insider aus der US-Regierung, mit denen Reuters sprach, äußerten Zweifel, dass die angeschlagene iranische Opposition das seit 1979 bestehende theokratische System zu Fall bringen kann.

Zwar schloss keiner der Insider einen Sturz der Regierung, die durch die Luftschläge und Personalverluste geschwächt sei, kategorisch aus. Kurzfristig sei ein solches Szenario aber unwahrscheinlich. Einschätzungen der CIA zufolge, die dem Weißen Haus in den Wochen vor dem Angriff vorgelegt worden seien, dürften Vertreter der Revolutionsgarden (IRGC) oder klerikale Hardliner Irans Nachfolgeregierung vorerst anführen.

Hoffen auf Umsturz von innen

US-Präsident Donald Trump hat die Angriffe unter anderem mit dem Ziel begründet, das repressive Regierungssystem zu stürzen. Chris Coons, ein Senator der Demokraten, hatte allerdings dem Sender CNN gesagt, er könne sich nicht vorstellen, dass es einen Wechsel im Iran durch die aktuelle Offensive gebe: "Ich kenne kein Beispiel in der modernen Geschichte, bei dem ein Regimewechsel allein durch Luftangriffe zustande gekommen ist." Den Einsatz von Bodentruppen scheuen die USA und Israel aber - auch angesichts der Risiken hoher Verluste oder Bildern getöteter Soldaten, die über US-Bildschirme flimmern könnten. Trump hat daher wiederholt das iranische Volk aufgerufen, den Moment zu nutzen und den Sturz der Regierung herbeizuführen.

Einer der Insider verwies auf das Patronagenetzwerk der Revolutionsgarden, das interne Loyalität sichere und damit die Gruppe zusammenhalte. Auch habe es während der massiven Proteste im Jänner keine Überläufer aus den Reihen der Garden gegeben. Dies sei aber Voraussetzung für eine erfolgreiche Revolution. Trump hatte am Wochenende davon gesprochen, dass viele Mitglieder der Garden, des Militärs und anderer Sicherheits- und Polizeikräfte nicht mehr kämpfen wollten und von den USA Immunität erwarten würden. Jetzt könnten sie diese noch bekommen, später allerdings nicht mehr, hatte Trump gesagt. Ob seine Darstellungen zutreffen oder nur Zweifel am Zusammenhalt der iranischen Sicherheitskräfte schüren sollten, blieb unklar.

Der ehemalige US-Geheimdienstler Jonathan Panikoff vom Atlantic Council sagte, wenn die Regierung im Iran nicht stürze, würden "die Überreste des Regimes, die über die Waffen verfügen, diese wahrscheinlich einsetzen, um an der Macht zu bleiben". Trump selbst hatte am Sonntag gesagt, der militärische Konflikt mit dem Iran könnte noch vier Wochen andauern.

Debatten über künftige Iran-Strategie

Innerhalb der US-Regierung gibt es zudem Debatten über die künftige Iran-Strategie. Der Sondergesandte Steve Witkoff führte nach den Jänner-Protesten Gespräche mit dem Oppositionellen Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schahs. Es ist aber fraglich, ob eine von den USA unterstützte Oppositionsfigur das Land kontrollieren könnte. Trump selbst kündigte am Sonntag an, die Kommunikation mit Teheran wieder aufnehmen zu wollen – ein Signal, dass Washington zumindest kurzfristig von einem Fortbestand der Regierung ausgeht. Im Iran hatte am Wochenende ein Führungsrat die Aufgaben Chameneis übernommen.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten