In Abu Dhabi
Ukraine-Krieg: Verhandlungen bringen erstes Ergebnis
05.02.2026Die Delegationen der USA, der Ukraine und Russlands haben sich bei den Gesprächen in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf einen Gefangenenaustausch geeinigt.
Es gehe um insgesamt 314 Personen, sagte der US-Sondergesandte Steven Witkoff. Die Friedensgespräche seien detailliert und produktiv gewesen, es bleibe jedoch noch einiges zu klären, fügte er hinzu. Die Diskussionen würden fortgesetzt, in den kommenden Wochen werde mit weiteren Fortschritten gerechnet.
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Anzeichen für einen Durchbruch gab es zunächst nicht. Die Delegationen der Konfliktparteien äußerten sich zuversichtlich über den Verlauf der Gespräche zur Beendigung des seit fast vier Jahren andauernden Krieges. Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow bezeichnete die Runde als "bedeutungsvoll und produktiv". Man konzentriere sich auf konkrete Schritte und praktische Lösungen, schrieb Umjerow auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Es werde in denselben Formaten gearbeitet wie am Vortag, darunter trilaterale Konsultationen und Gruppendiskussionen.
Der russische Gesandte Kirill Dmitrijew sprach von "positiver Bewegung". Es werde aktiv an der Wiederherstellung der Beziehungen zu den USA gearbeitet. Zugleich griff er die europäischen Verbündeten Kiews an: "Die Kriegstreiber aus Europa" versuchten ständig, diesen Prozess zu stören, sagte Dmitrijew. Je mehr solche Versuche es gebe, desto deutlicher sehe man den Fortschritt.
Trump drängt beide Seiten zu Kompromiss
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump drängt beide Seiten zu einem Kompromiss. Trotz der positiven Signale liegen die Positionen in Kernfragen jedoch noch weit auseinander. Moskau fordert als Vorbedingung für eine Einigung den Abzug ukrainischer Truppen aus dem gesamten Gebiet Donezk, einschließlich stark befestigter Städte. Zudem verlangt Russland die Kontrolle über das besetzte Atomkraftwerk Saporischschja. Die Ukraine lehnt einen einseitigen Rückzug ab und fordert, den Konflikt entlang der aktuellen Frontlinien einzufrieren. Das Land verlangt auch die erneute Kontrolle über die Anlage in Saporischschja, dem größten Atomkraftwerk Europas.
Russland hält derzeit rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt. Analysten zufolge hat die russische Armee seit Anfang 2024 etwa 1,5 Prozent an Territorium hinzugewonnen. Während der Gespräche beruhigte sich die militärische Lage etwas. Nach schweren russischen Luftangriffen im Vorfeld gab es am Donnerstag weniger Meldungen über Kampfhandlungen. In Kiew wurden nach Angaben des Bürgermeisters in der Nacht zwei Menschen durch einen Drohnenangriff verletzt.
Der freiheitliche Delegationsleiter im Europäischen Parlament, Harald Vilimsky, kritisierte die Einigung der EU-Botschafter über eine 90 Milliarden Euro schwere Finanzierung für die Ukraine scharf. "Dass von dieser Summe rund 60 Milliarden Euro ausdrücklich für Verteidigungsausgaben vorgesehen sind, ist ein klares politisches Bekenntnis zur Fortsetzung des Kriegs. Diese Mittel dürfen für den Ankauf von Waffen verwendet werden. Wer so entscheidet, nimmt eine Verlängerung der Kampfhandlungen bewusst in Kauf", so Vilimsky in einer Aussendung.