Mohammed-Schmähung

Tote bei schweren Krawallen in Pakistan

21.09.2012

Die Wut über den Mohammed-Film in der arabischen Welt hält weiter an.

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Die Aufregung um den Skandal-Film , in dem der Prophet Mohammed beleidigt wurde, geht weiter.

In Pakistan kam es trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen nach den Freitagsgebeten zu Unruhen mit mindestens 16 Toten und Dutzenden von Verletzten. Auch in vielen anderen Ländern gab es Proteste.

12 Tote in Karachi
In der pakistanischen Hafenstadt Karachi im Süden des Landes starben nach Polizeiangaben zwölf Menschen, darunter drei Polizisten, 80 Menschen wurden verletzt. Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Toten steigen könnte. Bei Unruhen im nördlichen Peshawar gab es nach Angaben des Rettungsdienstes vier Tote, unter ihnen ein Mitarbeiter eines Fernsehsender. In der Hauptstadt Islamabad durchbrachen nach Medienberichten Hunderte aufgebrachte Muslime Absperrungen rund um das Regierungsviertel. In dem Bereich liegen in einem zusätzlich gesicherten Areal auch westliche Botschaften. Erst gegen Abend gelang es der Polizei, die aufgebrachte Menge unter Kontrolle zu bringen.

Im ostpakistanischen Lahore lieferten sich Demonstranten in der Nähe des US-Konsulats ebenfalls Straßenschlachten mit Sicherheitskräften. Innenminister Rehman Malik erklärte, die Armee stünde zum Eingreifen bereit. Die Kommunikation im Land war schwierig, weil die Regierung am Freitag in 15 großen Städten zeitweise den Mobilfunkservice ausgesetzt hatte.

Die USA bemühten sich unterdessen um Deeskalation. Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton distanzierten sich im pakistanischen Fernsehen vom Video. In dem von sieben Sendern ausgestrahlten Beitrag sagte Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das seit seiner Gründung alle Glaubensrichtungen akzeptiere. Clinton betonte, die USA hätten mit dem Video nichts zu tun. Für die TV-Sendezeit gab die US-Regierung umgerechnet mehr als 50.000 Euro aus. In Islamabad erklärte der amtierende US-Botschafter, die Produktion des Schmähvideos beruhe auf der "zutiefst taktlosen Entscheidung eines Einzelnen, um Hass zu schüren".

Die tunesische Regierung hatte sämtliche Demonstrationen am Freitag verboten. Die islamistische Regierungspartei Ennahda steht zunehmend unter Druck der radikalen Salafisten. Ennahda-Chef Rached Ghannouchi hat die Salafisten als Bedrohung bezeichnet, gegen die der Staat vorgehen müsse. Die Salafisten, die die Gesellschaftsordnung zur Zeit des Religionsstifters Mohammed wiederherstellen wollen, stellten "eine Gefahr nicht nur für Ennahda, sondern für die öffentlichen Freiheiten im Land und für seine Sicherheit dar", sagte Ghannouchi am Freitag.

 Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad warf dem Westen Doppelmoral vor. "Der Westen behauptet, es sei Teil der Meinungsfreiheit, den Propheten Mohammed zu beleidigen. Aber warum unterdrücken sie dann wegen einer einfachen historischen Frage Geschichtsforscher und bedrohen eine ganze Nation deswegen?", sagte Ahmadinejad am Freitag in Teheran.
 

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