Russland-Experte:
Plötzlich kippt die Stimmung gegen Putin
20.05.2026Der Kreml bereitet bereits ein neues Szenario vor.
Die erfolgreichen ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Städte setzen den Kreml offenbar zunehmend unter Druck. Laut dem russischen Journalisten und Wirtschaftsexperten Andrey Gurkov verändert sich die Stimmung im Land spürbar – sowohl in der Bevölkerung als auch innerhalb des Machtapparats. Im Podcast von Paul Ronzheimer sprach Gurkov sogar von einem möglichen „Kipppunkt“.
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„In Dutzenden Städten Russlands gibt es nachts Fliegeralarm. Das ist etwas ganz Neues für die russische Bevölkerung“, sagte Gurkov im „Ronzheimer“-Podcast. Besonders symbolisch sei ein virales Video aus Moskau gewesen, in dem eine junge Russin überrascht auf Explosionen reagiert: „Ich hätte nie gedacht, dass der Krieg zu uns kommen würde.“ Genau das habe die Ukraine mit ihren Angriffen erreicht. Gurkovs Fazit: „Da kippt die Stimmung.“ Viele Menschen hätten mittlerweile den Wunsch, dass der Krieg beendet wird – „ein Gefühl, das es vor einigen Monaten noch nicht gegeben hat“.
Nervosität wächst
Neben der Unsicherheit durch die Angriffe verschärft sich laut Beobachtern auch die wirtschaftliche Lage in Russland. Die ausbleibenden militärischen Erfolge, Inflation und wirtschaftliche Probleme belasten Putins Machtbasis zunehmend. Selbst innerhalb der russischen Elite wächst die Nervosität, weil sich der Krieg länger hinzieht als erwartet.
Gurkov sieht vor allem eine Gefahr für autoritäre Systeme: den schleichenden Widerstand innerhalb der Bürokratie. „Die größere Gefahr für das Regime ist die Sabotage der Bürokratie. Das ist eine Krankheit von Diktaturen.“ Befehle aus Moskau könnten zunehmend ignoriert oder verschleppt werden – etwa bei Rekrutierungen oder wirtschaftlichen Vorgaben.
Neues Szenario
Besonders brisant: Laut Gurkov kursieren bereits interne Kreml-Papiere für den Fall eines Waffenstillstands. Russische Exilmedien hätten eine sogenannte „Metoditschka“ zugespielt bekommen – eine Art Anleitung, wie ein mögliches Kriegsende der Bevölkerung verkauft werden könnte. „Da wird außerordentlich interessant, außerordentlich zynisch und clever aufgelistet, was man alles der Bevölkerung auftischen muss, damit sie das Gefühl hat: Wir haben diesen Krieg so glänzend gewonnen, dass wir stolz sein können“, sagte Gurkov.
Trotzdem glaubt der Russland-Experte nicht, dass Wladimir Putin bereits zu echten Zugeständnissen bereit ist. Putin wolle zumindest den Donbass vollständig kontrollieren, um anschließend behaupten zu können: „Wir haben gewonnen, wir haben den Donbass befreit.“
Auch außenpolitisch sende der Kreml plötzlich neue Signale. Dass Putin zuletzt Ex-Kanzler Gerhard Schröder als möglichen Vermittler ins Spiel brachte, deutet Gurkov als Zeichen wachsender Schwäche. Putin habe lange auf Unterstützung durch Donald Trump gesetzt und Europa gleichzeitig „verächtlich beiseitegeschoben“. Nun suche Moskau offenbar wieder vorsichtig den Kontakt nach Europa – auch das für Gurkov ein Hinweis darauf, dass der Druck auf den Kreml spürbar wächst.