Not steigt

21 Menschen nach Erdrutsch in Mexiko vermisst

04.11.2007

Nach den schweren Überschwemmungen und dem Abgang von Schlammlawinen warten noch tausende Menschen auf Rettung.

Zur Vollversion des Artikels
Zur Vollversion des Artikels

Nach dem Abgang einer Schlammlawine in einem mexikanischen Dorf im Bundesstaat Chiapas haben die Rettungskräfte am Mittwoch weiter nach 21 Vermissten gesucht. Vier Leichen wurden bisher in dem Chaos aus Wassermassen und Schlamm geborgen. Es sei schwer noch Hoffnung zu haben, die Vermissten lebend zu bergen, sagte der Gouverneur von Chiapas, Juan Sabines. Die meisten der 600 Bewohner der Ortschaft San Juan Grijalva im Süden Mexikos hatten sich am Sonntag rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Von dem Dorf mit seinen etwa 400 indianischen Einwohnern blieben nur drei Häuser übrig.

Ganze Dörfer werden evakuiert
Sechs Nachbardörfer wurden evakuiert, zahlreiche Indianergemeinden waren von der Außenwelt abgeschlossen. In den Überschwemmungsgebieten des benachbarten Bundesstaats Tabasco entspannte sich die Lage nach tagelangem Dauerregen.

Mindestens 27 Tote nach Erdrutsch
Victor Ramirez, einer der Überlebenden der Katastrophe von San Juan Grijalva, berichtete, wie ein Erdhügel am Ufer des Grijalva-Flusses abrutschte und eine gewaltige Flutwelle Dutzende Häuser, die Schule und die Kirche wegriss. Die Dorfbewohner seien in Panik zur höchsten Stelle des Dorfes gerannt. Er, seine Frau und seine Kinder hätten überlebt, aber seine beiden Nichten und sein Schwager seien umgekommen. Ramirez nannte insgesamt 27 Todesopfer mit Vor- und Nachnamen. Die Erd- und Steinmassen, die in den Fluss Grijalva stürzten, führten dazu, dass dessen vorübergehend um zwei Meter gestiegener Wasserstand sank.

Pegel sinkt langsam
Auch in Villahermosa, der von dem Fluss durchquerten Hauptstadt von Tabasco, sank der Pegel. Der Gouverneur des Bundesstaates, Andres Granier, sagte, noch mindestens 10.000 Menschen in Tabasco warteten in ihren von Wasser umspülten Häusern auf Rettung. Vor allem in entlegenen Dörfern gestalteten sich die Rettungsarbeiten schwierig. Dort weigerten sich die Menschen aus Angst vor Plünderungen, ihre Häuser zu verlassen. Am stärksten betroffen ist das Gebiet um Villahermosa, wo außer dem Grijalva- auch der Carrizal-Fluss über die Ufer trat. Große Teile der Stadt und ihrer Umgebung standen unter Wasser. Hilfslieferungen auf dem Landweg waren laut Granier kaum möglich, weil die meisten Straßen überschwemmt wurden.

Die Regierung von Tabasco erklärte das Zentrum von Villahermosa zum Sperrgebiet, um Plünderungen zu unterbinden. Am Wochenende hatte die Polizei Medienberichten zufolge mehr als 50 Verdächtige festgenommen, die teils in Booten zu ihren Beutezügen aufgebrochen waren.

Tiere verhinderten größere Katastrophe
Bei der Unwetterkatastrophe in einem mexikanischen Dorf im Bundesstaat Chiapas haben Tiere eine noch höhere Opferzahl verhindert. Bisher gelten offiziell 14 Menschen als tot oder vermisst. In dem Dorf San Juan Grijalva lebten 600 Menschen, bevor eine Flutwelle alles zerstörte. Dorfbewohner berichteten jetzt, dass die nervösen Tiere die drohende Gefahr gespürt haben mussten und in höhere Gebiete geflohen seien. Ihnen sei man gefolgt.

Von dort sahen die Menschen dann, wie eine gewaltige Flutwelle nach einem Erdrutsch über ihr Dorf hereinbrach. Am Dienstag wurden zwei Leichen geborgen. Die Bergungsarbeiten dauerten weiter an.

Wieder leichte Regenfälle
In den kommenden Tagen werden wieder leichte Regenfälle erwartet. Sie sollen, wie der mexikanische Wetterdienst mitteilte, aber keine weitere Belastung für die Lage in den Überschwemmungsgebieten von Tabasco und Chiapas darstellen.

Hilfe in Krisengebieten
Der mexikanische Präsident Felipe Calderon beauftragte unterdessen Innenminister Francisco Ramirez Acuna, den Menschen in den Krisengebieten zu helfen. Calderon hatte eine Reise zum Lateinamerika-Gipfel in Chile abgesagt, um sich selbst ein Bild von der Katastrophe in Chiapas zu machen.

Zur Vollversion des Artikels